Banken wegen Doppelbelastung aus Niedrigzinsen und Regulatorik unter Druck

Banken wegen Doppelbelastung aus Niedrigzinsen und Regulatorik unter Druck
(Bild: © styleuneed - Fotolia.com)

(Bild: © styleuneed – Fotolia.com)

Zürich – Der europäische Bankensektor steht seit Jahren unter erheblichem Druck und auch für die nächsten Jahre ist keine wesentliche Besserung der Ertragssituation zu erwarten. Massgeblich verantwortlich für diese Entwicklung sind die Doppelbelastung aus anhaltenden Niedrigzinsen sowie die steigenden, von der Politik geforderten regulatorischen Anforderungen. Das spiegeln die aktuellen Kennzahlen der Institute wider. So erreichen europäische Universalbanken derzeit im Durchschnitt bei weitem nicht die von Kapitalmarktinvestoren geforderten Renditen. Zwar dürfte deren Kapitalausstattung nach Basel-III-bedingten Abzügen in der Summe auch in den kommenden Jahren noch knapp ausreichen, dennoch wird zukünftig eine Kompensation des rückläufigen Zinsergebnisses beispielsweise durch einen Ausbau des Geschäftsvolumens ohne Aufnahme weiteren Eigenkapitals nur noch eingeschränkt möglich sein.

Ähnlich stellt sich die Situation in der Schweiz dar. Auch hier ist der Ertragsdruck in den letzten Jahren deutlich gestiegen, allerdings sind Schweizer Retailbanken aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit vom Zinsergebnis deutlich stärker vom Niedrigzinsniveau betroffen. Noch bietet ihnen ihre hervorragende Kapitalbasis den nötigen Spielraum, Ertragsrückgängen mit gezielten Massnahmen wie beispielsweise dem Ausbau des Kreditbuchs entgegenzuwirken. Zukünftig jedoch dürfte dieses selektiv-reaktive Vorgehen keine grundsätzliche Entlastung mehr ermöglichen. Schweizer Retailbanken stehen deshalb unabhängig vom eigenen Geschäftsmodell vor der grossen Herausforderung, umfassende und einschneidende Massnahmenpakete sowohl auf strategischer wie auf operativer Ebene anzugehen und umzusetzen. Damit sind sie mehr denn je gefordert, die eigenen Geschäftsmodelle zu überprüfen und ihre Marktpositionierung zu überdenken, wollen sie zukünftig nachhaltig profitabel am Markt bestehen.

Dies sind die wesentlichen Ergebnisse der aktuell neu aufgelegten European Banking Study 2013/2014 (EBS) von zeb. Die Studie untersucht auf Basis der 50 grössten europäischen Kreditinstitute sowie einer Auswahl von Schweizer Retailbanken die Konsequenzen der derzeit wesentlichsten Herausforderungen aus Niedrigzinsumfeld und steigenden regulatorischen Anforderungen im Zusammenhang mit Basel III. Sie beinhaltet u. a. eine Berechnung der wesentlichen Rentabilitätskennzahlen wie der Eigenkapitalrendite, der Cost-Income-Ratio sowie der Kapital- und Liquiditätsquoten für einen mittelfristigen Zeitraum bis zum Jahr 2018. Die EBS wird in regelmässigen Abständen seit 1998 erhoben und gehört damit zu den umfassendsten Untersuchungen ihrer Art in Europa.

Rentabilitätseinbrüche für gesamte Branche erwartet
Im Einzelnen ergab die EBS 2013/2014, dass die Auswirkungen von Niedrigzins und Regulatorik je nach Geschäftsmodell der Banken zwar erheblich variieren, mittelfristig jedoch für die gesamte europäische Bankenbranche deutliche Rentabilitätseinbrüche zu erwarten sind. So müssen die europäischen Universalbanken bis zum Jahr 2018 von einem erheblichen Rückgang des Zinsergebnisses ausgehen. Nach Berechnungen von zeb wird die ohnehin schon geringe Profitabilität dieser Banken im Falle konstant niedriger Zinsen und unter Annahme konstanter, zinsunabhängiger Erträge weiter von 2,3 % im Jahr 2013 auf 1,4 % im Jahr 2018 fallen. Gleichzeitig wird sich die Cost-Income-Ratio, d. h. das Verhältnis zwischen Kosten und Erträgen, durchschnittlich von 71 % auf 76 % verschlechtern.

