Hector McNeil, Co-CEO Boost ETP

Hector McNeil, Co-CEO Boost ETP

Hector McNeil, Co-CEO Boost ETP

von Martin Raab, Derivative Partners Media AG, www.payoff.ch

payoff im Gespräch mit Hector McNeil, Co-CEO Boost ETP, über das neue Produktangebot, Expansionspläne in die Schweiz und Risikoaufklärung.

payoff: Herr McNeil, wie lässt sich das Produktangebot von BOOST in einen Satz fassen?

Hector McNeil: BOOST ist ein neuer, unabhängiger Emittent von börsengehandelten Produkten, die jeweils dreifach gehebelt sind, und wir bieten eine Vielzahl von Basiswerten.

«Mit taktischer Asset-Allokation lässt sich oft Geld verdienen.»
Hector McNeil, Co-CEO Boost ETP

Ihr Angebot verteilt sich auf Aktienindizes und Rohstoffe…

Sehen Sie sich die Märkte mal die letzten drei, vier Jahre an: Der FTSE 100 hat beispielsweise im Durchschnitt 2% rentiert, die Tagesgewinne beliefen sich durchschnittlich auf 1,05%. Breite Aktienindizes neigen zu einem gewissen Seitwärtstrend. Taktische Asset-Allocation sollte daher fester Bestandteil der Portfolio-Strategie sein, dort lässt sich kurzfristig oft Geld verdienen.

In der Finanzwelt beherrscht «deleveraging» noch immer die Agenda. Sie lancierten konträrerweise einen Hebelprodukte-Anbieter?

In Short- und Hebelprodukte sind weltweit rund USD 50 Milliarden investiert, USD 10 Milliarden davon in Europa. Viele Emittenten haben zwar Hebelprodukte im Angebot, wirklich fokussiert betreibt das Geschäft keiner. Wir haben daher eine reine Hebelplattform mit striktem Leverage von 3 lanciert – wir haben eine schöne Nische besetzt.

BOOST fokussiert sich also auch weiterhin primär auf Hebeltrader?

Ja, taktische Anleger – das heisst der klassische Trader – sind für unser Tagesgeschäft wichtig. Darüber hinaus werden wir durch Investorenaufklärung und Marketingmassnahmen versuchen, den Emittenten von Zertifikaten, Warrants, CFDs und auch den Spread Betting-Anbietern Marktanteile abzujagen.

Über welche Risiken klären Sie Ihre Kunden auf?

Nun, es gibt vier Punkte, über die jeder Anleger Bescheid wissen sollte, bevor er in unsere Produkte investiert: Zu allererst können gehebelte Renditen auch die Verluste vergrössern. Zweitens: Längere Haltezeiten können sich durch die Pfadabhängigkeit positiv und negativ auswirken. Weiterhin kann es sein, dass sich die Performance des Produkts nicht exakt dreimal mehr oder weniger als der jeweilige Basiswert verändert. Abschliessend muss erwähnt werden, dass Volatilität und Haltedauer gegen einen arbeiten können.

«Viele Emittenten haben zwar Hebelprodukte im Angebot, wirklich fokussiert betreibt das Geschäft keiner.»

Wie handeln Sie die mit ETP verbundenen Produktrisiken?

Risiken versuchen wir so klein wie möglich zu halten: Unsere Produkte sind an der London Stock Exchange kotiert, von einem konkurssicheren Emissionsvehikel ausgegeben und zwischen 105% bis 112% überbesichert – sprich, unser Treuhänder verwahrt mehr Collaterals als ausstehendes Produktvolumen. Die aktuellen Levels sind auf unserer Website www.boostetp.com publiziert. Die Swap-Provider sind führende Investmentbanken. Sollte deren Kreditwürdigkeit abrutschen, werden diese sofort ausgetauscht. Wir haben darüber hinaus ein Open Market-Modell, die rund 20 Market-Maker stellen fortlaufend Preise und sorgen so für höchstmögliche Liquidität.

Welche Produkte sind derzeit am umsatzstärksten und wie viel Vermögen sind in Boost ETPs investiert?

Die beiden meistgehandelten Produkte sind der Boost FTSE 100 3x Leverage Daily ETP und der Boost Gold 3x Short Daily ETP. Insgesamt haben wir seit dem Launch im Dezember 2012 schon USD 20 Millionen an Geldern für unsere Produkte einsammeln können.

«Die Schweiz ist ein Schlüsselmarkt.»

Sie haben zuvor ETF Securities mitgegründet und sind nun wieder als Entrepreneur aktiv. Der Versuch, eine Erfolgsgeschichte zu wiederholen?

ETF Securities befasst sich hauptsächlich mit physisch-besicherten Edelmetallen und Rohstoffprodukten. Gehebelte Produkte und Short-Produkte waren dort nur ein kleiner Teil des Angebots. Wir offerieren bei Boost zwar auch Rohstoffe, aber unser Fokus ist der dreifache Hebel – das hat ETF Securities nicht.

Haben Sie und die Boost-Mitgründer ihre Aktien von ETF Securities noch?

Wir sind nach wie vor der grösste Privataktionär und sehr stolz auf das dort Erreichte. Jetzt konzentrieren wir uns aber auf ein neues Produktangebot, das weder ETF Securities noch ein anderer Emittent hat.

Was sind Ihre Pläne – insbesondere für die Schweiz?

Wir planen, weitere Assetklassen hinzuzunehmen, speziell den Obligationenbereich und Währungen. Parallel machen wir uns gerade intensive Gedanken zum europäischen Roll-Out. Die Schweiz ist in der Vermögensverwaltung ein Schlüsselmarkt und daher für uns entsprechend wichtig, zumal wir bereits grosses Interesse von hier ansässigen Investmentmanagern hatten. In den nächsten Monaten werden wir unsere Strategie fixieren, es fanden bereits einige Gespräche in Zürich statt.

«In den nächsten Monaten werden wir unsere Strategie fixieren.»

…das klingt nach einem neuen Mitbewerber, speziell im Bereich der beliebten Faktorzertifikate…

Die Faktorzertifikate sind interessant, aber ich bin der Meinung, Boost ETPs würden deutliche Verbesserungen mitbringen. Insbesondere ist das Pricing fair, da Boost ETPs arbitragiert werden können. Für Faktorzertifikate gibt es keine Multi Market Maker.

Herzlichen Dank für das Interview.

Der Gesprächspartner:
Hector McNeil gilt als Urgestein der Londoner City und startete in den späten 90ern als Head of New Issue Infrastructre bei Morgan Stanley seine Karriere. Nach Stationen u.a. bei Nomura International als Director of Fixed Income and Derivatives Operations baute er im Jahr 2002 das ETF/ETP Market Making Geschäft bei Susquehanna in der Position des Head of Business Development auf. Anschliessend entschloss sich Hector McNeil zur Mitgründung eines eigenen Poduktanbieters, ETF Securities, und verantworte als Managing Partner die Bereiche Sales and Marketing. Sein Unternehmen starte im Januar 2006 mit vier Angestellten und USD 50 Mio. verwaltetem Vermögen und expandierte auf 70 Angestellte, die derzeit rund USD 22 Mrd. Seit Herbst 2011 engagiert er sich als CEO von BoostETP, einem neuen Emittenten von gehebelten, börsenkotierten Finanzprodukten. Hector McNeil besitzt einen Bachelor of Arts (Economics) und Sozialgeschichte der Universität Hull sowie einen MBA der Warwick Business School. Der verheiratete Familienvater dreier Kinder ist passionierter Rugby-Spieler und präsidiert den London Skolars Rugby League Club.

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