«Oxi» oder «Nai»: Griechenland stimmt über Sparkurs ab

Alexis Tsipras

Ministerpräsident Tsipras richtet nach seiner Stimmabgabe das Wort an die Medien. (Screenshot)

Athen – Das Referendum in Griechenland über die Reform- und Spar-Vorschläge der internationalen Geldgeber ist am Sonntag ohne nennenswerte Zwischenfälle angelaufen. Vielen Griechen gilt die Volksabstimmung als Entscheidung über einen Verbleib ihres Landes in der Eurozone.

Es gebe landesweit keine Probleme bei der Stimmabgabe, teilte das Innenministerium in Athen mit. In einzelnen Wahlbüros im Grossraum Athen hätten anfangs die Umschläge für die Stimmzettel gefehlt, aber das Problem sei rasch behoben worden. Knapp zehn Millionen Griechen können seit 7.00 Uhr (Ortszeit, 6.00 Uhr MESZ) darüber abstimmen, ob sie im Gegenzug für weitere Finanzhilfen die Spar- und Reformauflagen der internationalen Geldgeber akzeptieren. Nach Umfragen wurde ein sehr knappes Ergebnis erwartet.

Das Ergebnis der kurzfristig angesetzten Volksabstimmung dürfte ein wichtiges Signal für die künftige Kooperation des von der Staatspleite bedrohten Landes mit den internationalen Geldgebern setzen. Es ist aber offen, ob es weitere Verhandlungen gibt.

Tsipras: «Sieg der Demokratie»
Die wichtigsten Politiker des Landes gaben am Morgen ihre Stimmen ab. Ministerpräsident Alexis Tsipras bezeichnete die Abstimmung als einen Sieg der Demokratie. «Man kann den Willen einer Regierung ignorieren, aber nicht den Willen eines Volkes», sagte der linke Regierungschef. Er hatte dafür geworben, die Forderungen der Gläubiger abzulehnen. Der mit einem weissen Hemd und grauer Hose bekleidete linke Politiker gab seine Stimme in einer Schule seines Wohnviertels Kipseli im Norden der griechischen Hauptstadt ab.

Der konservative Oppositionsführer Antonis Samaras sagte: «Wir Griechen entscheiden heute über das Schicksal unseres Landes. Wir sagen ja zu Griechenland und ja zu Europa.» Die Forderungen der Geldgeber, über die die Griechen abstimmten, gehörten zu einem Hilfspaket, das am 30. Juni ausgelaufen und damit überholt ist.

«Ja» und «Nein» halten sich die Waage
Die Wahlberechtigten können bis um 18.00 Uhr MESZ ihre Stimme abgeben, erste aussagekräftige Ergebnisse werden später am Abend gegen 20.00 Uhr MESZ erwartet. Letzten Umfragen zufolge sind die Griechen fast gleichmässig geteilt zwischen «Ja» und «Nein».

«Ich stimme mit ‹Nein›, weil ich denke, dass das besser für das Land ist», sagte der 80-jährige Michelis vor einem Wahllokal in Athen. «Wenn wir mit ‹Nein› stimmen, nehmen sie uns ernster», sagte er. Die 61-jährige Theodora sagte dagegen, sie stimme mit «Ja», weil dies ein «Ja» zur EU sei. Andere Wähler waren bis zur Stimmabgabe noch unentschieden. «Normalerweise weiss ich immer genau, wie ich wähle, aber momentan ist es so schwierig. Wir haben Angst. Ich weiss nicht, wie ich mich entscheiden soll», sagte eine Anhängerin der Regierungspartei Syriza. (awp/mc/pg)

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