CS-Grossaktionär stärkt Präsident Horta-Osorio den Rücken

António Horta-Osório
António Horta-Osório, ehemaliger VRP der Credit Suisse. (Foto: CS)

London – Nach einem Reuters-Bericht über eine zweite Quarantäne-Verletzung von Antonio Horta-Osorio hat sich einer der grössten Aktionäre hinter den in der Kritik stehenden Credit-Suisse-Präsidenten gestellt. «Wir unterstützen die Bemühungen des Verwaltungsratspräsidenten zu 100 Prozent und sind überzeugt, dass er die CS auf den Weg der Besserung bringt», erklärte Harris-Associates-Anlagechef David Herro am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Andere Anleger, Politiker und Medien äusserten sich dagegen kritisch. Der Wirtschaftschef der Schweizer Tamedia-Zeitungen, Peter Burkhardt, forderte gar den Rücktritt des Firmenlenkers. «Er ist nach aussen und innen unglaubwürdig geworden», schrieb er in einem Kommentar. Credit Suisse lehnte eine Stellungnahme ab.

Reuters hatte am Vortag berichtet, dass die Credit Suisse Insidern zufolge einen zweiten Verstoss Horta-Osorios gegen Corona-Quarantäneregeln untersucht. Neben der Missachtung von Quarantänevorschriften in der Schweiz habe der Firmenchef vorläufigen Ergebnissen einer internen Prüfung zufolge bei einem Besuch des Tennisturniers in Wimbledon auch britische Covid-Schutzregeln verletzt. Nun liege das Thema beim Verwaltungsrat.

«Wir betrachten diese kleineren Verstösse als reine Ablenkungen, und der Fokus muss auf dem Hauptproblem liegen, um das es geht: Der Turnaround der CS», erklärte Herro. Harris ist nach Angaben von Refinitiv der drittgrösste Aktionär des Schweizer Instituts. Herro hatte auch dem früheren Credit-Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam in einer Überwachungsaffäre, die den Ivorer schliesslich den Job kostete, bis zuletzt die Treue gehalten.

Ende April angetreten
Horta-Osorio war Ende April angetreten, bei der von einer Reihe von Skandalen und einem milliardenschweren Handelsverlust geschwächten Bank das Steuer mit einem Kulturwandel und einer Stärkung des Risiko-Managements herumzureissen. Mitte Dezember wurde der Portugiese in einer Mitteilung mit den Worten zitiert: «Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung werden gemeinsam eine Unternehmenskultur fördern, welche die Bedeutung von Rechenschaftspflicht und Verantwortung über die gesamte Bank hinweg weiter stärkt.»

Es gebe Zeiten, in denen kleine Fehler keine Rolle spielten, sagte ein Fondsmanager, der nicht namentlich genannt werden wollte. «Aber bei CS muss in der gegenwärtigen Situation Zero Tolerance gelten.» Wenn sich der zweite Quarantäne-Bruch bewahrheite, könne Horta-Osorio den kulturellen Wechsel nicht mehr verkörpern. «Je früher er geht, desto geringer ist der Schaden.» Die Credit-Suisse-Aktie, die sowohl 2021 als auch 2020 deutlich an Boden verlor, leide vor allem unter den Zweifeln an der Unternehmensführung.

Gewisse Firmenchefs glaubten offenbar, dass Regeln für sie nicht gelten würden, erklärte der Schweizer Parlaments-Abgeordnete Gerhard Andrey. «Solche Handlungen sind Ausdruck einer ungesunden Kultur in der Finanzbranche, die geändert werden muss,» so der Politiker der Grünen Partei. Die anhaltenden Skandale und Negativschlagzeilen schadeten nicht nur dem Institut selbst. «Wenn die Credit Suisse an Glaubwürdigkeit verliert, ist das nicht nur ein Problem für die Bank, sondern für die gesamte Schweizer Finanzbranche.» (awp/mc/pg)

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