Helvetia dank Übernahmen auf Wachstumskurs

Stefan Loacker
Stefan Loacker, ehemaliger Helvetia-CEO. (Foto: Helvetia)

Helvetia-CEO Stefan Loacker. (Foto: Helvetia)

St. Gallen – Helvetia ist im Geschäftsjahr 2015 dank Übernahmen kräftig gewachsen und will in Zukunft weiter an Gewicht zulegen. Im Heimmarkt Schweiz ist der Versicherer mit dem Kauf von Nationale Suisse in die Top-3 der Branche aufgestiegen, und nun soll die Marktposition auch in den europäischen Ländereinheiten gestärkt werden.

Nach IFRS-Rechnungslegung ist der Gewinn der Helvetia-Gruppe um beinahe 90 Mio CHF auf 309 Mio zurückgefallen, wie es am Montag hiess. Dennoch wird den Aktionären eine um 1 CHF auf 19 CHF je Aktie erhöhte Dividende zur Ausschüttung vorgeschlagen.

In Analystenkreisen hatte man mit einem Gewinnrückgang auf rund 300 Mio gerechnet, schliesslich seien wegen der Akquisitionen von Nationale Suisse und Basler Österreich Kosten in Höhe von 173 Mio angefallen, so ein Kommentar. Dazu zählten vor allem Integrationskosten (75 Mio), Abschreibungen auf dem Goodwill (60 Mio) oder auf übernommenen Bonds (43 Mio).

Positiv fielen hingegen ein Steuereffekt (43 Mio CHF) sowie die Realisierung erster Synergien (45 Mio) ins Gewicht. CEO Stefan Loacker ist zuversichtlich, bis 2017 mehr als die bisher veranschlagten 130 Mio an Synergiepotenzial zu realisieren.

Hohes Nichtlebenergebnis
Aufgrund des «stark verzerrten Bildes» verweist Helvetia auf das um Akquisitionseffekte bereinigte Ergebnis aus Geschäftstätigkeit. Dieses Ergebnis habe sich im Berichtsjahr um 4,1% auf 439 Mio CHF erhöht, heisst es.

Der Ergebnistreiber sei das Nichtlebengeschäft mit einem Plus von 22% auf 332 Mio CHF gewesen. Die geringere Schadenlast sowie das akquisitionsbedingt höhere Volumen führten zu der Verbesserung in der Combined Ratio von 1,4 Prozentpunkten auf 92,1%. Besonders gut präsentiert sich nach wie vor das Schweizer Geschäft (85,2%) während die Kennzahl in den europäischen Einheiten bei 97,1% und im Nischensegment bei 95,9% lag.

In der Lebensversicherung nahm das Ergebnis um 16% auf 176 Mio CHF zu. Eine Steigerung von 9,5% zeige das Risikoergebnis. Wegen des tieferen Rückversicherungsergebnisses schrieb Helvetia dagegen bei den übrigen Tätigkeiten einen Verlust von 69 Mio, dies nach einem Minus von 2 Mio im Vorjahr.

Weiteres Wachstum
Auch im Geschäftsvolumen, das um 6,0% auf 8,24 Mrd CHF (+11% in LW) zunahm, machten sich die Übernahmen stark bemerkbar. Das Volumen in der Nichtleben-Sparte kletterte gar um 35% in die Höhe, organisch hätte dagegen lediglich ein Wachstum von gut 1% resultiert, so Loacker. In der Lebensversicherung, die kaum von Akquisitionen geprägt war, sank das Volumen dagegen um 6,5% auf 4,46 Mrd CHF (-3,7% in LW). Hier setzt Helvetia auf kapitalschonende Produkte und drosselt bewusst den Verkauf traditioneller Produkte.

In der neuen Strategieperiode bis 2020 will Helvetia weiter zulegen, das Prämienvolumen soll nämlich über die 10-Mrd-Marke geführt werden. «Das ist mit organischem Wachstum alleine nicht zu schaffen», hielt der CEO fest. Man werde daher in den Ländern, in welchen man auch heute tätig ist, nach Akquisitionen Ausschau halten und dies vor allem im Bereich Nichtlebensversicherung tun. Die «Kriegskasse» sei gut gefüllt.

Im neuen Programm strebt Helvetia zudem eine Eigenkapitalrendite in der Bandbreite von 8-11% an (2015: 8,9%). Im Nichtlebengeschäft soll die Combined Ratio unterhalb der 93%-Marke liegen, während im Lebengeschäft auf eine Neugeschäftsmarge von 1,0% (0,9%) abgezielt wird. Das Margen-Ziel musste mit Blick auf das anhaltende Tiefzinsumfeld revidiert werden, bislang wurden mehr als 1,2% erwartet.

Helvetia sieht sich nach wie vor solide kapitalisiert. Das Eigenkapital steht Ende Jahr bei 4,66 Mrd CHF (Ende Juni 2015: 4,39 Mrd; 2015: 4,96 Mrd) und die Solvenz-1-Quote bei 205% (Juni: 200%). Mit den Kapitalanlagen in Höhe von 48 Mrd CHF hat die Gruppe eine direkte Rendite von 2,2% erzielt.

An der Börse bewegt sich die Helvetia-Aktie am Nachmittag mit einem Minus von einem halben Prozent nur unwesentlich schlechter als der seitwärtstendierende Gesamtmarkt. Analysten hatten mehr oder weniger mit der gezeigten Leistung gerechnet und begrüssten die höhere Dividende. (awp/mc/upd/ps)

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