Griechenland: Die Banken «verbluten»

Alexis Tsipras

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras. (Foto: European Union 2014 – European Parliament)

Athen – Die Griechen heben angesichts der schweren Finanzkrise des Landes weiter Geld von ihren Konten ab. Die Einlagen sanken nach Angaben von Geldinstituten auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Schuldenkrise. Die Banken «verbluten», schrieben griechische Medien am Freitag. Die griechischen Kreditinstitute sind wegen der starken Mittelabflüsse weiter auf Notkredite (ELA) von der Zentralbank des pleitebedrohten Landes angewiesen. Die Europäische Zentralbank (EZB) muss den Umfang regelmässig neu bewilligen.

Noch im Dezember erreichte das Volumen der Geldeinlagen der Griechen mehr als 160 Milliarden Euro. Bis Ende März schrumpften die Einlagen auf rund 135 Milliarden Euro. Die umfangreichsten Abhebungen gab es im Januar (12,8 Milliarden Euro) und im Februar (7,6 Milliarden Euro). Im März zogen die Griechen weitere 5,5 Milliarden Euro von ihren Konten ab.

Wie die konservative Athener Zeitung «Kathimerini» berichtete, horten die Griechen mittlerweile rund 15 Milliarden in Bargeld. Die Angst nehme zu, dass sich die dramatische Finanzlage noch weiter zuspitzen könnte, wenn sich die neue Regierung unter dem linken Ministerpräsident Alexis Tsipras und die EU nicht bald über die griechischen Reformpläne einigen würden.

Reformvorschläge gehen nicht weit genug
Die EU-Kommission erklärte am Donnerstag, sie sei mit den bisherigen Fortschritten nicht zufrieden. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, lehnte einen Aufschub für Athen bei der Schuldenrückzahlung ab. Und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte, Euro-Hilfen für Krisenländer könne es nur bei Gegenleistungen geben. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis kritisierte am Rande der IWF-Frühjahrstagung in Washington erneut die strikten Forderungen der Geldgeber.

Schäuble erwähnte Griechenland nicht ausdrücklich. Es war aber klar, wen er meinte: «Wir haben in Europa gute Gründe, ohne entsprechende Gegenleistungen keine Finanzhilfen bereitzustellen», sagte er in einer Rede beim renommierten Institut Brookings in der US-Hauptstadt. «Und wir stellen keine Hilfe bereit, wenn ein Land diese nicht nutzt, sich selbst zu helfen.»

Varoufakis: Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen
Varoufakis sprach bei der Thinktank-Veranstaltung direkt im Anschluss an Schäuble. Der Grieche nannte es einen Fehler, jetzt ein Abkommen mit Zusagen zu unterschreiben, die der griechischen Wirtschaft schaden würden. Er erklärte, dass Athen eine schnelle Verhandlungslösung sehr wichtig sei. «Wir sind absolut vorbereitet, dafür Kompromisse einzugehen.» Es werde jedoch keinen Massnahmen zugestimmt, die «die Fehler der Vergangenheit» wiederholen würden.

IWF lehnt Zahlungsaufschub ab
Derweil reagierte IWF-Chefin Christine Lagarde auf einen Bericht der «Financial Times», demzufolge Athen den Krisenhelfer jüngst informell gebeten habe, fällige Raten später begleichen zu dürfen, was abgelehnt worden sei. Einen Zahlungsaufschub zu gewähren «wäre sicher kein Vorgehen, das in der aktuellen Situation zu empfehlen wäre», sagte sie. Allein im Mai und Juni müsste Griechenland Überweisungen an den IWF in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro tätigen. (awp/mc/pg)

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