CS startet auch das Jahr 2022 mit Quartalsverlust

Credit Suisse
CS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz. (Foto: Credit Suisse)

Zürich – Die Credit Suisse kommt nicht aus den roten Zahlen. Verschiedenste Sonderfaktoren wie unter anderem Rückstellungen für den Bermudas-Fall und für Kreditverluste wegen des Ukraine-Kriegs sorgen auch im ersten Quartal 2022 wieder für einen Verlust.

Bei einer Reihe offener Rechtsfälle zeichnen sich nun mehr Kosten ab als bislang erwartet. Für das erste Quartal erhöht die Credit Suisse daher die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten um circa 700 Millionen Franken, wie die Grossbank am Mittwoch in einer Gewinnwarnung vor der Publikation der Quartalszahlen in einer Woche mitteilte. Per Ende 2021 hatte sie Rückstellungen für Rechtsfälle in der Höhe von 1,54 Milliarden Franken in den Büchern.

Es gehe bei den neuen Rückstellungen um bereits bekanntgegebene Rechtsangelegenheiten, die alle mehr als ein Jahrzehnt zurücklägen, hiess es. Um welche Fälle es dabei gehe, sagt die Bank aber nicht. Analysten vermuten aber, dass es unter anderem um einen Fall auf den Bermudas geht. Die CS hatte diesbezüglich bereits angekündigt zu prüfen, ob weitere Rückstellungen nötig seien.

Gericht: Betrug nicht verhindert
Vor dem Gericht auf der karibischen Inselgruppe hatte die Versicherungstochter Credit Suisse Life Bermuda eine Niederlage kassiert, will das Urteil aber anfechten. Vor rund einem Monat hatte die CS vermeldet, dass der Fall zu einer Zahlung von möglicherweise mehr als 500 Millionen US-Dollar führen könnte. Bei dem Rechtsstreit geht es um Lebensversicherungspolicen des Milliardärs Bidsina Iwanischwili, den Ex-Regierungschef Georgiens.

Spätestens ab 2011 hatte der Genfer CS-Berater Patrice Lescaudron reichen Kunden dreistellige Millionenbeträge aus dem vom ihm betreuten Vermögen abgezweigt – darunter von Iwanischwili. Der Vorwurf gegen die Credit Suisse lautet, dass die Bank keine oder unzureichende Massnahmen getroffen habe, um die «betrügerische Misswirtschaft» zu verhindern.

Belastung von über 1 Milliarde
Auch der Ukraine-Krieg belastet das Geschäft der zweitgrössten Schweizer Bank, denn er hat Auswirkungen auf Gegenparteien der Bank und Kreditrisiken. Verluste und Rückstellungen für Kreditverluste würden sich auf rund 200 Millionen Franken summieren.

Hinzu kommen Verluste in der Höhe von 350 Millionen wegen einer Wertminderung auf der Allfunds-Beteiligung. An der Gruppe hält die CS 8,6 Prozent. Der Aktienkurs der Fondsplattform ist im bisherigen Jahresverlauf um fast die Hälfte eingebrochen.

Damit summieren sich die ausserordentlichen negativen Effekte auf 1,25 Milliarden. Etwas kompensiert werden diese Verluste dadurch, dass die CS Rückstellungen in Bezug auf Forderungen an den kollabierten US-Hedgefonds Archegos auflösen konnte. Es war erwartet worden, dass es im Laufe der Zeit zu Rückerstattungen kommen wird. Für das erste Quartal löst die Bank jetzt Rückstellungen in Höhe von 170 Millionen auf.

Zudem wird der hohe Verlust mit dem Verkauf von Immobilien im Wert von 160 Millionen ebenfalls etwas abgemildert. Netto bleibt aber immer noch eine Belastung von über 900 Millionen für das Quartalsergebnis.

Weniger Geschäftstätigkeit
Die grossen Einmaleffekte sind unschön genug, was Analysten aber noch mehr beunruhigt, sind die schwächeren Trends auf bereinigter Ebene. Ein Rückgang der Kapitalmarktemissionen und eine geringere Geschäftsaktivität hätten die operativen Ergebnisse im bisherigen Jahresverlauf negativ beeinflusst, hiess es von der Credit Suisse.

Auch die US-Banken hatten bereits von einer Verlangsamung im Investmentbanking im ersten Quartal berichtet. Die Marktverlangsamung in Asien könnte bei der CS zudem eine Rolle spielen, hiess es am Markt.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die zweitgrösste Schweizer Bank bereits einen Reinverlust von 1,6 Milliarden Franken erlitten. Mit einem massiven Minus im vierten Quartal beendete sie zwei der vier Quartale 2021 mit Verlusten. Im ersten Quartal war sie wegen Archegos in die rote Zahlen geschlittert.

2022 betrachtet die Bank als Übergangsjahr. CS-Chef Thomas Gottstein stellte in einem Interview von Mitte Februar aber zumindest einen Gewinn in Aussicht. (awp/mc/pg)

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