Migros Bank 2014 mit Gewinnsprung

Harald Nedwed

Harald Nedwed, Direktionspräsident Migros Bank.

Zürich – Die Migros Bank hat 2014 einen Rekordgewinn von 225,2 Mio CHF erzielt. Die Zinsmarge ist aber geschrumpft. Nun denkt selbst die Tochter des Migros-Genossenschafts-Bundes mit ihren oft vergleichsweise guten Konditionen über Negativzinsen für Grosskunden nach.

„Bei Grossanlegern können wir uns das vorstellen“, sagte Migros-Bank-Chef Harald Nedwed am Montag bei der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Die Negativzinsen würden dann pro Grosskunde ab einem gewissen Schwellenwert gelten.

Der Schritt sei aber noch nicht beschlossen, die Migros Bank wolle erst die Entscheide der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag abwarten, sagte Nedwed. „Wir haben schon abgeklärt, ob unser IT-System überhaupt Negativzinsen verarbeiten kann; und es kann das.“

Bei den Kleinsparern und Kleinunternehmen sei die Einführung von Negativzinsen „im Moment nicht vorstellbar“, ergänzte der Bankchef. In einem solchen Fall würden nämlich wohl viele Kunden ihre Guthaben einfach abziehen. Allerdings könnten grundsätzlich die Zinssätze noch näher Richtung null sinken und die Gebühren steigen.

Unter SNB-Freigrenze
Die Migros Bank selber muss auf ihren Giroguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) keine Negativzinsen gewärtigen. Sie liege um 1,5 Mrd CHF unter dem Freibetrag, sagte Nedwed.

Die Postfinance bestätigte hingegen eine Meldung der „Berner Zeitung“, wonach ihre Guthaben bei der SNB den Freibetrag um „weniger als“ 4 Mrd CHF übersteigen. Die SNB verlangt darauf ab Donnerstag einen Negativzins von 0,75%, was somit gegen 30 Mio CHF pro Jahr wären.

Die Postfinance sowie andere Finanzinstitute wie die UBS und die ZKB erwägen ebenfalls, die Negativzinsen auf Grosskunden zu überwälzen. Kleinsparer und Kleinunternehmen seien ausgenommen, solange die SNB ihre Politik nicht weiter verschärfe, hiess es bei der ZKB. Die CS hat bereits am Sonntag bestätigt, dass Konzerne und Pensionskassen bald eine so genannte Guthabenkommission zahlen müssen.

Spannend wird sein, ob der Fall des Euro-Mindestkurses bei Banken Löcher in die Geschäftsbücher reisst. Migros-Bank-Chef Nedwed sagte, alle Devisenbestände seines Instituts seien abgesichert. Auch bei Lombardkrediten oder Devisentermingeschäften von Kunden sei die Situation aufgrund der vorsichtigen Kreditpolitik im Griff.

Weiter auf Wachstumskurs
Operativ sei der Wachstumskurs fortgesetzt worden. Die Kundengelder nahmen im vergangenen Jahr um 4,8% auf 32,3 Mrd CHF zu. Auf der anderen Seite weitete die Migros Bank die Hypothekenkredite um 4,6% auf 32,6 Mrd CHF aus.

Damit wurde das Marktwachstum übertroffen, laut Nedwed nicht wegen grösserer Risikobereitschaft, sondern wegen des Ausbaus des Vertriebs und den günstigen Konditionen. Die Zinsmarge sei aber geschrumpft, denn der Ertrag im Zinsengeschäft (+2,7%) sei weniger stark als das Gesamtvolumen gestiegen, erklärte Nedwed.

Auch im Kommissionsgeschäft (+2,2%) und im Handelsgeschäft (+10%) legte die Migros Bank zu. So stieg der gesamte Geschäftsertrag um 3,0% auf rekordhohe 613,9 Mio CHF. Der Bruttogewinn verbesserte sich um 6,1% auf 328,6 Mio.

Der noch deutlichere Sprung des Reingewinnes erklärt sich zudem vor allem damit, dass keine Reserven für allgemeine Bankrisiken mehr gebildet wurden. Stattdessen äufne die Migros Bank mit Blick auf die regulatorischen Anforderungen aus dem Reingewinn nun vermehrt Kernkapital. (awp/mc/upd/ps)

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