Credit-Suisse-COO Bouée tritt nach Bespitzelungsaffäre zurück

Credit-Suisse-COO Bouée tritt nach Bespitzelungsaffäre zurück
Pierre-Olivier Bouée, COO der Credit Suisse, hat im Zuge der Bespitzelungsaffäre um den ehemaligen CS-Starbanker Iqbal Khan seinen Rücktritt erklärt. (Foto: CS)

Zürich – Die Credit Suisse betreibt nach der aus dem Ruder gelaufenen Bespitzelung des ehemaligen Topmanagers Iqbal Khan Schadensbegrenzung. COO Pierre-Olivier Bouée und der globale Sicherheitschef Remo Boccali verlassen die Bank, während Konzernchef Tidjane Thiam der Rücken gestärkt wird. Und nun soll schnell Ruhe über die Affäre einkehren.

Die Bank selbst spricht von einem «schwerwiegenden Reputationsschaden». Nachdem die heimliche Beschattungsaktion aufgeflogen war, musste die Credit Suisse daher schnell handeln. Angesichts des Drucks in der Öffentlichkeit habe «die Zeit gedrängt», sich zu erklären, sagte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner am Dienstag vor Journalisten.

Begonnen hatte die Geschichte vor gut einer Woche mit einem Bericht des Finanzportals «Inside Paradeplatz» über die Überwachung Khans. Der darauf folgende Medienwirbel brachte laufend neue und zum Teil widersprüchliche Informationen und Spekulationen. Der Verwaltungsrat der CS kündigte eine Untersuchung zu den Vorfällen an.

Das Ergebnis: Der Auftrag zur Überwachung von Khan sei «falsch und unverhältnismässig» gewesen, so das Urteil des Aufsichtsgremiums. Solche Massnahmen würden nicht toleriert, sagte Rohner. Er entschuldigte sich bei den Kunden und Aktionären, aber auch bei Khan und dessen Familie. Zudem äusserte er Betroffenheit über den tragischen Selbstmord eines externen Sicherheitsexperten. Dieser hatte als Mittelsmann die Überwachung durch das Detektivbüro in die Wege geleitet.

Thiam wusste von nichts
Als Schuldiger an der Affäre wurde die rechte Hand Thiams, COO Bouée, identifiziert: Dieser hat laut Untersuchungsbericht der Kanzlei Homburger allein entschieden, Khan beschatten zu lassen. Er sei seinen Aussagen zufolge besorgt gewesen, dass der scheidende Khan der Credit Suisse schaden könnte.

Aus der Schusslinie ist damit CEO Thiam, der gemäss der Untersuchung nicht involviert war. Es gebe absolut keine Hinweise, dass der Konzernchef von der Beschattungsaktion gewusst habe, machte Rohner klar. Thiam geniesse denn auch das volle Vertrauen des Verwaltungsrats und auch von ihm persönlich, sagte der Präsident. Auch bei sich selbst sieht Rohner keine Verantwortung für die Vorfälle.

Khan, der noch bis Ende Juni die internationale Vermögensverwaltung der CS führte und seit (heutigem) Dienstag für die Konkurrentin UBS arbeitet, wurde gemäss den Angaben der CS zwischen dem 4. September und dem 17. September 2019 während sieben Wochentagen mehrheitlich tagsüber überwacht. An der Ecke Fraumünster- und Börsenstrasse in der Zürcher Innenstadt fiel ihm die Beschattung auf, und er stellte ein Mitglied des Überwachungsteams. Die ganze Aktion flog auf.

Khan nichts vorzuwerfen
Gelohnt hat sich diese nicht: Die Credit Suisse kann keine Belege vorweisen, dass Khan versucht haben könnte, Mitarbeiter oder Kunden abzuwerben.

Die ganze Chose hat nun Konsequenzen für Bouée und für CS-Sicherheitschef Boccali, der von Bouée mit der Überwachung beauftragt worden war. Sie sind laut Untersuchung die einzigen, die innerhalb der Bank von der «Geheimaktion» wussten. Beide hätten ihren Rücktritt erklärt, was per sofort angenommen worden sei, hiess es vom Verwaltungsrat.

Private Nachrichten gelöscht
Was sich zwischen Khan und dem Detektiv genau zugetragen hat, bleibt nach wie vor offen. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hat – wegen einer Anzeige Kahns – ein Strafverfahren wegen Nötigung und Drohung eröffnet. Die entsprechenden Akten konnte die Anwaltskanzlei Homburger, die von der CS mit der Untersuchung beauftragt worden war, nicht einsehen. Ausserdem seien auch gewisse private Kommunikationen zwischen den involvierten Personen gelöscht worden, hiess es.

Der seit längerem schwelende private Streit zwischen Thiam und Khan, über den in den Medien breit berichtet wurde, war Rohner derweil bekannt. Beide Manager hätten ihm in unterschiedlichen Versionen davon erzählt, erklärte er ohne auf Details oder Hintergründe einzugehen. Der CS-Präsident begleitete später auch die Austrittsvereinbarung mit Khan, welche einen Wechsel zur UBS innerhalb von drei Monaten erst möglich machte. (awp/mc/ps)

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