EFG rutscht in die roten Zahlen

EFG International
EFG International, Sitz in Zürich. (Foto: EFG)

(Foto: EFG)

Zürich – Die Privatbankengruppe EFG International ist im ersten Halbjahr 2014 in die roten Zahlen abgerutscht. Der Grund sind hohe Rückstellungen für das US-Steuerprogramm sowie eine Prozessrückstellung, bei welcher der grösste Teil auf eine Busse in der Schweiz entfällt.

Für das erste Halbjahr 2014 resultierte ein Reinverlust (IFRS, nach Minderheiten) von 6 Mio CHF, dies im Vergleich zu einem Gewinn in der Vorjahresperiode von 84,5 Mio CHF. Unter Ausschluss der nicht wiederkehrenden rechtlichen Kosten und Rückstellungen betrug der Reingewinn (n.M.) 57,6 Mio CHF (-4%), wie dem am Mittwoch veröffentlichten Semesterergebnis zu entnehmen ist. Der Gewinn vor Steuern wird mit 2,3 Mio CHF (VJ 54,0 Mio) ausgewiesen.

Prozessstrategie überprüfen
Für das Programm zur Lösung des US-Steuerstreits stellt EFG insgesamt 30,0 Mio CHF zurück. Die Summe setzt sich zusammen aus 8,6 Mio CHF an zusätzlichen Anwalts- und Beratungskosten und 21,4 Mio CHF als Rückstellung für eine mögliche Busse. Die EFG International hatte sich in dem Programm in die «Kategorie 2» eingereiht – sie sei derzeit «in fortgeschrittenen Diskussionen», heisst es.

Weitere 33,7 Mio CHF stellt die Vermögensverwalterin im Zusammenhang mit Prozessen zurück, einschliesslich der im April angekündigten 26,3 Mio CHF aus dem Abschluss eines langjährigen Verfahrens in der Schweiz. Nach unerwarteten Gerichtsbeschlüssen habe das Unternehmen seine «Prozessstrategie» überprüft und weitere 7,4 Mio CHF im Zusammenhang mit laufenden Verfahren zurückgestellt.

Bruttoertrag erhöht
Der von der Bankengruppe erwirtschaftete Bruttoertrag erhöhte sich derweil um 4% auf 342,9 Mio CHF, wobei sich das Private Banking-Geschäft in Kontinentaleuropa besonders gut entwickelt habe. Die Bruttomarge belief sich auf 88 Basispunkte nach 87 BP vor Jahresfrist. Gleichzeitig erhöhte sich aber auch der Geschäftsaufwand ebenfalls um 4%, dies vor allem wegen der Kosten für die Wachstumsinitiativen. Die Cost-Income Ratio blieb entsprechend mit 80,2% gleich hoch wie in der Vorjahresperiode.

Verwaltete Vermögen von über 80 Mrd Franken
Der Nettoneugeldzufluss beschleunigte sich im Halbjahr auf 2,7 Mrd CHF nach 1,9 Mrd in der Vorjahresperiode. Während verschiedene Regionen, darunter auch Kontinentaleuropa, zweistellig zulegten, flossen in der Schweiz netto Gelder ab. Die verwalteten Vermögen beliefen sich per Mitte Jahr auf 80,1 Mrd CHF nach 75,9 Mrd CHF zum Jahresende 2013.

Mit dem ausgewiesenen Zahlenset hat die Bank die Erwartungen der Marktbeobachter bezüglich Gewinn verfehlt, die Vermögen entwickelten sich dagegen besser als erwartet. Gemäss AWP-Konsens erwarteten die Analysten den Nettoneugeldzufluss bei 1,9 Mrd, während sie die verwalteten Vermögen bei 79,0 Mrd CHF sahen. Den Gewinn vor Steuern hatten sie bei 58,6 Mio CHF prognostiziert.

Fokus auf Wachstum
Das Unternehmen setzte die Rekrutierung neuer Kundenberater (Client Relationship Officers CRO) fort: Per Mitte 2014 belief sich die Gesamtzahl an CRO auf 456 gegenüber 435 zum Jahresende 2013. EFG International sei «fest entschlossen», weiteres Wachstum zu liefern, betont das Unternehmen.

Auch weiterhin will sich das Vermögensverwaltungs-Institut klar auf Wachstum fokussieren. So nähmen die «Opportunitäten im Private Banking» zu: «EFG International ist gut positioniert, um davon zu profitieren», gibt sich die Bank überzeugt. Eine – hoffentlich bald erreichte – Einigung im Zusammenhang mit dem US-Programm werde Aufwände und Unsicherheiten zu einem guten Teil beseitigen.

«Unrealistisches» Gewinnziel
Bezüglich der mittelfristigen Ziele bezeichnet EFG einen IFRS-Reingewinn von 200 Mio CHF im Jahr 2015 als «nicht mehr realistisch» – nachdem die Verantwortlichen das Ziel bereits im Winter relativiert hatten. Nach der Phase der Neuausrichtung dauere es «länger als erwartet», um das Geschäft wieder nach vorne auszurichten, zudem sei eine Unterstützung in Form verbesserter Marktbedingungen und steigender Zinsen ausgeblieben. Die übrigen Mittelfrist-Ziele werden bestätigt. (awp/mc/pg)

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