Nach Milliarden-Busse: CS mit Reinverlust von 700 Mio Franken

Brady Dougan
Blooberg & Bernhard Bauhofer Credit Suisse

CS-CEO Brady Dougan. (Foto: CS)

Zürich – Der US-Steuerstreit hat der Credit Suisse (CS) im zweiten Quartal 2014 einen hohen Verlust beschert. Operativ schnitt das Investment Banking (IB) besser ab als von den Analysten erwartet, das Private Banking hingegen weniger gut. Derweil treibt die CS den Umbau des Konzerns voran. Der Rohstoffhandel soll abgewickelt werden und bis dahin neu unter den nicht-strategischen Einheiten erfasst werden. Das Geschäftsumfeld im dritten Quartal bezeichnete Finanzchef David Mathers bisher als unverändert.

Die Grossbank weist für die Monate April bis Juni einen Konzernverlust von 700 Mio CHF aus, verglichen mit einem Gewinn von 859 Mio im Vorquartal respektive 788 Mio im Vorjahr. Auf Vorsteuerebene liegt der Verlust bei 370 Mio. Im sogenannten strategischen Geschäft, auf das sich die Bank in Zukunft konzentrieren will, wurde ein Vorsteuergewinn von 1’767 Mio CHF erreicht, wie die CS am Dienstag mitteilte. Die Gesamterträge des Konzerns lagen mit 6’433 Mio über den Markterwartungen.

Der Reinverlust enthalte die angekündigte Belastung in Höhe von 1,6 Mrd CHF aufgrund der abschliessenden Einigung mit den US-Behörden im Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden US-Geschäft, sagte CFO Mathers an einer Telefonkonferenz am Dienstag.

Dougan: Verstehe Frustration der Mitarbeitenden sehr gut
Credit-Suisse-Chef Brady Dougan erklärte vor den Medien in Zürich, er könne die Enttäuschung jener CS-Mitarbeiter verstehen, deren Namen wegen des Steuerstreits den US-Behörden bekannt gegeben würden. «Ich verstehe sehr gut, dass diese Mitarbeiter frustriert sind», so Dougan. Anfang Juli hatte die CS über 1’000 Mitarbeitern in einem Brief mitgeteilt, dass deren Namen offengelegt würden. Betroffen sind etwa Angestellte, die früher für US-Kunden Zahlungsanweisungen ausführten.

Es seien aber über 100 Schweizer Banken, die ihre Angelegenheiten mit den USA regeln müssten, sagte Dougan. Die Offenlegung der Namen sei Teil des Abkommens zwischen der Schweiz und den USA vom letzten Jahr zur Beilegung des Konflikts und betreffe alle Banken der Kategorien 1 und 2. Der Steuerstreit wurzle in Problemen, die vor vielen Jahren entstanden seien, sagte Dougan weiter: «Am Ende des Tages müssen wir da durch, um es hinter uns zu bringen.»

«Bedauere Angelegenheit und übernehme Verantwortung»
Dougan erklärte weiter, dass er die Angelegenheit sehr bedaure und die volle Verantwortung dafür übernehme. Verantwortung übernehmen bedeute für ihn dabei, die Missstände zu korrigieren und die rechtlichen Implikationen zu lösen. «Das haben wir gemacht», so Dougan. Das CS-Management habe sein Bestes getan, um die US-Angelegenheit zu lösen, machte er klar und wies dabei erneut darauf hin, dass das heutige Management zum Zeitpunkt, als die Missstände geschehen seien, nicht in der Verantwortung gestanden habe.

