Die Rolle der Banken als Hauptfinanzierer der Wirtschaft verändert sich

Restrukturierung
(Bild: Fotolia/Studio Grand Web)

Zürich – Banken sind in der Schweiz, in Deutschland und Österreich Hauptfinanzier des Mittelstandes und der Wirtschaft. In anderen Ländern haben Fonds bereits eine wesentlich grössere Bedeutung. Dieser Wandel könnte in der Schweiz mit der konjunkturellen Abkühlung und einer potentiell anschliessenden Krise jetzt ebenfalls anstehen. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue „Restrukturierungsstudie 2019“ von Roland Berger, für die 500 Sanierungsexperten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich befragt wurden.

„Durch die schwachen Konjunkturaussichten, geopolitischen Spannungen und den grossen Anpassungsdruck der Digitalisierung rückt die nächste Krise immer näher“, sagt erklärt Sascha Haghani, globaler Leiter des Competence Centers „Restructuring, Performance, Transformation & Transaction“ von Roland Berger.

Position Schweiz
„Die Senkung der Konjunkturprognose des SECO auf 1.1 Prozent Wachstum für 2019 verdeutlicht eine Anspannung der wirtschaftlichen Lage“, erklärt Ralph Mair, Principal von Roland Berger in Zürich. So erwarten 9 von 10 befragten Experten, dass die Abkühlung der Wirtschaft die Anzahl an Sanierungsfällen im laufenden Jahr steigen lassen wird. „In der Schweiz sehen wir insbesondere im Bereich Industriegüter einen starken Trend zur Flexibilisierung von Kostenstrukturen um sich auf eine eventuelle Krise vorzubereiten. Aber auch andere Branchen suchen Wege, um sich krisenfest zu machen“, fügt Mair hinzu.

Mehr Sanierungsfälle vor allem in der Automobil- und Konsumgüterindustrie
Laut den Experten wird es vor allem die Automobil- und die Konsumgüterindustrie treffen. So belegen diese zwei Industriesektoren in der aktuellen Studie Platz 1 und 2 der am meisten gefährdeten Branchen. „Unternehmen in diesen Branchen müssen häufig mit grundlegenden Veränderungen im Geschäftsmodell reagieren, wenn sie nach der nächsten Krise noch existent sein möchten“, warnt Roland Berger Partner Gerd Sievers. Geschäftsmodellinnovationen werden zwar als häufigste Einzelmassnahme genannt, aber insgesamt halten sich strategische und operative Massnahmen die Waage.

Digitalisierung: Krisenursache und Lösungsansatz in einem
Wie in den beiden vorangegangenen Jahren bleiben die Digitalisierung und disruptive Innovationen nach Einschätzung der Befragten die wesentlichen Treiber von Unternehmenskrisen. Dabei halten 81 Prozent der Experten die Digitalisierungsstrategie inzwischen für einen zentralen Bestandteil des Sanierungskonzepts. „Bei der Erstellung von Sanierungskonzepten kommt die digitale Strategie der Unternehmen zunehmend auf den Prüfstand“, so Gerd Sievers. Ausserdem gehen zwei Drittel der Studienteilnehmer davon aus, dass die Komplexität von Sanierungen künftig weiter zunimmt. Rechtliche Anforderungen und Dokumentationsaufwand steigen parallel zur Anzahl der Stakeholder. Dabei wird die Digitalisierung des Sanierungsprozesses, um die Komplexität zu reduzieren, noch zu wenig genutzt. „Dadurch steigen die Kosten – und die eigentliche leistungswirtschaftliche Sanierung droht in den Hintergrund zu rücken“, erklärt Sascha Haghani.

Regulatorik stellt Kreditinstitute vor grosse Herausforderungen
Sollte sich die Konjunktur weiter abkühlen, wären auch Kreditinstitute aufgrund der strengen regulatorischen Massnahmen deutlich betroffen. Denn Vorgaben wie IFRS 9 und die NPL Guideline, aber auch der starke Abbau von Restrukturierungsspezialisten bei den Banken werden nach Einschätzung von 54 Prozent der Umfrageteilnehmer zu mehr Kreditverkäufen an Fonds führen. Nur 21 Prozent sehen die weitere Begleitung und Sanierung der Unternehmen als erste Option. „Dies könnte im Ergebnis zu einer grundsätzlichen Veränderung der Unternehmensfinanzierung und insbesondere im Mittelstand führen“, stellt Sascha Haghani in Aussicht. (Roland Berger/mc)

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