IHAG-Kommentar: Der Rebound seit Mitte Februar scheint beendet

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Gewisse Indikatoren wie die wieder leicht sinkenden Einkaufsmanger-Indizes in China und den USA belasteten vergangene Woche die Märkte. Zudem kam es zu Gewinnmitnahmen bei prominenten Titeln wie Apple oder Google. Auch kommt der Ölpreisanstieg zum Erliegen und hemmt die Börsen.

Der S&P 500 verlor über die Woche 0.4%, der Euro Stoxx 50 doch schon 3% und der SMI 2.8%. In Europa kamen die Bankaktien wieder unter die Räder, da sie anders als die US-Banken weiterhin an allen Fronten kämpfen müssen. UBS, Deutsche Bank und Credit Suisse verloren in der Woche über 8%. Weil die Bank of Japan nicht wie erwartet weitere Stimuli lancierte, sackte der Nikkei wegen der Yen Stärke in den letzten Handelstagen 8% ab.

Sicherheit war wieder etwas mehr wert und auch das Stillhalten der FED bis im Juni liesse die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA 5 Basispunkte auf 1.78% sinken. In Deutschland sanken die Renditen 13 und in der Schweiz
5 Basispunkte.

Die letzten Handelstage waren geprägt von teils markanten Kursschwankungen im USD. Zuerst fiel der USD/CHF von 0.9680 bis auf 0.9450 und dann folgte der Rebound zurück auf 0.97. Im EUR/USD schien sich noch anfangs April eine Trendumkehr der bisherigen EUR-Erstarkung bei 1.14 abzuzeichnen, die Relation fiel aber nicht unter 1.12 und sprang letzten Dienstag kurz über 1.16. Hier dürften wohl Stopps rausgenommen worden sein, denn die Kraft fehlte danach und am Freitag war der Kurs wieder bei 1.14. Der EUR/CHF schwächte sich etwas ab und stieg vom bisherigen Seitwärtskanal um die 1.10er Marke auf 1.1080.

Gold wieder gefragt
Gold ist wieder gefragt, nicht zuletzt im Soge der generell steigenden Rohstoffpreise sowie der zur Schwäche neigenden Börsen. Am Montag wurden kurz Kurse über USD 1300 für eine Unze bezahlt, aber in den folgenden Tagen kam es zu einem Rücksetzer bis USD 1270. Mit den schwachen Arbeitsmarktdaten erholte sich Gold wieder bis auf USD 1290 die Unze, weil die Erwartungen bei den Zinsen damit gedämpft bleiben und weiterhin wenig Opportunitätsverlust durch Halten von Gold anfällt. Beim Ölpreis kam es seit Monatsbeginn zu einem Preisrückgang von 5% auf USD 45.50 pro Barrel Brent. Im längeren Bild könnte es sich um eine Konsolidierung halten. Es muss aber beobachtet werden, ob angesichts des bestehenden Überangebotes nicht wieder eine Korrektur droht.

Nächste Zinserhöhung in den USA wohl aufgeschoben
Von den Notenbanken sind demnächst keine Impulse zu erwarten. Mit dem schwachen Arbeitsmarkt dürfte die nächste Zinserhöhung in den USA wieder etwas weiter aufgeschoben werden, obwohl die monatlichen Berichte auch Schwankungen und Revisionen unterworfen sind. Diese Woche tagen die Europäischen Minister, um die wieder hochkommenden Finanzprobleme in Griechenland zu besprechen. Eine Lösung ist nicht zu erwarten und dies dürfte die Börsen leicht belasten. Bei den Firmen läuft die Berichtesaison auf vollen Touren, fällt aber gemischt aus und muss einzeln nach Unternehmen analysiert werden. Die zuvor teils markant korrigierten Gewinnerwartungen wurden mancherorts erfüllt. Gemäss einer Auswertung des Brokers Barclays haben die 209 bisher rapportierenden Firmen in Europa die Gewinnschätzungen der Analysten um knapp 2% im Q1 übertroffen. Dies ist aber kein Anlass zum Optimismus, denn die Gewinnschätzungen für 2016 sind seit anfangs Jahr bereits um 11% herunterrevidiert worden. Im grossen Bild stagnieren die aggregierten Gewinne im MSCI Europe seit 5 Jahren. Ein ähnliches Bild im SPI, wonach gemäss Broker Vontobel die aggregierten Gewinne ebenfalls seit Jahren stagnieren und auf adjustierter Basis (um „Einmaleffekte“) 2015 um 9% sanken und auch im 2016 ein Rückgang von 4% geschätzt wird. Seit einem Jahr hat sich die Gewinnerwartung 2016 um 10% reduziert.

Die Hoffnung stirbt aber nicht, denn im 2017 wird ein Gewinnsprung von 20% erwartet. Bei den wichtigen Sektoren sind die Banken angeschlagen und auch der Autosektor, obwohl letzterer günstig bewertet ist und die Verkäufe gut laufen. Aber hier sieht die Börse wohl ein Abflachen auf hohem Niveau und ist skeptisch. Eine grosse Frage ist auch, ob der Rohstoffzyklus nach oben gedreht hat oder ob es sich nur um ein „Bärenmarkt-Rally“ handelt. In den letzten Tagen geriet die Erholung jedenfalls bei diversen Rohstoffen ins Stocken. Für Ernüchterung sorgte die soeben publizierte Handelsbilanz von China, wonach gegenüber Vorjahr die Exporte in USD um 1.8% stiegen, aber die Importe um fast 11% zurückgingen. Insgesamt sehen wir gemischte Signale und keinen Trend, weshalb wir vorsichtig agieren und Cash bereithalten würden.

Günstige, „sichere“ Wachstumsaktien gibt es nicht, aber solide, hochbewertete, welche aber gesucht bleiben. Darunter fällt Fresenius, welche von einem langfristig wachsenden Trend nach Versorgung in der Gesundheit profitiert, diversifiziert ist, aber in den jeweiligen Sektoren gut positioniert ist, und einen starken Track Record aufweist. HeidelbergCement ist zyklischer, aber mehrheitlich in momentan gut laufenden Regionen positioniert, das Jahr ist besser als erwartet gestartet. Zudem scheint der zuerst beargwöhnte Kauf von Italcementi immer mehr Wert zu generieren. Für 2016 und 2017 werden bei HeidelbergCement zweistellige EPS-Anstiege erwartet, was im aktuellen Umfeld nicht vielen Firmen gelingen dürfte. (IHAG/mc)

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