Fed verspricht faktische Nullzinspolitik bis Ende 2014

Ben Bernanke

Fed-Chairman Ben Bernanke.

Washington – Die US-Notenbank (FED) hat den Zeitraum einer faktischen Nullzinspolitik deutlich ausgeweitet und garantiert den Banken des Landes bis Ende 2014 billiges Geld. In den USA sollen die Leitzinsen für weitere fast drei Jahre auf einem «ausserordentlich niedrigen» Niveau verharren, teilte die Fed am Mittwoch im Anschluss an die Zinsentscheidung mit. Zuletzt hatte die Fed im Sommer 2011 ein Zinsversprechen abgegeben, wonach der Leitzins bis mindestens Mitte 2013 bei faktisch null Prozent gehalten wird. Die Fed senkte zudem die Wachstumsprognose für das laufende Jahr und Notenbankpräsident Ben Bernanke bezeichnete die Geldpolitik als nach wie vor «sehr versorgend».

Mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise und eine sich abschwächende Weltwirtschaft verwiesen die Währungshüter zudem auf die Gefahren für die konjunkturelle Entwicklung in den USA und senkten die Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Die Notenbank erwartet 2012 ein Wirtschaftswachstum in einer Spanne zwischen 2,2 und 2,7 Prozent. Damit liegt die jüngste Prognose unter den Erwartungen, die von der Fed zuletzt veröffentlicht wurden. Im November hatte die Notenbank für das laufende Jahr noch ein stärkeres Wachstum von 2,5 bis 2,9 Prozent in Aussicht gestellt.

Wirtschaft wächst «moderat»

Die Fed könne derzeit noch nicht den Beginn einer Phase stärkeren Wachstums in den USA verkünden, stellte Notenbankchef Bernanke fest. Die US-Wirtschaft leide derzeit «unter Gegenwind aus Europa» und wachse nur «moderat». Sollte es wider Erwarten zu einer Eintrübung der konjunkturellen Entwicklung in den USA kommen, dann zeigte sich Bernanke bereit «für weitere Schritte» der Notenbank, falls dies notwendig werde. Für 2013 prognostizierte die Fed allerdings wieder ein stärkeres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,8 Prozent bis 3,2 Prozent. Für 2014 erwarten die Währungshüter ein Wachstum von 3,3 Prozent bis 4,0 Prozent.

Leitzins bleibt bei null bis 0,25 Prozent
In dem vorangegangenen Beschluss beliess die Fed ihren Leitzins zudem wie erwartet unverändert. Der Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) liege weiterhin in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, hiess es weiter. Volkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Damit liegt der Leitzins bereits seit drei Jahren auf einem Rekordtief. Die Fed hatte ihn während der Finanzkrise im Dezember 2008 auf diese Spanne verringert. Vor Beginn der Krise im Sommer 2007 hatte der Zinssatz noch bei 5,25 Prozent gelegen.

«Gedämpfte» Preisentwicklung erwartet
Bei der für die künftige Entwicklung der Geldpolitik wichtigen Entwicklung der Verbraucherpreise rechnet die Fed in den kommenden Monaten mit einer «gedämpften» Preisentwicklung. Fed-Chef Bernanke sprach zudem von einer «eher niedrigen» Inflation in den kommenden Jahren. Laut der aktuellen Prognose erwarten die Währungshüter die Kerninflationsrate im kommenden Jahr bei 1,5 bis 2,0 Prozent und damit in der Nähe des von der US-Notenbank angestrebten Wertes von knapp unter 2,0 Prozent.

Fed erwartet keine schnelle Besserung am Arbeitsmarkt

Bei der an den Finanzmärkten stark beachteten Lage am Arbeitsmarkt erwartet die US-Notenbank keine schnelle Verbesserung. Bernanke rechnet mit einer weiter «sehr hohen» Arbeitslosenquote. In ihrer Prognose sieht die Fed die Quote für das Ende des Jahres bei 8,2 Prozent bis 8,5 Prozent. Für US-Massstäbe ist dies eine nach wie vor sehr hohe Arbeitslosigkeit. Längerfristig wollte die Fed keine Prognose für die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt abgeben.

Ausserdem beschloss die Fed wie bereits in der vergangenen Zinssitzung eine Fortsetzung des Programms zur Umwandlung der Laufzeiten von Anleihen (Operation Twist). Die Zinsentscheidung fiel laut Mitteilung im geldpolitischen Ausschuss der Notenbank mit 9 zu 1 Stimmen. Von den 10 Mitgliedern stimmte lediglich Jeffrey Lacker gegen die Entscheidung. (awp/mc/pg/upd/ps)

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