MFS: «Made in China» – wie lange noch?

MFS: «Made in China» – wie lange noch?

James Swanson, Chief Investment Strategist von MFS Investment Management.

Zürich – Die Wachstumsstory China scheint zu bröckeln. In seinem jüngsten Kommentar erklärt James Swanson, Chief Investment Strategist beim weltweit tätigen Asset Manager MFS Investment Management, inwiefern die Lohnstückkosten dafür verantwortlich sind und warum die USA vermutlich schon bald wieder ihre Produktionsvorteile zurückgewinnen werden.

Von James Swanson, Chief Investment Strategist von MFS Investment Management

Seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass die Lohnkosten Einfluss auf die Konkurrenzfähigkeit der Nationen und auf deren Fähigkeiten haben, Wirtschaftswachstum durch Exporte anzutreiben. Dabei ist auch ersichtlich, wie stark der spektakuläre Anstieg des chinesischen Exportvolumens die Wirtschaftswachstumsraten des Landes angetrieben hat. Der aktuelle Nachfrageeinbruch in den europäischen Ländern hat sich denn auch negativ auf das Wachstum ausgewirkt und viele der Wirtschaften in eine Rezession geführt. Mittlerweile haben die News aus China für eine neue Ausgangslage gesorgt. Das Wirtschaftswachstum des Landes fiel auf 7,6% im zweiten Quartal. Das ist der tiefste Wert seit Anfang 2009, als der Abschwung auf dem Immobilienmarkt und schwache Exporte auf der weltweit zweitgrössten Wirtschaftsnation lasteten. Der erneute Abschwung ist nicht überraschend, denn die Lohnstückkosten Chinas sind angestiegen, wenn auch nur geringfügig. Doch auch die Zukunftsaussichten sehen nicht mehr so rosig aus, wie auch schon.

Amerikanische Kritik an Produktion in China
Wenige Tage ist es her, als die Meldung publik wurde, dass die von Ralph Lauren designte Kleidung, welche das US-Olympiateam bei der Eröffnungszeremonie in London tragen wird, in China produziert wurde. Beide Parteien des US-Kongresses haben das amerikanische olympische Komitee verurteilt und kritisiert, dass in Zeiten, in denen die amerikanische Textilindustrie mit Problemen zu kämpfen hat und die Arbeitslosigkeit hoch ist, die Produktion der Bekleidung nicht in den USA in Auftrag gegeben wurde. Doch die Entscheidung, die Textilien in China produzieren zu lassen, wurde mit Sicherheit bereits vor einigen Jahren getroffen. Interessant wäre deshalb zu wissen, ob Ralph Lauren oder eine andere Firma die gleiche Entscheidung auch heute noch fällen würde. Bei der Beurteilung der globalen Konkurrenzfähigkeit einer Wirtschaft müssen vor allem auch die Lohnstückkosten beachtet werden. Zurzeit sind jene Chinas zwar noch tief, jedoch sind sie steigend und nehmen in den Produktionsmargen ein immer stärkeres Gewicht ein. Es gibt Firmen, die ihre Strategie geändert und ihre Produktion mittlerweile wieder von Asien zurück in die USA verlagert haben. Dieser leichte Anstieg in der US-Binnenproduktion und der Abschwung in China ist zwar kein Paradigmenwechsel. Allerdings ist es mit Sicherheit eine Entwicklung, die man beobachten sollte. Denn wenn die chinesischen Lohnstückkosten ansteigen, werden auch die chinesischen Produkte teurer. In der Folge würde sich die Produktion von Hemden, Schuhen und Plastikprodukten verstärkt nach Südamerika, Osteuropa und sogar USA verlagern. In diesen Ländern sind die Transportkosten in die Absatzmärkte moderat und die Lohnstückkosten konkurrenzfähig.

Die USA werden einige ihrer Produktionsvorteile wieder zurückgewinnen
Die ansteigenden Lohnstückkosten in China haben erst gerade begonnen, die Kostenvorteile in der Produktion zu schmälern. Die Entwicklung ist nicht überraschend, sondern die natürliche Auswirkung der steigenden Löhne und der sich aufwertenden Währung. Wenn sich nun diese Produktionskosten weiter erhöhen, nähern wir uns dem Punkt, an dem chinesische Güter nicht mehr preiswert sind. Denn rund 40% der Kosten aller in China produzierten Waren entstehen durch den Transport, basierend auf der Prämisse, dass sich die Preise um 1% pro Versandtag erhöhen. Die Quintessenz daraus ist klar: Die USA werden einige ihrer Produktionsvorteile wieder zurückgewinnen, weil es ihr hervorragend gelungen ist, die Lohnstückkosten tief und die Produktivität gleichzeitig hoch zu halten. Kommt hinzu, dass die Transportkosten im Binnenverkauf wegfallen würden. Es wird daher Zeit, die Herkunftsbezeichnungen von Kleidern wieder genauer zu beobachten. Vielleicht ist bei den Olympischen Spielen 2016 die hitzige Debatte zum Thema „Made in the USA“, welche zurzeit im Kongress stattfindet, bereits ein Thema vergangener Tage.“ (MFS/mc/hfu)

Über MFS
MFS Investment Management ist ein global tätiger Vermögensverwalter mit Investmentbüros in Boston, London, Mexico City, Singapur, Sydney und Tokio. Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis zum 21. März 1924 und der Gründung des ersten offenen Publikumsfonds in den USA zurück. Für Privatkunden und institutionelle Anleger in aller Welt verwaltet MFS Vermögen im Wert von 284,8 Mrd. US-Dollar (Stand: 31. März 2012). In der Deutschschweiz ist MFS unter der Leitung von Anna Bretschneider und in der Westschweiz von Alain Dupierre vertreten.

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