Allianz Global Wealth Report 2026: Schweiz bleibt Vermögensweltmeister
Wallisellen – Die Schweiz bleibt das Land mit dem höchsten Geldvermögen pro Kopf weltweit. Laut dem Allianz Global Wealth Report 2026 verfügten Schweizerinnen und Schweizer Ende 2025 über ein Brutto-Geldvermögen von durchschnittlich 406’060 Euro pro Person. Gleichzeitig erreichten die globalen Geldvermögen mit 268,4 Billionen Euro einen neuen Höchststand. Getrieben wurde das Wachstum vor allem von den Finanzmärkten, während die Künstliche Intelligenz nach Einschätzung des Berichts künftig zusätzliche Chancen, aber auch neue Risiken für die Vermögensbildung mit sich bringt.
Heute hat die Allianz die 17. Ausgabe ihres «Global Wealth Report» vorgestellt, der die Vermögens- und Verschuldungssituation privater Haushalte in fast 60 Ländern unter die Lupe nimmt. Der Bericht zeigt: Das globale Geldvermögen erreichte 2025 einen neuen Rekord. Zugleich machen die Kursgewinne an den Kapitalmärkten und der Vormarsch der künstlichen Intelligenz den Besitz von Vermögenswerten zunehmend zum entscheidenden Faktor dafür, wer am Vermögenszuwachs teilhat.
Märkte treiben den Vermögenszuwachs
Trotz des schwierigen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds stieg das globale Geldvermögen 2025 um 8,6% auf den Rekordwert von 268,4 Billionen Euro. Den grössten Beitrag leisteten die Kapitalmärkte: Wertsteigerungen waren für rund vier von fünf Euro des zusätzlichen Geldvermögens verantwortlich. Die Neuanlagen gingen dagegen um 5,4% auf EUR 4,1 Billionen zurück.
«Das globale Geldvermögen hat 2025 erneut einen Rekord erreicht – doch nominale Rekorde erzählen nur die halbe Geschichte», sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt und Chefanlagestratege der Allianz. «Seit 2019 ist das nominale Geldvermögen um 50% gestiegen, real, also bereinigt um die Inflation, jedoch nur um 23%. In Westeuropa ist die Entwicklung noch schwächer: Dort liegt das reale Geldvermögen lediglich 0,5% über dem Niveau von 2019. In Nordamerika sind es 21%, in China 70%.»
Die Mischung macht’s
Die Portfoliostruktur entscheidet zunehmend darüber, wer von der Vermögensbildung profitiert. Wertpapiere legten 2025 um 12,4% zu – mehr als doppelt so stark wie Bankeinlagen (5,7%) oder Versicherungen und Altersvorsorge (5,0%). Ihr Anteil am globalen Geldvermögen stieg damit auf den Rekordwert von 46,9%.
Nordamerikanische Haushalte profitierten besonders stark von den steigenden Märkten, da 60,7% ihres Portfolios in Wertpapieren investiert waren. Auf die Region entfielen 51,4% des weltweiten Vermögenszuwachses. In den vergangenen zehn Jahren waren Wertsteigerungen für 71% des Wachstums des nordamerikanischen Geldvermögens verantwortlich, in Westeuropa dagegen nur für 36%. Das zeigt: Für die Vermögensentwicklung zählt nicht nur, wie viel gespart wird, sondern zunehmend auch, wie Ersparnisse angelegt sind.
Schweiz: Rang 1 beim Brutto-Geldvermögen, Rang 2 nach Abzug der Schulden
Das Brutto-Geldvermögen der Schweizer Haushalte stieg 2025 um 4,0% auf EUR 3,6 Billionen. Damit blieb das Wachstum leicht hinter dem westeuropäischen Durchschnitt von 4,5% und deutlich hinter dem globalen Wachstum von 8,6% zurück. Wertpapiere verzeichneten mit 9,7% den stärksten Zuwachs, während Bankeinlagen um 1,9% und Versicherungen/Pensionen um 1,1% wuchsen. Der Wertpapieranteil am Portfolio stieg dadurch von 30,9% auf 32,6%, lag aber weiterhin unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 36,8% und dem globalen Wert von 46,9%. Versicherungen/Pensionen blieben mit 37,9% die grösste Anlageklasse.