Investmentbanking übertrifft die Erwartungen
Das Investment Banking der Credit Suisse übertraf im 1. Semester mit einem Vorsteuergewinn von 752 Mio CHF die Erwartungen. Das Ergebnis spiegele eine rege Emissionstätigkeit, anhaltend starke Entwicklung im Geschäft mit Kredit- und verbrieften Produkten sowie eine verbesserte Kapitaleffizienz, hiess es von der CS. Der guten Entwicklung in bestimmten Bereichen des Anleihengeschäfts und im Emissionsgeschäft hätten ein durch schwierigere Handelsbedingungen geprägtes Aktiengeschäft und eine anhaltend schwache Entwicklung im Bereich Global Macro Products gegenübergestanden.

Ausstieg aus dem Rohstoffhandel
Alle drei Bereiche des Makro-Geschäft – Zins, Devisen und Rohstoffe – seien ungünstigen Marktbedingungen ausgesetzt, so Finanzchef Mathers. Man habe damit im laufenden Jahr bis dato kein Geld verdient, erklärte der CFO. In der Konsequenz sei beschlossen worden, das Makro-Geschäft weiter umzubauen und aus dem Rohstoffhandel auszusteigen. Der ohnehin relativ kleine Bereich verzeichnet laut Mathers weiter abnehmende Geschäftstätigkeit. Mit Abschluss der Massnahmen im Makro-Geschäft soll eine Kostenreduktion von 200 Mio USD, einen Abbau der risikogewichteten Aktiven um 8 Mrd USD und eine Reduzierung des Leverage Exposure um 25 Mrd USD erreicht werden.

Private Banking: Erfreuliche Entwicklung des Kundengeschäfts
Im Private Banking (PB&WM), wo sich auch die US-Busse niederschlägt, erwirtschaftete die CS einen Vorsteuerverlust von 749 Mio CHF (VQ 1’012 Mio). Im zweiten Quartal sei entscheidend gewesen, den US-Steuerstreit hinter sich zu bringen, sagte CEO Brady Dougan. Dessen ungeachtet habe sich das Kundengeschäft erfreulich entwickelt, sagte er laut Mitteilung. «Dank des anhaltenden Vertrauens und der Unterstützung unserer Kunden haben sich die Auswirkungen der Einigung auf unser Geschäft in engen Grenzen gehalten.»

Durch eine weitere Steigerung der Kosteneffizienz konnte das Aufwand-Ertrag-Verhältnis im strategischen Geschäft im ersten Halbjahr auf 68% nach 71% im ersten Halbjahr 2013 verbessert werden. Die Bruttomarge betrug Ende des zweiten Quartals 2014 99 Basispunkte, womit sie sich im Vergleich zum Vorquartal um 5 BP verringerte. Der Rückgang der Bruttomarge im Bereich Wealth Management Clients sei auf den Anstieg der verwalteten Vermögen, eine Verschiebung in der Zusammensetzung der Kundenbasis, tiefere gebührenabhängige Erträge und einen leicht tieferen Zinserfolg zurückzuführen, so die CS.

Neugelder im Umfang von über 10 Mrd Franken
Im zweiten Jahresviertel flossen der Division insgesamt neue Kundengelder im Umfang von netto 10,1 Mrd CHF zu; im strategischen Geschäft waren es 11,8 Mrd, womit die Analystenerwartungen übertroffen wurden. Per Ende Juni verwaltete der Konzern Vermögen von total 1’330 Mrd verglichen mit 1’293 Mrd per Ende März 2014.

Keine neuen Aussagen zu erwarteter Dividende
Wegen der Busse an die US-Behörden sank die Quote des harten Eigenkapitals per Ende Juni um 50 Basispunkte zum Vorquartal auf 9,5%. Bis Ende 2014 dürften die angestrebten 10% überschritten werden, bekräftigte die CS ihre bisherigen Aussagen. Bei Erreichen des Ziels hält das Management daran fest, 50% des Gewinns an die Aktionäre auszuschütten. Was das für den absoluten Betrag der Dividende bedeutet, sei noch abhängig von der Performance in der zweiten Jahreshälfte. Bislang sieht sich die Bank im dritten Jahresviertel einem unveränderten Umfeld ausgesetzt.  (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.