JPMorgan muss für windige Hypotheken-Deals büssen

Jamie Dimon
JPMorgan-CEO Jamie Dimon.

JPMorgan-CEO Jamie Dimon.

Washington – Nach Goldman Sachs muss nun auch die US-Grossbank JPMorgan Chase für zweifelhafte Geschäfte mit Hypothekenpapieren büssen. JPMorgan zahlt insgesamt rund 210 Millionen Dollar an Strafe und Wiedergutmachung – und kommt damit wesentlich günstiger und geräuschloser weg als der Wall-Street-Nachbar Goldman Sachs, der vor einem Jahr 550 Millionen Dollar aufwenden musste und über Monate hinweg in den Schlagzeilen war.

JPMorgan habe Investoren in die Irre geführt, „gerade als der Häusermarkt anfing zu fallen“, erklärte die Börsenaufsicht SEC am Dienstag. JPMorgan zahlt in einem Vergleich knapp 154 Millionen Dollar, um die Ermittlungen ad acta zu legen. Der grösste Teil des Geldes kommt den Geschädigten zugute. Darüber hinaus überweist die Bank Investoren eines ebenfalls gescheiterten Hypothekenpapiers freiwillig etwa 56 Millionen Dollar, wie JPMorgan erklärte. Eine Schuld räumte die Bank bei beiden Geschäften indes ausdrücklich nicht ein. Der Fall JPMorgan erinnert bis ins Detail an den Fall Goldman Sachs. Die SEC wirft der JPMorgan vor, Investoren eines Hypothekenpapiers namens „Squared CDO 2007-1“ darüber im Unklaren gelassen zu haben, dass ein Hedgefonds bei der Zusammenstellung des heiklen Finanzkonstrukts mitgewirkt – und anschliessend auf ein Scheitern gewettet habe. Das sogenannte CDO habe zehn Monate später, als der US-Häusermarkt eingebrochen war, fast seinen kompletten Wert verloren, erklärte die SEC.

„Mehr Übereinstimmungen als Unterschiede“
Die Parallelen zu Goldman Sachs räumte auch SEC-Chefermittler Robert Khuzami auf Bloomberg TV ein: „Es gibt mehr Übereinstimmungen als Unterschiede.“ Dass die Strafsumme dennoch geringer ausgefallen sei, hänge mit einer Vielzahl von Faktoren zusammen, etwa der investierten Summe. Khuzami deutete an, weitere Finanzfirmen belangen zu wollen: „Wir sind sehr aktiv in diesem Feld.“ Kritiker hatten der SEC vorgeworfen, an Goldman Sachs ein Exempel statuiert zu haben. Die Investmentbank gilt als Symbol für Licht und Schatten an der Wall Street – für gigantische Gewinne wie für rücksichtsloses Geschäftsgebaren. Die nicht weniger gut verdienende JPMorgan Chase indes ist wesentlich breiter aufgestellt und besitzt auch ein starkes Privatkundengeschäft.

Verschärfte Gangart
Die US-Justiz und die Regulierungsbehörden verschärfen derzeit ihre Gangart gegenüber den Banken, die bislang kaum für ihre Verfehlungen in der Finanzkrise zur Rechenschaft gezogen wurden. Zuletzt hatte der Bankenregulierer NCUA Klage gegen JPMorgan Chase und die Royal Bank of Scotland eingereicht, weil mehrere US-Genossenschaftsbanken nach dem Kauf von fragwürdigen Hypothekenpapieren zusammengebrochen waren. Der Regulierer verlangt von den beiden Instituten insgesamt mehr als 800 Millionen Dollar.

„Hochschwanger mit diesem Geschäft“
Die Banken verteidigen sich zumeist mit dem Argument, ebenfalls unter der Finanzkrise gelitten zu haben – so erklärte JPMorgan, bei dem von der Börsenaufsicht bemängelten Hypothekenpapier „Squared CDO 2007-1“ selbst den grössten Verlust davongetragen zu haben mit fast 900 Millionen Dollar. Laut SEC hatte die Bank im März und April 2007 noch händeringend versucht, die Papiere unter die Investoren zu bringen. „Wir sind hochschwanger mit diesem Geschäft – lasst uns bitte einen Kaiserschnitt machen!“, zitierte die SEC aus einer E-Mail eines JPMorgan-Bankers.

Geldstrom versiegt
In den fraglichen Hypothekenpapieren hatten die Banken zig kleine Hauskredite gebündelt und an Investoren weiterverkauft. Die stetig fliessenden Kreditraten – so die Idee – sollten für satte Renditen sorgen. Doch im Laufe des Jahres 2007 wuchsen die Probleme auf dem bis dato boomenden US-Häusermarkt. Viele private Kreditnehmer konnten ihre Raten nicht mehr zahlen, der Geldstrom versiegte, die Hypothekenpapiere verloren massiv an Wert. Das gesamte Finanzsystem geriet ins Wanken. Nur das Eingreifen des Steuerzahlers verhinderte den Kollaps.

JP Morgan umwirbt Hedge-Fonds
JPMorgan umwirbt laut einem Pressebericht Hedge-Fonds. Das Bankhaus biete nun auch in Europa Finanzdienstleistungen für Hedge-Fonds an, schreibt die „Financial Times“. Im Nachgang der Finanzkrise sind Hedge-Fonds gezwungen, ihre Beziehungen zu Banken zu diversifizieren. Damit eröffnen sich für die Institute neue Chancen in einem Markt, der in den USA lange von Goldman Sachs und Morgan Stanley dominiert wurde, in Europa von Credit Suisse.

Fuss im Prime-Brokerage-Geschäft
JPMorgan hat laut „FT“ durch die Übernahme der gestrauchelten US-Investmentbank Bear Stearns 2008 im Prime-Brokerage-Geschäft in den USA einen Fuss in die Tür bekommen. Seitdem hatten Topmanager der Bank dem Blatt zufolge wiederholt einen Ausbau des Geschäfts in Europa und Asien als zentralen strategischen Schritt für 2011 genannt. „Vor nur vier bis fünf Jahren haben wir uns noch gefragt, ob wir in das Prime-Brokerage-Geschäft erfolgreich einsteigen können?, zitiert die „FT“ Jes Staley, Chef des Investmentbankings bei JPMorgan. „Der richtige Moment kam 2008, als wir die Plattform gekauft haben, und wir haben nicht aufgehört, in sie zu investieren.“  (awp/mc/ss/upd/ps)

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