Moody’s droht Spanien mit Herabstufung

Elena Salgado

Spaniens Finanzministerin Elena Salgado.

London – Die Ratingagentur Moody’s hat dem Euro-Schuldensünder Spanien eine Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit angedroht. Die Bewertung der spanischen Bonität mit «Aa2» werde überprüft, teilte Moody’s am Freitag mit, eine neuerliche Herabstufung sei möglich. Je schlechter die Bonität eines Staates beurteilt wird, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen.

Moody’s veröffentlichte die Mitteilung allerdings bevor Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero vorgezogene Wahlen für den 20. November ansetzte. Zapatero reagierte mit dieser Entscheidung auf Forderungen der erstarkten Opposition. Die konservative Volkspartei (PP) hatte seit ihrem überwältigenden Sieg bei den Regional- und Kommunalwahlen am 22. Mai immer wieder Neuwahlen gefordert.

«Wachsende Risiken» für Besitzer spanischer Anleihen
Nach Einschätzung von Moody’s leidet Spanien unter den Folgen der Schuldenkrise. Die Agentur sieht «wachsende Risiken» für die Besitzer von spanischen Staatsanleihen. Ausserdem sei die konjunkturelle Entwicklung des Mittelmeerlandes nach wie vor schwach, hiess es weiter als Begründung. Zudem dürfte es dem spanischen Staat künftig schwerer fallen, sich an den Märkten zu refinanzieren. Moody’s begründete diese Sichtweise mit den Folgen des neuen Hilfspaket für Griechenland.

Strukturelle Reformen umgesetzt
Die Ratingagentur lieferte in der Stellungnahmen aber auch positive Einschätzungen zur Lage in Spanien. Demnach habe das Land einen vergleichsweise niedrigen Schuldenberg. Experten bezifferten den Schuldenstand der Spanier bei etwa 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Nur zum Vergleich: Die Verschuldung der USA liegt bei etwas über 100 Prozent des BIP. Ausserdem erreichte das Eurozonen-Land beim Haushalt 2010 die anvisierten Sparziele, hiess es weiter bei Moody’s. Zudem habe Spanien strukturelle Reformen umgesetzt. Spanien sollte nach Einschätzung der Moody’s-Experten auch in der Lage sein, vorübergehend höhere Zinsen zu schultern.

Euro unter Verkaufsdruck
An den Devisenmärkten ist der Euro nach der Moody’s-Aussagen unter Verkaufsdruck geraten und deutlich unter die Marke von 1,43 US-Dollar abgerutscht. Zeitweise erreichte die Gemeinschaftswährung ein Tagestief bei 1,4230 Dollar. Im Nachmittagshandel sorgten überraschend schlechte Daten zum Wirtschaftswachstum in den USA wieder für eine kräftige Erholung beim Euro.Der deutsche Anleihenmarkt reagierte hingegen mit Kursgewinnen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sprang im frühen Handel über 130 Punkte. Im Nachmittagshandel sorgten überraschend schwache US-Konjunkturdaten für weiteren Auftrieb und der Bund-Future erreichte ein Tageshoch 130,27 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,559 Prozent.

Methodik
Für ihre Einstufungen verwendet Moody’s einen Buchstabencode: Die Skala beginnt mit der Bestnote Aaa (Englisch: «Triple A»). Es folgen Aa, A, Baa, Ba, B, Caa, Ca, C. Zudem werden die Ratings jeweils mit Zahlen von eins bis drei unterteilt. Aa1 ist also besser als Aa2. Ab der Note Ba1 beginnt der spekulative Bereich, der auch «Ramsch» (englisch: «Junk») genannt wird. Die Skala reicht bis C – das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Die beiden anderen Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch verwenden leicht abgewandelte Buchstabencodes.

Moody’s-Drohung ist schlechte Nachricht
Die spanische Regierung hat am Freitag die von Moody’s angedrohte Herabstufung der Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten südeuropäischen Landes als eine «schlechte Nachricht» bezeichnet. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado betonte jedoch in einem ersten Kommentar, dass Moody’s «lediglich» eine Überprüfung der mit «AA2» bewerteten Bonität Spaniens angekündigt habe. Diese Revision solle erst in drei Monaten erfolgen. Salgado sagt dem spanischen Rundfunksender «Onda Cero», dass wichtigste sei, dass die Ratingagentur die Bonität weiter mit «AA2», der dritthöchsten Stufe, bewerte. Aufgrund einer stärkeren Anfälligkeit wegen hoher Finanzierungskosten hatte Moody’s den Ausblick der spanischen Kreditwürdigkeit als negativ eingestuft.

«Rummel» um Finanzprobleme in spanischen Regionen
Die Ministerin meinte weiter, die Drohung der Ratingagentur habe mit dem «Rummel» der letzten Tage um die Finanzprobleme einiger spanischer Regionen zu tun. Salgado betonte, dass Moody’s der zentralen Verwaltung in Madrid «deutlich» bescheinigt habe, dass sie mit der Steuerkonsolidierung «auf dem richtigen Weg» sei. Spanien hat nach Überzeugung der Finanzministerin wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Zudem profitiere die spanische Wirtschaft von ihrer starken Exportkapazität. (awp/mc/upd/ps)

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