US-Notenbank gibt in der Geldpolitik unverändert Vollgas

Ben Bernanke

Fed-Chairman Ben Bernanke.

Washington – Die US-Notenbank (Fed) hat auf ihrer Zinssitzung wie erwartet keinerlei Abstriche an der extrem-expansiven Geldpolitik gemacht. In einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme bekräftigte die Fed ihre Aussage, bis Mitte 2015 an der faktischen Nullzinspolitik in den USA festhalten zu wollen. Zuvor hatte der geldpolitische Rat der Notenbank die Leitzinsen wie von Volkswirten zuvor erwartet weiterhin auf 0 bis 0,25 Prozent festgesetzt.

Keine Änderung gab es ebenfalls beim unbegrenzten Kaufprogramm der Fed für Hypothekenpapiere zur Ankurbelung der US-Wirtschaft. Die Notenbank kauft damit weiter pro Monat Hypothekenpapiere im Wert von 40 Milliarden US-Dollar. Bei der Zinsentscheidung im September hatte die Fed diese Massnahmen angekündigt. Die Währungshüter bekäftigten ebenfalls, dass bis zum Ende des Jahres langlaufende Wertpapiere gekauft und gleichzeitig kurzlaufende Vermögenswerte abgestossen werden («Operation Twist»).

Fed: US-Wirtschaft wächst nur moderat
In den USA ist der Leitzins bereits seit fast vier Jahren auf einem Rekordtief. Die Fed hatte ihn während der Finanzkrise im Dezember 2008 auf diese Spanne verringert. Vor Beginn der Krise im Sommer 2007 hatte der Zinssatz noch bei 5,25 Prozent gelegen. Unmittelbar vor den Präsidentschaftswahlen in den USA am 6. November hatten Beobachter auch nicht mit einer Änderung der Geldpolitik gerechnet.

In ihrer Stellungnahme argumentierte die Notenbank, dass die Wirtschaft in den USA in den vergangenen Monaten «in einer moderaten Geschwindigkeit gewachsen ist». Dagegen sei die Zahl der Beschäftigten aber nur langsam gestiegen und die Arbeitslosenquote verharre nach wie vor auf einem hohem Niveau. Der geldpolitische Rat stellte erneut fest, dass die US-Wirtschaft ohne die jüngsten Hilfsmassnahmen nicht stark genug wachsen würde, um eine dauerhafte Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Inflationserwartung langfristig stabil
Immerhin hätten sich am Immobilienmarkt «einige Anzeichen einer Verbesserung gezeigt», obwohl sich der Häusermarkt insgesamt noch «auf einem deprimierenden Niveau» befinde, hiess es weiter. Die Teuerung habe wegen der gestiegenen Energiepreise zuletzt etwas zugelegt, hiess es in der Stellungnahme. Die langfristigen Erwartungen an die Inflation bleiben aber weiter stabil, versicherten die Währungshüter.

Zwar rechnet die Notenbank auch in den kommenden Quartalen weiter mit einem «moderaten wirtschaftlichen Wachstum» in der grössten Volkswirtschaft der Welt. Allerdings gebe es auch Risiken für die weitere konjunkturelle Entwicklung. Hierzu zählte die Fed die jüngsten Spannungen an den internationalen Finanzmärkten.

Kaum Reaktion an Finanzmärkten
Nach Einschätzung von Experten hat die Notenbank ihren bisherigen geldpolitischen Kurs bestätigt. Die Fed sei aber «zu weiteren Massnahmen bereit, sofern sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht deutlich verbessert», kommentierte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Hierfür könnte die Notenbank zusätzlich zu den bisherigen Käufen von 40 Milliarden Dollar an Hypothekenpapieren pro Monat noch 40 bis 45 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen erwerben.

In den vergangenen Handelstagen hatten die Finanzmärkte nicht mit nennenswerten Änderungen in der Geldpolitik der USA gerechnet. Dementsprechend verhalten war die Reaktion an den Börsen auf die Beschlüsse der Fed. In New York rutschte der Dow Jones zeitweise ins Minus und hielt sich am Abend nahezu unverändert. An den Devisenmärkten zeigte der Euro ebenfalls kaum eine Reaktion und hielt sich bei 1,2970 Dollar. (awp/mc/upd/ps)

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