Barclays erneut mit Jahresverlust

James E. Staley
Barclays-CEO Jes Staley. (Foto: Barclays)

Barclays-CEO Jes Staley. (Foto: Barclays)

London – Fragwürdige Geschäfte mit Kreditnehmern und der verlustreiche Verkauf von Töchtern haben die britische Grossbank Barclays 2015 noch tiefer in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand im vergangenen Jahr ein Verlust von 394 Millionen britischen Pfund (501 Mio Euro) nach 174 Millionen Miesen ein Jahr zuvor, wie der Konzern am Dienstag in London mitteilte. Jetzt will sich Konzernchef Jes Staley vom Afrika-Geschäft trennen und die Bank in zwei Sparten neu organisieren. Zudem sollen die Aktionäre deutliche Abstriche bei der Dividende machen.

Die Barclays-Aktie reagierte mit einem Kursrutsch auf die Nachrichten. In der ersten halben Stunde nach Börsenstart verlor das Papier in London 7,41 Prozent auf 159,30 Pence. Neben den teuren Rechtsstreitigkeiten hatte die Bank auch im Kerngeschäft deutlich schlechter abgeschnitten als von Analysten erwartet.

Kunden sinnlose Versicherungen angedreht
Besonders teuer kamen Barclays frühere Geschäfte mit Kreditausfallversicherungen zu stehen. Im vierten Quartal legte das Institut in diesem Zusammenhang weitere 1,45 Milliarden Pfund zur Seite – vor allem für Entschädigungen von Kunden, denen sie sinnlose Versicherungen dieser Art angedreht hatte. Insgesamt hat der Skandal die Bank damit schon 7,4 Milliarden Pfund gekostet. Es geht allerdings noch schlimmer: Die Konkurrentin Lloyds musste für den Skandal schon rund 16 Milliarden Pfund zur Seite legen.

Bei Barclays schlug zudem der Verkauf der Töchter in Spanien, Portugal und Italien mit 580 Millionen Pfund negativ zu Buche. Mit der geplanten Trennung von der Afrika-Tochter treibt Staley die Trennung von Randbereichen weiter voran. Barclays gehören bislang gut 62 Prozent der Afrikatochter BAGL. In den kommenden zwei bis drei Jahren will die Bank die Beteiligung nun so weit verkaufen, dass die Afrika-Tochter nicht mehr als Teil des Barclays-Geschäfts gilt.

Dividende mehr als halbiert
Auch an den Aktionären geht der Ärger mit den fragwürdigen Geschäften nicht spurlos vorüber. Neben dem kräftigen Kurseinbruch seit dem vergangenen Sommer, der auch die Aktien anderer Grossbanken traf, sollen die Anteilseigner für 2016 und 2017 auf mehr als die Hälfte der Dividende verzichten. Lag die Ausschüttung für das vergangene Jahr mit 6,5 Pence je Anteilsschein noch auf dem Niveau von 2014, will Barclays-Chef Staley in diesem und dem kommenden Jahr nur noch 3 Pence ausschütten.

Die geplante Neuorganisation begründete Staley mit neuen regulatorischen Auflagen und Bestrebungen, die Struktur der Bank zu vereinfachen. Künftig soll die erste Sparte das Geschäft in Grossbritannien umfassen und die zweite das Auslandsgeschäft, die Firmenkunden und das Investmentbanking.

Gerade das Investmentbanking muss derzeit allerdings deutlich Federn lassen. Wie Barclays bereits im Januar mitgeteilt hatte, werden Niederlassungen in neun Ländern geschlossen. Betroffen davon seien Büros in Asien, Nord- und Südamerika sowie der Region Europa/Naher Osten/Afrika (EMEA). 1200 Arbeitsplätze sollen dabei wegfallen. (awp/mc/ps)

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