Deutsche Bank sucht sich laut «The Times» neuen Chef

John Cryan
John Cryan, Vorstandschef Deutsche Bank. (Foto: Deutsche Bank)

Frankfurt / London – Die Deutsche Bank ist laut eines Presseberichts auf der Suche nach einem Ersatz für Konzernchef John Cryan. Nach drei verlustreichen Jahren und einem Kursrutsch der Aktie steht der Manager unter Druck.

Das Frankfurter Geldhaus habe den Europachef der Wall-Street-Bank Goldman Sachs , Richard Gnodde, angesprochen, berichtete die britische Zeitung «The Times» am Dienstag ohne Quellenangabe. Dieser habe das Angebot aber wohl abgelehnt. Eine Sprecherin der Deutschen Bank kommentierte den Bericht auf Nachfrage nicht.

Cryans Vertrag endet regulär im Jahr 2020. Zuletzt hatte er auch angedeutet, weitermachen zu wollen. Seine Arbeit sei nicht immer einfach gewesen, hatte er mit einem Schmunzeln auf der Bilanzpressekonferenz gesagt und hinzugefügt: «Ich fange an, meinen Job zu mögen.»

Die Beziehung zwischen Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner sei zerrüttet, schrieb die «Times» nun. Cryan wolle die Bank radikaler umbauen, namentlich das Kapitalmarktgeschäft, den einstigen Gewinnbringer und das heutige Sorgenkind. Darüber habe es einen heftigen Streit in der Führungsetage gegeben. Schon im vergangenen Jahr waren Spannungen zwischen Cryan und Achleitner kolportiert worden; damals ging es um den Umgang mit dem Hauptaktionär HNA aus China.

Neben dem Goldman-Topmanager Gnodde seien der Chef der italienischen Grossbank Unicredit, Jean Pierre Mustier, und der Chef der britischen Grossbank Standard Chartered , Bill Winters, als mögliche Nachfolger für Cryan erwogen worden, schrieb die «Times». Intern gelte der fürs Kapitalmarktgeschäft zuständige Co-Vize Marcus Schenck als starker Kandidat.

Cryan seit 2015 an Spitze der Bank
Cryan hatte Mitte 2015 das Ruder bei der Deutschen Bank übernommen. Er baut das von teuren Rechtsstreitigkeiten schwer in Mitleidenschaft genommene Institut seitdem um. So integriert er die Tochter Postbank komplett in den Konzern, um eine stärkere Stellung im deutschen Privatkundengeschäft zu erlangen. Umgekehrt brachte er die Vermögensverwaltungstochter DWS an die Börse, um ihr mehr Freiheiten fürs Wachstum zu geben.

Unter Investoren war zuletzt aber der Frust über die langsamen Fortschritte bei der Neuaufstellung gewachsen. Die letzten drei Jahre schrieb die Bank rote Zahlen. Erst vor einer Woche hatte Finanzvorstand James von Moltke vor Gegenwind im Kapitalmarktgeschäft gewarnt. Die Aktie rutschte in der Folge in einem ohnehin schwachen Markt zeitweise um mehr als 13 Prozent ab.

Auch der Wirbel um IT-Vorstand Kim Hammonds sorgte zuletzt nicht gerade für Vertrauen in die Führungsriege der Deutschen Bank: Laut der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» hatte sie auf einem Treffen der 150 wichtigsten Führungskräfte gesagt, die Bank sei das «dysfunktionalste Unternehmen», für das sie je gearbeitet habe. In einem Interview mit dem «Handelsblatt» bestätigte sie dies zwar nicht, widersprach der Darstellung aber auch nicht.

Die Gemengelage drückt sich im Aktienkurs aus: Zwischenzeitlich war er unter 11 Euro gerutscht und damit auf tiefsten Stand seit Oktober 2016 – damals war über die Zukunftsfähigkeit der Deutschen Bank spekuliert worden. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie bis dato mehr als 28 Prozent an Wert und ist der mit Abstand schwächste Wert im Leitindex Dax . Am Dienstag selbst lag das Papier wie der gesamte Markt im Plus. (awp/mc/ps)

 

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