Finma prüft Rolle der Credit-Suisse-Spitze im Beschattungsskandal

Finma prüft Rolle der Credit-Suisse-Spitze im Beschattungsskandal
CS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz. (Foto: Credit Suisse)

Frankfurt / Zürich – Die Beschattungsaffäre droht die Credit Suisse in eine Krise zu stürzen, die auch die Unternehmensspitze erfassen könnte. Die Finanzmarktaufsicht Finma nimmt bei ihrer Untersuchung nunmehr auch die Rollen der Führungsgremien unter die Lupe.

Im Fokus der Finma seien bei ihrer Untersuchung der Überwachung von zwei früheren Geschäftsleitungsmitgliedern auch die Kontrolle von Konzernchef Tidjane Thiam und anderer Führungskräfte durch den Verwaltungsrat, wie zwei mit dem Verfahren vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die Finma prüfe, ob Kontrollmängel bei der Schweizer Grossbank zu der Bespitzelung der Manager geführt haben.

Bank relativiert
Je nach Ergebnis der Untersuchung könnte die Finma eine Erneuerung der Konzernspitze anordnen: Manager und Verwaltungsräte, denen Verstösse gegen die regulatorische Vorgabe der «einwandfreien Geschäftsführung» nachgewiesen werden, könnte sie zum Abgang auffordern. Die Insider erklärten allerdings, dass sich die Untersuchung in einem frühen Stadium befinde und noch keine Schlüsse gezogen worden seien.

Ein Finma-Sprecher lehnte eine Stellungnahme in der Nacht auf Montag ab. Die Behörde hatte im Dezember angekündigt, einen unabhängigen Prüfbeamten einzusetzen, um aufsichtsrechtlich relevante Fragen der Corporate Governance bei der Bank zu klären.

Ein Credit-Suisse-Sprecher sagte, jede Annahme, dass die Finma ihre Aufmerksamkeit auf die Geschäftsleitung oder den Verwaltungsrat richten könnte, sei Spekulation. Diese sei unbegründet und trage nur dazu bei, das Ergebnis der Prüfung vorwegzunehmen. «Die Finma wird eine unabhängige Prüfung durchführen, die keine Vollzugsmassnahme ist», erklärte der Sprecher weiter. «Die endgültige Verfügung ist noch nicht erlassen und ein Prüfer ist noch nicht ernannt worden.»

Weg zum Konkurrenten
Credit Suisse steht seit September unter Druck, als bekannt wurde, dass sie ihren früheren Star-Manager Iqbal Khan durch Privatdetektive beschatten liess. Gemäss der von Credit Suisse eingeleiteten und von der Anwaltskanzlei Homburger durchgeführten Untersuchung gab der frühere Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouée die Überwachung in Auftrag. Sie sollte in Erfahrung bringen, ob Khan versuchen könnte, ehemalige Credit-Suisse-Kollegen abzuwerben. Khan gab seine Aufgabe bei Credit Suisse im Sommer ab und wurde am 1. Oktober Co-Divisionsleiter bei der UBS.

Früheren Angaben der Credit Suisse zufolge wusste Thiam von der Überwachung nichts. Stattdessen habe es sich um einen Alleingang Bouées gehandelt, einem langjährigen Vertrauten Thiams. Der Bank zufolge übernahm Bouée die Verantwortung für den Vorfall und trat zurück. Er selbst äusserte sich nie öffentlich zu der Affäre und Reuters konnte ihn für eine Stellungnahme nicht erreichen.

CS-Chef Thiam wehrt sich auf Instagram
Unterdessen hat Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam einen Artikel der Sonntagspresse kritisiert. Er bezeichnete am Sonntagabend im sozialen Netzwerk Instagram einen Bericht der «NZZ am Sonntag» als «komplett falsch und diffamierend».

Er glaube zwar an die Bedeutung der unabhängigen Medien. Aber das Niveau an Fehlinterpretationen, denen er in den vergangenen Monaten ausgesetzt gewesen sei, habe dazu geführt, dass Schweigen für ihn keine gangbare Strategie mehr sei. Er kündigte ausserdem an, sich auch in Zukunft auf dieser Plattform öffentlich gegen «falsche Informationen» zu wehren.

Die «NZZ am Sonntag» hatte zuvor berichtet, Auslöser für den Streit zwischen Tidjane Thiam und Starbanker Iqbal Khan sei eine Auseinandersetzung um den damaligen CS-Europachef Claudio de Sanctis gewesen. Konkret solle Thiam 2018 von Khan verlangt haben, dass er «schmutziges Material» über den de Sanctis sammle.

Der Italiener de Sanctis sei Thiam zu stark geworden, hiess es im Bericht, der sich auf Insider berief. Durch die Situation in einen Loyalitätskonflikt gestürzt, habe sich Khan entscheiden, sich vor seinen Mitarbeiter und gegen den Chef zu stellen.

Laut einem Artikel des «Blick», der Thiams Instagram-Nachricht publik gemacht hatte, hat die CS-Pressestelle die Echtheit des Instagram-Posts bestätigt. (awp/mc/ps)

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