Japans Regierung macht Ernst

Yen

Anleihekäufe sollen Yen schwächen.

Tokio – Die neue japanische Regierung macht mit ihrem Wahlkampfverprechen Ernst, die heimische Währung schwächen zu wollen. Japans Finanzminister Taro Aso kündigte vor Journalisten an, künftig Anleihen des Euro-Rettungsfonds ESM kaufen zu wollen. Zur Finanzierung will die Regierung allerdings nicht auf japanische Yen zurückgreifen, sondern die Fremdwährungsbestände des Landes nutzen. Beobachter werteten dies als Schritt, um internationaler Kritik vorzubeugen. Denn direkte Interventionen an den Devisenmärkten gelten als nicht gerne gesehen und könnten sogar Gegenmassnahmen anderer Staaten provozieren.

Finanzminister Aso argumentierte, die ESM-Anleihekäufe dienten der Finanzstabilität Europas und würden damit helfen, viele Währungen – so auch den japanischen Yen – zu «stabilisieren». Unter Experten gilt es als unstrittig, dass das Ziel letztlich in einer Schwächung des Yen besteht. Aso kündigte eine gemeinsame Erklärung von Regierung und der Bank of Japan an. Am Dienstagmittag wird der europäische Rettungsfonds ESM erstmals kurzlaufende Geldmarktpapiere versteigern.

Starker Yen als Belastung für die japanische Wirtschaft
Insbesondere die USA hatten Japan im Jahr 2011 wegen direkter Interventionen am Devisenmarkt stark kritisiert. Seinerzeit hatte der Yen ein Rekordhoch zum US-Dollar erreicht. Seither hat sich der Yen zu vielen wichtigen Währungen zwar spürbar abgeschwächt. Im längeren Vergleich ist er aber immer noch teuer. Für die exportorientierte Wirtschaft Japans stellt dies eine grosse Belastung dar, weil der hohe Yen-Kurs japanische Waren auf dem Weltmarkt verteuert. Hinzu kommt der Inselstreit mit China und dem damit einhergehenden Boykott zahlreicher japanischer Waren durch chinesische Abnehmer.

Politischer Kniff
Beobachter werteten die Ankündigung, die Anleihekäufe mit Fremdwährungsbeständen zu finanzieren, als politischen Kniff. «Das ist insofern politisch geschickt, da solche Käufe in Europa sicherlich willkommen sein dürften», sagte Devisenexperte Lutz Karpowitz von der Commerzbank. Wichtiger noch: Da die ESM-Bonds nicht mit eigener Währung, sondern mit Devisen bezahlt werden sollen, dürften die Auswirkungen auf den Yen-Kurs begrenzt bleiben. Schliesslich werden japanische Yen durch die Transaktion nicht verkauft, sondern letztlich der Bestand an Fremdwährung umgeschichtet.

«Wieder einmal zeigt sich, dass der Devisenmarkt sich leicht überrumpeln lässt», resümierte Beobachter Karpowitz. Allein durch die Ankündigung Asos gewannen am Dienstag sowohl Euro als auch Dollar zum Yen spürbar. Der Effekt hielt aber nicht lange vor. (awp/mc/pg)

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