EZB verschafft Hellas-Banken mit Notkrediten Luft

Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi. (Bild: EZB)

EZB-Präsident Mario Draghi. (Bild: EZB)

Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) hält Griechenlands Banken mit weiteren Notkrediten vorerst am Leben. In einer kurzfristig anberaumten Telefonschalte entschied der EZB-Rat am Freitag, den Rahmen für sogenannte Ela-Hilfen erneut auszuweiten. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg von mit der Sache vertrauten Personen. EZB und Bundesbank wollten die Informationen nicht kommentieren. Die Entscheidung kauft Zeit bis zum Krisentreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer an diesem Montag (22.6.).

Griechenlands Banken hängen seit Monaten am Ela-Tropf und brauchen dringend weiteres frisches Geld: Weil es im Schuldenstreit zwischen der griechischen Links-Rechts-Regierung und den Geldgebern seit Monaten keine Einigung gibt, heben verunsicherte Verbraucher und Unternehmen grosse Mengen Bargeld von ihren Konten ab.

Teil des Geldes fliesst ab
Ein Teil des Geldes wird ins Ausland geschafft, ein Teil schlicht gehortet. Die Einlagen fehlen den Banken in ihrem Tagesgeschäft. In Athener Bankenkreisen ist von drohenden Engpässen bei der Bargeldversorgung die Rede: Viele Kunden holten sich am Schalter mehr Geld als am Geldautomaten möglich sei.

Weil die griechischen Geldinstitute zugleich von der herkömmlichen Finanzierung über die EZB weitgehend abgeschnitten sind, erhalten sie Nothilfen („Emergency Liquidity Assistance“/Ela). Diese Kredite werden nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen.

Banken müssen für Ela solvent sein
Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Um welchen Betrag die Ela-Hilfen nun erhöht wurden, wurde zunächst nicht bekannt. Vor der Telefonschalte des EZB-Rates hatte es in Finanzkreisen geheissen, die griechische Zentralbank habe um eine Erhöhung um mehr als drei Milliarden Euro gebeten. Erst am Mittwoch hatte die EZB eine Ausweitung der Ela-Hilfen um 1,1 Milliarden auf 84,1 Milliarden Euro bewilligt.

Regierung: Bankensystem stabil
Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen – was sie faktisch nicht können. Auch eine Blockade einer weiteren Ausweitung des Kreditrahmens hätte erhebliche Folgen: Griechenland könnte gezwungen sein, Kapitalverkehrskontrollen zu verhängen, um weitere Bargeldabflüsse überschaubar zu halten.

Die griechische Regierung versicherte am Freitag, das Bankensystem des pleitebedrohten Eurolandes sei stabil und werde durch gemeinsame Aktionen der Zentralbank und der EZB gesichert. „Der Chef der Bank hat die Stabilität des Bankensystems bestätigt“, hiess es in einer Erklärung der Regierung. Zuvor hatte sich Zentralbankchef Ioannis Stournaras in Athen mit Vize-Aussenminister Euklides Tsakalotos, dem Chefunterhändler bei den Verhandlungen mit den Gläubigern, getroffen.

Gerüchteküche brodelt
In Athen machen seit Donnerstag Gerüchte die Runde, die griechischen Banken könnten wegen Liquiditätsproblemen in Kürze schliessen. Die Regierung hatte zuvor schon dementiert, dass die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen bevorstehe. (awp/mc/upd/ps)

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