Euro-Geldmarkt: Liquiditätslage angespannter

Euro-Geldmarkt: Liquiditätslage angespannter

 (Bild: © VRD – Fotolia.com)

Frankfurt am Main – Die Liquiditätslage am Geldmarkt des Euroraums trübt sich offenbar ein. Am Freitag stieg der Referenzzins Euribor, zu dem sich die Banken untereinander liquide Mittel für drei Monate leihen, auf den höchsten Stand seit über einem Jahr. Das Fixing, das unter Geschäftsbanken ermittelt wird, lag bei 0,28 Prozent.

Bereits seit Wochenbeginn liegt der dreimonatige Euribor über dem Leitzins von 0,25 Prozent. Das ist unter den gegenwärtigen Umständen eher ungewöhnlich. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) stellt den Geldhäusern so viel Zentralbankgeld wie nötig zur Verfügung, das die Banken zum Leitzins erhalten (Vollzuteilung). Aus diesem Grund ist ein Überschiessen eigentlich nur übergangsweise denkbar.

Überschussliquidität am Interbankenmarkt seit Monaten rückläufig
«Dies ist ein eindeutiges Signal einer wieder etwas angespannteren Liquiditätssituation der Banken», kommentierte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein. «Die Währungshüter im Frankfurter Euro-Tower dürften die gegenwärtige Situation mit Argusaugen verfolgen.» Zugleich räumte Gitzel ein, dass die konkrete Ursache für den Zinsanstieg schwer zu bestimmen sei.

Unstrittig ist, dass die Überschussliquidität am Interbankenmarkt seit Monaten zurückgeht. Ausschlaggebend sind stetige Rückzahlungen von Notkrediten durch die Geschäftsbanken. Diese Kredite hatte die EZB Ende 2011 und Anfang 2012 zur Eindämmung der Schuldenkrise ausgereicht. Allein in der nächsten Woche wollen Banken weitere 22 Milliarden Euro zurückzahlen. Allerdings hat die EZB die Rückzahlungen in den nächsten drei Wochen ausgesetzt, was die vergleichsweise hohe Summe laut Analysten relativiert.

Über 40 % der Notkredite zurückbezahlt
Von der Gesamtsumme der Notkredite – rund eine Billion Euro – wurden mittlerweile mehr als 40 Prozent zurückgezahlt. Ein entscheidender Grund dafür ist der anstehende Bilanz- und Stresstest der EZB, bevor diese im Herbst die europaweite Bankenaufsicht übernimmt. Um ihre Bilanzen zu verkürzen und Kapitalvorgaben damit besser einhalten zu können, versuchen viele Banken, sich so weit als möglich zu entschulden. Über die Rückzahlung der EZB-Notkredite ist dies vergleichsweise einfach möglich. (awp/mc/pg)

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