HSBC: Höherer Überschuss dank niedrigerer Steuern

HSBC-CEO Stuart Gulliver.

London – Die britische Grossbank HSBC hat zu Jahresbeginn dank geringerer Risikovorsorge und niedrigerer Steuern ihren Gewinn kräftig gesteigert. Unterm Strich blieben im ersten Quartal 4,2 Milliarden Dollar übrig, rund 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die Bank am Montag mitteilte.

Für faule Kredite legte die grösste europäische Bank in den ersten drei Monaten dieses Jahres nur noch 2,4 Milliarden Dollar zurück, so wenig wie seit dem zweiten Quartal 2006 nicht mehr. Die Aktie verlor dennoch bis zum Nachmittag 1,7 Prozent. Das dürfte auch an dem gesunkenen Gewinn vor Steuern gelegen haben, der wegen höherer Kosten um knapp 15 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar zurückging. Die Aufwendungen für das operative Geschäft stiegen den Angaben zufolge um fast 17 Prozent auf 10,4 Milliarden Dollar. Die Bank führte dies auf ihre Investitionen in Wachstumsmärkten zurück.

Rückstellungen für Schadensersatzzahlungen
Hinzu kamen Rückstellungen in Grossbritannien, wo die Geldinstitute für den Verkauf von überteuerten Lohnausfallversicherungen vor hohen Schadensersatzzahlungen stehen. HSBC stellte dafür 440 Millionen US-Dollar zurück. Lloyds rechnet sogar mit Kosten für 3,2 Milliarden Pfund, Barclays mit rund einer Milliarde Pfund. Die Bank steht angesichts international vergleichsweise schwacher Renditen vor einem tiefgreifenden Umbruch. Der neue Konzernchef Stuart Gulliver will die Kosten deutlich senken, um die Rendite auf das eingesetzte Kapital auf das mittelfristige Ziel 12 bis 15 Prozent zu steigern. Es wird erwartet, dass er den Rückzug aus einigen Ländern verkündet. HSBC ist derzeit in 87 Staaten vertreten. Auch das US-Kreditkartengeschäft steht zur Disposition.

Umbau dürfte einige Zeit dauern

Seine Strategie will Gulliver im Laufe dieser Woche vorlegen. Er machte aber schon am Montag deutlich, dass sein Umbau einige Zeit dauern wird. Im vergangenen Jahr hatte die Bank ihren Überschuss auf 13,2 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital lag bei knapp 10 Prozent. Angesichts strengerer Eigenkapitalvorschirften für die Banken, mit denen die Politik neue Finanzkrisen verhindern will, wird es für die Banken schwieriger, ihre Profitabilität zu steigern. Um Druck auf die Regierung zu machen, droht HSBC unverholen damit, seinen Sitz aus London zu verlagern. Auch bei Barclays gibt es entsprechende Gerüchte, die aber inzwischen dementiert sind.

Schwacher Jahresstart der britischen Grossbanken
Die britischen Grossbanken hatten einen eher schwachen Start ins Geschäftsjahr gemeldet. Die Royal Bank of Scotland (RBS) steckt weiter tief in den roten Zahlen und musste einen Verlust von 528 Millionen Pfund hinnehmen. Lloyds wies wegen der Rückstellungen für die Lohnausfallversicherungen sogar einen Verlust von 2,4 Milliarden Pfund aus. Barclays hingegen – neben HSBC der Gewinner der Finanzkrise unter den britischen Banken – wies unter dem Strich einen Gewinn von gut einer Milliarden Pfund aus. Wegen eines schwächeren Geschäfts im Investmentbanking war das aber auch weniger als ein Jahr zuvor, und die Belastungen aus den Fehlberatungen sind darin noch nicht enthalten. Die Deutsche Bank und die Commerzbank meldeten hingegen für das erste Quartal Gewinnsteigerungen. (awp/mc/upd/ps)

HSBC

Schreibe einen Kommentar