Allianz will Kreditversicherer Euler Hermes komplett schlucken

Oliver Bäte
Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz. (Foto: Allianz)

München – Die Allianz will sich den weltgrössten Kreditversicherer Euler Hermes für mehr als 1,8 Milliarden Euro komplett einverleiben. Der Münchner Versicherungsriese kündigte am Montag ein Übernahmeangebot an die restlichen Aktionäre seiner deutsch-französischen Tochter an, an der er bisher 63 Prozent hält.

Das Unternehmen, das auch die deutschen «Hermes»-Exportbürgschaften abwickelt, soll danach von der Pariser Börse genommen werden. An der Strategie von Euler Hermes soll sich nichts ändern, wie die Allianz betonte.

Euler Hermes steht nach eigenen Angaben für rund ein Drittel des weltweiten Warenkreditversicherungs-Marktes, der den internationalen Handel absichert.

Europas grösster Versicherer Allianz ist seit längerem auf der Suche nach Zukäufen, vor allem in der Schaden- und Unfallversicherung. Die Allianz bezeichnete die Aufstockung bei Euler Hermes als «folgerichtigen Schritt im Rahmen des gezielten Kapitaleinsatzes in strategisch wichtigen Geschäftsbereichen mit solider operativer Performance».

Es ist die grösste Übernahme unter der Ägide von Konzernchef Oliver Bäte. Im Sommer hatte die Allianz die Übernahme der Mehrheit an Schaden- und Unfall-Sparte der traditionsreichen britischen Liverpool Victoria Friendly Society (LV=) für knapp 800 Millionen Euro vereinbart. Sie verhilft ihr dazu, auf der Insel zum drittgrösster Privatkunden-Versicherer zu werden.

Aufschlagsprämie von gut 20%
Für die restlichen Euler-Hermes-Aktien bietet die Allianz je 122 Euro, das ist gut ein Fünftel mehr als der Schlusskurs von 101,50 Euro vom vergangenen Freitag. Mit einigen Aktionären, die zusammen 11,3 Prozent halten, ist sie sich schon einig und kann damit auf jeden Fall auf 74,3 Prozent aufstocken.

Leisten kann sich die Allianz die Aufstockung locker. Die Solvabilitätsquote von zuletzt mehr als 220 Prozent werde damit um vier Prozentpunkte sinken. Um die dicke Kapitaldecke etwas abzuschmelzen, hatte die Allianz kürzlich angekündigt, 2018 eigene Aktien für weitere zwei Milliarden Euro zurückzukaufen. Daran ändere sich durch die Komplett-Übernahme von Euler Hermes nichts, betonte der Versicherungskonzern. (awp/mc/ps)

Über die Allianz
Die Allianz Gruppe zählt zu den weltweit führenden Versicherern und Asset Managern und betreut mehr als 86 Millionen Privat- und Unternehmenskunden. Versicherungskunden der Allianz nutzen ein breites Angebot von der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung über Assistance-Dienstleistungen und Kreditversicherung bis hin zur Industrieversicherung. Die Allianz ist einer der weltweit grössten Investoren und betreut im Auftrag ihrer Versicherungskunden ein Investmentportfolio von über 650 Milliarden Euro. Zudem verwalten unsere Asset Manager Allianz Global Investors und PIMCO mehr als 1,4 Billionen Euro für Dritte. Mit der systematischen Integration ökologischer und sozialer Kriterien in unsere Geschäftsprozesse und Investitionsentscheidungen sind wir der führende Versicherer im Dow Jones Sustainability Index. 2016 erwirtschafteten über 140.000 Mitarbeiter in mehr als 70 Ländern für die Gruppe einen Umsatz von 122 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 11 Milliarden Euro.

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