US-Notenbank steuert auf Zinsanhebung zu

US-Notenbank steuert auf Zinsanhebung zu
Janet Yellen, ehemalige Fed-Chefin. (Foto: © United States Government Work)

Washington – Die Präsidentin der US-Notenbank Fed hat eine Zinsanhebung im Dezember in Aussicht gestellt und die Bedeutung einer unabhängigen Geldpolitik betont. Ausserdem sieht Janet Yellen nach den US-Präsidentschaftswahlen keinen Grund für einen vorzeitigen Rücktritt. «Es ist meine Absicht die volle Amtszeit Fed-Vorsitzende zu bleiben», sagte Yellen am Donnerstag in Washington bei einer Anhörung vor einem US-Kongressausschuss.

Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte Yellen im Wahlkampf mehrfach scharf kritisiert und ihr mit einer frühzeitigen Absetzung gedroht. Yellens reguläre Amtszeit läuft noch bis Februar 2018.

Zinsanhebung «relativ bald» angemessen
Eine Zinsanhebung könnte «relativ bald» angemessen sein, sagte Yellen. Damit wird eine Straffung im Dezember, mit der an den Finanzmärkten bereits fest gerechnet wird, immer wahrscheinlicher. Allerdings stellte die Fed-Chefin ihre Aussage unter die Bedingung, dass die wirtschaftliche Entwicklung weiter positiv bleibe.

Die Fed soll sowohl für eine hohe Beschäftigung als auch für eine stabile Preisentwicklung sorgen. Während Volkswirte das Vollbeschäftigungsziel als nahezu erfüllt ansehen, hinkt die Zentralbank ihrem Inflationsziel von zwei Prozent seit langem hinterher. Der US-Dollar legte im Anschluss an Yellens Aussagen zu. Der Euro fiel im Gegenzug auf den tiefsten Stand seit Dezember 2015.

Yellen: Unabhängigkeit der Geldpolitik wichtig
Yellen betonte die Bedeutung einer unabhängigen Geldpolitik. Unabhängigkeit von politischem Einfluss sei wichtig, damit Notenbanken ihre Ziele erreichen können, sagte die Fed-Chefin. Eine hohe Inflation gebe es häufig dann, wenn die Politik Einfluss auf die Notenbanken ausübe.

Indirekt äusserte Yellen auch Kritik an Plänen Trumps zur Finanzmarktregulierung. Reformen im Finanzsektor in Reaktion auf die jüngste Finanzkrise sollten nicht rückgängig gemacht werden, sagte Yellen. Das sogenannte Dodd-Frank-Gesetz sei wichtig und habe das Finanzsystem sicherer gemacht. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, er werde das Gesetz abschaffen.

Yellen: Grosse Ungewissheit über künftige Politik
Die Fed werde ihren Kurs anpassen, sobald es mehr Klarheit über die künftige Wirtschaftspolitik gebe, sagte Yellen. Derzeit gebe es grosse Ungewissheit über die künftige Politik. Seit den Wahlen habe es deutliche Marktbewegungen gegeben. Die Anleger antizipieren demnach höhere staatliche Ausgaben, die auch Einfluss auf die Inflation haben könnten. Die Fed werde darüber hinaus auch den Einfluss der Fiskalpolitik auf die Produktivität berücksichtigen. Man müsse aber auch das langfristige Defizitproblem des Staates im Blick behalten.

Seit den US-Wahlen sind die Inflationserwartungen und damit die Zinsen an den weltweiten Kapitalmärkten deutlich gestiegen. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, die US-Wirtschaft mit massiven Steuersenkungen und hohen Infrastrukturausgaben anzuschieben. Sollte dies tatsächlich umgesetzt und die Konjunktur sowie die Inflation dadurch angefacht werden, könnte die Fed zu rascheren Zinsanhebungen veranlasst werden. (awp/mc/pg)

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