Bâloise mit Gewinnrückgang im Halbjahr

Martin Strobel

Bâloise-CEO Martin Strobel. (Foto: Bâloise)

Basel – Die Bâloise hat in einem von sehr tiefen Zinsen und dem starken Schweizer Franken geprägten Umfeld einen starken Gewinnrückgang erlitten. Insbesondere die Lebensparte bekam die widrigen Umstände zu spüren – wobei allerdings 2014 ein hoher Gewinn auf Zinsabsicherungen das Ergebnis begünstigt hatte. Gut läuft das Geschäft im Nichtlebenbereich, wo die Bâloise wiederum von einem zumeist günstigen Schadenverlauf, höheren Reservenauflösungen und weiteren Einsparungen profitierte.

Die Bâloise habe den Gegenwind durch die tiefen Zinsen und den starken Franken gut gemeistert, hielt der im Frühjahr 2016 abtretende CEO Martin Strobel am Donnerstag an einer Telefonkonferenz fest. In den Monaten Januar bis Juni ging der Gewinn auf 249 Mio CHF zurück, nachdem er im Halbjahr 2014 um 40% auf 350 Mio in die Höhe geklettert war. Damit übertraf die Versicherungsgruppe die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten (AWP-Konsens: 239 Mio). Indessen wuchs das Geschäftsvolumen in Lokalwährungen um 3,9%.

Im Nichtlebengeschäft gut unterwegs
Einmal mehr hat sich das Nichtlebengeschäft als starker Pfeiler der Gruppe präsentiert. Die Combined Ratio (netto) sank bzw. verbesserte sich netto um 0,9 Prozentpunkte (PP) auf 92,3% und bewegt sich damit unterhalb der anvisierten Bandbreite von 93 bis 96%. Der Bâloise gelang es, den Kostensatz auf 31,0 von 32,2% zu drücken, während die etwas höhere Last aus mehreren Grossschäden (2,8 vs 1,9 PP im Vorjahr) von höheren Abwicklungsgewinnen (1,5 vs 0,7 PP) kompensiert wurde.

Combined Ratio in der Schweiz auf gutem Niveau
Im Ländervergleich lag die Combined Ratio im Heimmarkt Schweiz, auch von Abwicklungsgewinnen getragen, mit 81,5% auf einem erneut sehr tiefen und damit guten Niveau, während Grossschäden in Deutschland die Kennzahl auf 111,9% anhoben. Allein ein Brand einer Fabrik im Schwarzwald und Schäden aus dem Sturmtief Niklas von Ende März hätten die Combined Ratio mit rund 12 PP belastet, sagte Strobel.

Neugeschäftsmarge verfehlt Ziel
Während sich das operative Ergebnis (EBIT) in der Nichtlebensparte um 34% auf 262 Mio CHF erhöhte, ging es im Lebengeschäft mit -72% auf 70 Mio in die andere Richtung. Einerseits hat der Rückgang mit den Zinsabsicherungseffekten aus dem Vorjahr zu tun, andererseits mussten die Rückstellungen aufgrund der anhaltend tiefen Zinsen um 100 Mio verstärkt werden. Im Tiefzinsumfeld fiel auch die Neugeschäftsmarge mit 7% (VJ 11,3%) unter das Ziel von 10% zurück.

„Mit dieser Marge verdienen wir immer noch deutlich mehr als die Kapitalkosten“, hielt der CEO fest. Dennoch sei es das Ziel, mit einer Reihe von Massnahmen die Neugeschäftsmarge zu verbessern. Dabei setzt die Bâloise verstärkt auf kapitalschonende bzw. weniger zinsabhängige Produkte in der Einzellebenversicherung, die im Halbjahr währungsbereinigt um 15% gewachsen sind.

Des Weiteren sei es in der Schweiz gelungen, in der beruflichen Vorsorge mit teilautonomen Stiftungen, in welchen die Unternehmen auf Garantien verzichten aber von grösseren Renditechancen profitieren, Fuss zu fassen und auch die Nachfrage nach Vollversicherungslösungen im Schweizer BVG-Geschäft stützte das Wachstum von 3,3% in der Lebensparte. Und zu guter Letzt werde die Bâloise die Kosten weiter senken und so die Effizienz verbessern, versprach Strobel.

Renditeziel bekräftigt
Das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 8 bis 12% werde man erreichen, schliesslich stehe die Rendite zur Jahreshälfte bei ungefähr 10%, so der CEO weiter. Die Bâloise sei für die kommende Strategieperiode ab 2016 gut aufgestellt, um sich profitabel weiterzuentwickeln.

CEO-Suche läuft
CEO Strobel wird indes das Unternehmen Ende April verlassen und sich danach im Umfeld kleinerer und mittlerer Unternehmen (Private Equity, Start-Up’s) engagieren. Eine neue Führungsrolle in der Assekuranz werde er nicht übernehmen, sagte Strobel. Derweil sei die Suche nach einem Nachfolger an der Spitze der Bâloise im Gange bzw. auf Kurs.

An der Börse gewannen die Bâloise-Aktien in einem sehr starken Gesamtmarkt (SMI +3,1%, SPI +2,9%) unterdurchschnittliche 2,1% auf 118,90 CHF dazu. Der Gewinn lag zwar etwas über dem AWP-Konsens, die Analysten zeigten sich jedoch von der Performance der Lebensversicherung etwas enttäuscht. Insgesamt sei das Ergebnis aber solide gewesen, hiess es unter anderem. (awp/mc/upd/pg)

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