IHAG Kommentar: Stimmung wird versöhnlich

IHAG Kommentar: Stimmung wird versöhnlich

Zürich – Viele Anleger haben sich bereits in die Weihnachtspause verabschiedet. Von einem Weihnachtsrally kann man nicht sprechen, aber die Stimmung wird versöhnlich bis positiv und gegen Wochenschluss überwogen die Käufe. Der S&P 500 stieg im Wochenvergleich 3.7%, der Stoxx 50 3.2% und der SMI 2.8%

Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen verharrten in der Schweiz auf tiefem Niveau, zogen in den USA und Europa wieder etwas an. Bei den Währungen blieb es ruhig. EUR/USD etablierte sich bei der 1.30-er Marke seitwärts, der EUR/CHF bei 1.22 und der USD/CHF-Kurs bei 0.94. Die Devisenhändler scheinen die Bücher geschlossen zu haben. Nach dem Einbruch in der Vorwoche konnte sich die Unze Gold bei USD 1607 stabilisieren. Palladium und auch Kupfer konnten einen Teil der Verluste wieder aufholen. Der Ölpreis konnte den Vorwochenverlust sogar ganz wettmachen und schloss auf USD 108 pro Barrel Brent. Besser als erwartete Konjunkturdaten haben geholfen.

Skepsis gegenüber dem „Merkozy-Weg“
An den Märkten hatte zu Wochenbeginn wieder die Skepsis über den „Merkozy-Weg“ die Oberhand gewonnen. Gezweifelt wurde an der Umsetzung der Beschlüsse des EU-Gipfels, sind doch nach wie vor viele Details – auch juristischer Art – unklar. Nach einer Erholung sanken die Märkte am Montagnachmittag nach dem Kommentar von EZB Chef Mario Draghi, dass er weiterhin substantielle Risiken in der Finanzbranche sehe. Diese negativen Aussagen waren wohl nötig, damit die Politiker handeln. Um die Abwärtsspirale zu bremsen, sollen die Beschlüsse des EU-Gipfels nämlich rasch umgesetzt werden. Auch die IMF Chefin Lagarde warnte vor Protektionismus und Gefahren, dass die Wirtschaftskrise weltweit eskalieren könnte, ähnlich wie in den 30er Jahren. Zudem brachte der Tod von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il den Krisenherd dieser Region wieder ins Bewusstsein der Börsen. All dies drückte die Kurse, ohne sie allerdings abstürzen zu lassen. Ein guter ifo-Index in Deutschland und eine erfolgreiche spanische Bond-Auktion hoben am Dienstag die Stimmung und die Kurse wieder.

Grösste Geldspritze aller Zeiten für Europas Banken
Am Mittwoch machte die Europäische Zentralbank die Geldschleusen weit auf und stellte 532 Banken insgesamt EUR 489 Mrd. auf drei Jahre zu momentan 1% Zins zur Verfügung. Dies ist die grösste Geldspritze aller Zeiten für Europas Banken und dürfte Bankpleiten 2012 wenig wahrscheinlich machen. Die strukturellen Probleme sind damit zwar nicht gelöst, aber das Finanzsystem ist stabilisiert, die Staaten müssen 2012 nicht einspringen und man kann etwas aufschnaufen. Vermutlich haben sich nicht nur die bedürftigen südeuropäischen Banken bedient, sondern auch solide Institute die günstige Gelegenheit wahrgenommen. Wir deuten die enormen Summe nicht als dahingehend, dass die Lage schlimmer ist als angenommen, sondern sehen die Stabilisierung des Finanzsystems als positiv. Mit dem Geld können die Banken eigene Bonds mit Gewinn zurückkaufen, weniger Bonds bei Verfall rollen, Kredite sprechen (was die EZB wünscht) oder gar Staatsanleihen kaufen (was die Politiker wünschen), was aber die wenigsten tun dürften. Es wäre allerdings bereits gut, wenn die Banken die Verkäufe der Staatsanleihen aus eigenen Beständen stoppen. Im Februar will die EZB nochmals unbegrenzte Gelder für drei Jahre ausleihen.

Pessimismus und milde Rezessionserwartung in Europa
Das ablaufende Jahr brachte hohe Volatilität, Verluste und war für die meisten Anleger frustrierend. Der Ausblick ist von Pessimismus und einer milden Rezessionserwartung in Europa geprägt. Aktien sind vielerorts untergewichtet und der Abgabedruck nun gering. Aktien sind eigentlich günstig bewertet und die meist solide finanzierten Unternehmen kaufenswert. Angesichts der karg rentierenden Bonds gäbe es kaum Alternativen, wäre nicht die Angst vor weiteren Kursrückschlägen, bevor es besser wird. Dennoch klettern diverse Aktien gegen oder über ihre charttechnische Resistance: „Climbing the wall of fear“ (die Wand der Angst hochklettern) kann als Phrase für diese Situation herangezogen werden. Barry Callebaut, Givaudan, Nestlé, Novartis und Roche haben zum Beispiel ihre Resistance genommen, welche nun zum Support wird. Wir würden hier dabei bleiben. Interessant für Zukäufe, weil kurz vor dem Ausbruch, sind solide Werte wie ABB, Syngenta und Zurich FS. In Europa gefällt uns die Deutsche Post. (IHAG/mc/hfu)

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Grösste Geldspritze aller Zeiten für Europas Banken.

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