Die Neuanlagen erhöhten sich um 4,8% auf EUR 94,0 Milliarden und verteilten sich relativ gleichmässig auf Wertpapiere (35,7%), Versicherungen/Pensionen (34,2%) und Bankeinlagen (30,2%). Dabei setzten Schweizer Haushalte verstärkt auf Fonds: Die Käufe von Investmentfonds erreichten mit EUR 37,7 Milliarden den zweithöchsten Wert der Datenreihe, während Aktien im Umfang von EUR 7,0 Milliarden verkauft wurden. Die Neuanlagen steuerten 67% zum gesamten Vermögenszuwachs bei, verglichen mit lediglich 20% weltweit. Das Schweizer Vermögenswachstum blieb damit klar spargetrieben. Inflationsbereinigt wuchs das Geldvermögen um 3,9%; seit 2019 erhöhte sich seine Kaufkraft um 13,3%, gegenüber lediglich 0,5% in Westeuropa.
Die Verbindlichkeiten stiegen um 3,1% auf EUR 1,2 Billionen und damit langsamer als das Brutto-Geldvermögen. Das Verhältnis der Verbindlichkeiten zum Brutto-Geldvermögen sank leicht von 32,3% auf 32,0%. Das Netto-Geldvermögen erhöhte sich um 4,5% auf EUR 2,5 Billionen. Mit einem Brutto-Geldvermögen von EUR 406’060 pro Kopf blieb die Schweiz die Nummer 1 der Welt. Aufgrund der hohen Verbindlichkeiten belegte sie beim Netto-Geldvermögen mit EUR 275’980 pro Kopf unverändert Rang 2 hinter den USA.
Ausblick 2026-27: KI zwischen Vermögensmotor und Marktrisiko
Wir gehen davon aus, dass das weltweite Geldvermögen 2026 um solide 9% wächst. Mittelfristig wird das Umfeld jedoch anspruchsvoller: Schwächeres Wirtschaftswachstum, anhaltender Inflationsdruck, zunehmende geopolitische Fragmentierung und hohe Staatsschulden belasten die Renditeaussichten.
Damit wird KI künftig zu einem entscheidenden Faktor. Höhere Produktivität und steigende Unternehmensgewinne könnten die Kapitalmarktrenditen stützen. Zugleich erhöht die wachsende Abhängigkeit des Haushaltsvermögens von KI-getriebenen Kapitalmärkten die Verwundbarkeit. Seit Ende 2022 ist der S&P 500 um rund 95% gestiegen. Ein grosser Teil des jüngsten Vermögenszuwachses beruht damit auf hohen Marktbewertungen und grossen Erwartungen an KI. Unsere Berechnungen zeigen: Eine Korrektur des S&P 500 um 25% würde im Jahr des Schocks rund USD 27 Billionen an US-Haushaltsvermögen vernichten. Das entspricht fast 14% des gesamten Nettovermögens. Ein solcher Rückgang würde Vertrauen und Konsum belasten und die US-Wirtschaft in eine Rezession drücken.
Doch bei der KI-Vermögensstory geht es nicht nur darum, wie viel Vermögen geschaffen wird, sondern auch darum, wer davon profitiert. «KI könnte zum nächsten grossen Motor der Vermögensbildung werden. Doch entscheidend ist, wer die Vermögenswerte besitzt – und damit an den Erträgen teilhat», sagte Katharina Utermöhl, Head of Thematic & Policy Research bei Allianz Research. «Wenn sich die Wertschöpfung durch KI stärker in Richtung Kapital verschiebt, werden eine breitere Beteiligung an Kapitalerträgen und Massnahmen zur Unterstützung der Beschäftigten beim Wandel entscheidend sein, damit möglichst viele Menschen von der KI-Dividende profitieren.» (Allianz/mc/ps)