Universalbanken sind besonders von den durch Basel III induzierten Kapitalabzugspositionen hinsichtlich des harten Kernkapitals sowie der für Kapitalmarktaktiva erhöhten Risikogewichte betroffen. Für sie ist ein starker Rückgang der Eigenkapitalquoten wie der CET1 Ratio (Common Equity Tier 1 Ratio) zu erwarten, die das harte Kernkapital eines Institutes ins Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva setzt. So wird die im Jahr 2013 noch gute CET1 Ratio von durchschnittlich 12,4 % im Jahr 2018 auf durchschnittlich 9,3 % abfallen und somit nur knapp über den Mindestanforderungen der europäischen Aufsicht von rund neun Prozent liegen. Parallel wird die nicht risikobasierte Leverage Ratio, die das Tier-1-Kapital (Kernkapital) ins Verhältnis zu den Aktiva und ausserbilanziellen Positionen setzt, nach zeb-Berechnungen von durchschnittlich 4,8 % auf 4,2 % sinken.

Im Gegensatz zu vielen europäischen Universalbanken weisen die regional tätigen Schweizer Retailbanken bisher im Durchschnitt eine mehr als ausreichende Kapitaldecke auf, die bei geringen Kapitalabzügen und Risikogewichtszunahmen auch bis zum Jahr 2018 weitgehend stabil bleiben dürfte. Da jedoch ca. 70 % der Erträge dieser Institute zinsabhängig sind, führt der Rückgang des Zinsergebnisses von über 15 % bis zum Jahr 2018 zu einem Anstieg und somit zu einer Verschlechterung der durchschnittlichen Cost-Income-Ratio um neun Prozentpunkte von 63 % im Jahr 2013 auf 72 % im Jahr 2018. Gleichzeitig wird die Eigenkapitalrendite (ROE) nach Berechnungen von zeb von aktuell durchschnittlich 6,4 % auf 3,4 % fallen.

Konsolidierungsdruck steigt
Heinz Rubin, Managing Partner von zeb.Schweiz, erläutert: „Die EBS 2013/2014 hat ergeben, dass die zentralen Rentabilitätskennzahlen europäischer und Schweizer Banken in den nächsten Jahren weiter sinken werden. Das dürfte den Wettbewerb am Bankenmarkt um gute Geschäfts- und Produktideen weiter befeuern und den Konsolidierungsdruck in der Branche erhöhen. Gleichzeitig setzen bankfremde, neue Anbieter von einzelnen Finanzdienstleistungen etablierte Akteure zunehmend unter Druck. Sie nutzen den Megatrend Digitalisierung konsequent und ohne Scheu vor Fehlern für sich und werden ein Übriges dazu beitragen, dass sich unsere Banken- und Finanzproduktwelt, wie wir sie kennen, zunehmend wandelt.“

Aus Sicht von zeb sind Schweizer Retailbanken gefordert, sich systematisch mit dem anstehenden Wandel zu befassen. In einem ersten Schritt sollten sie Profitabilität, Kapital, Bilanzstruktur sowie Liquidität verknüpft analysieren, um den Handlungsdruck aus Niedrigzinsen und Regulatorik individuell für sich zu identifizieren. In einem zweiten Schritt sollten die gewonnenen Kennzahlen im Rahmen einer Simulation evaluiert und aufbereitet werden. Erst danach kann ein Massnahmenpaket geschnürt werden, das den Rahmen für eine Refokussierung des eigenen Geschäftsmodells bildet. Aus Sicht von zeb lohnt es sich dabei durchaus, kalkulierte Risiken einzugehen und Neuland zu betreten. Heinz Rubin abschliessend: „Marktlücken werden in der Regel durch Akteure besetzt, die schnell agieren und ihre ‚First Mover Advantage‘ konsequent einsetzen. Schweizer Retailbanken haben dies erkannt. Sie sind grundsätzlich bereit, neue Wege zu beschreiten und dabei auch ungewöhnliche Ideen umzusetzen. Wir sind uns sicher, sie werden ihre Chancen im Sinne der Bankkunden nutzen und mit intelligenten Geschäftsmodellen auch in Zukunft profitabel wachsen.“ (zeb/mc/ps)

Über zeb
zeb beschäftigt aktuell an 18 Standorten in Deutschland, Dänemark, Italien, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Russland, Schweden, der Schweiz, Tschechien, der Ukraine und Ungarn über 900 Mitarbeiter. Die Unternehmensgruppe zählt zu den führenden Beratungsgesellschaften für den Finanzdienstleistungssektor. Kunden sind nationale wie internationale Banken, Privatbanken, Kantonalbanken und Raiffeisenbanken sowie Versicherungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.