EFG H1: Deutlicher Gewinnanstieg dank Beteiligungsverkauf

John Williamson

John Williamson, CEO EFG International.

Zürich – Die Privatbankengruppe EFG International hat im ersten Semester 2013 den Gewinn dank dem Verkauf ihres Anteils an der EFG Financial Products (heute Leonteq) deutlich steigern können. Beim Betriebsertrag machte sich ein Rückgang bei den lukrativen Spezialgeschäften für grosse Kunden bemerkbar. An den mittelfristigen Zielen hält das Unternehmen fest.

Der den Aktionären zurechenbare Reingewinn (IFRS) verbesserte sich in den ersten sechs Monaten des Jahres um 71% auf 83,8 Mio CHF, wie den am Mittwoch veröffentlichten Halbjahreszahlen zu entnehmen ist. Aus dem im März erfolgten Verkauf des verbleibenden Anteils an der ehemaligen Tochter EFG FP an die Notenstein Privatbank konnte EFG International einen Kapitalgewinn von 34,2 Mio CHF verbuchen.

Dagegen musste die Vermögensverwalterin Rückstellungen in Höhe von 9,6 Mio CHF im Zusammenhang mit dem Steuerabkommen zwischen Grossbritannien und der Schweiz vornehmen. Nachdem die Bank in den letzten Jahren ein einschneidendes Restrukturierungsprogramm durchgeführt hatte, resultierten aus der Schliessung von Geschäften noch Kosten von 3,7 Mio CHF.

Bruttomarge verringert
Der Bruttoertrag der Bankengruppe nahm im Halbjahresvergleich um 7% ab. Neben dem Wegfall der EFG FP-Erträge belastete auch der Rückgang bei der Strukturierung von Transaktionen für Grosskunden, die im vergangenen Jahr noch einen spürbaren Beitrag geleistet hatten. Die Bruttomarge verringerte sich auf 97 Basispunkte nach 104 BP vor Jahresfrist.

Der Geschäftsaufwand konnte derweil um weitere 8% gesenkt werden, was das Management auf die Einsparungen aufgrund der «Geschäftsüberprüfung» der letzten Jahre zurückführte. Das Kosten/Ertrags-Verhältnis konnte damit leicht auf 78,3% (Gesamtjahr 2012: 79,2%) verbessert werden. Finanzchef Giorgio Pradelli gab sich vor den Medien zuversichtlich, im kommenden Jahr den Zielwert von 75% zu erreichen.

Neugeldzufluss knapp innerhalb Zielmarke
Der Neugeldzufluss beschleunigte sich auf 1,9 Mrd CHF nach 1,2 Mrd in der Vorjahresperiode, was einem annualisierten Neugeldwachstum von 5% entsprach. Damit konnte das Zielband von 5-10% gerade erreicht werden. Ohne den Abflusse einer «niedrig rentierenden einzelnen Aktienposition» hätten sich die Nettoneugelder auf 2,5 Mrd CHF belaufen, betonte CEO John Williamson im Gespräch mit AWP.

Die verwalteten Vermögen lagen per Ende Juni bei 76 Mrd CHF, nachdem sie zum Jahresende 2012 noch 78,7 Mrd CHF betragen hatten. Hauptgrund für den Rückgang war der Abgang der EFG FP. Wechselkurseffekte und Marktperformance hatten insgesamt zu einem positiven Effekt von 1 Mrd CHF.

Mittelfristziele bestätigt
Nach den tiefgreifenden Restrukturierungen sei das Geschäft nun «einfacher und weniger risikoreich», zudem habe sich die Ertragsqualität verbessert. «Wir haben das Potenzial, in absehbarer Zukunft ein zweistelliges Gewinnwachstum zu erzielen», gab sich Williamson überzeugt.

Die mittelfristigen Zielsetzungen wurden denn auch bestätigt. Das Ziel eines IFRS-Reingewinns von 200 Mio CHF solle «je nach Marktbedingungen» im Jahr 2015 erreicht werden. Bereits moderate Änderungen im Marktumfeld wie etwa eine Erhebung des Zinsniveaus könnten zu signifikanten zusätzlichen Erträgen für die Bank führen, so der Konzernchef weiter.

Zudem sieht sich das Management auch wieder bereit für Akquisitionen – wobei man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt habe. Nicht zuletzt sei ja die Kapitalbasis wieder stark verbessert worden. «Wir wollen dort Übernahmen tätigen, wo es uns hilft zu wachsen», sagte Williamson.

Negative Börsenreaktion
Am Aktienmarkt sind die EFG-Titel nach einem leicht positiven Handelsstart klar ins Minus gerutscht. Die Zahlen seien eher gemischt ausgefallen, kommentierte etwa der Analyst von J. Safra Sarasin. Nicht zuletzt zeigten die Ergebnisse, dass die Transformation des Unternehmens noch Zeit brauche. Die EFG-Titel stehen gegen 12.30 um 3,5% im Minus bei 12,45 CHF. (awp/mc/pg)

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