Pensionskassen profitieren 2014 von guter Lage an Börsen

Pensionskassen profitieren 2014 von guter Lage an Börsen
(Bild: © DOC RABE Media - Fotolia.com)

(Bild: © DOC RABE Media – Fotolia.com)

Zürich – Ein starkes Aktienjahr 2014 bescherte den schweizerischen Pensionskassen erfreuliche Renditen und eine befriedigende bis gute Finanzierungssituation. Eine Herausforderung stellt für die Kassen das gegenwärtige Negativzinsumfeld dar, wobei lediglich 22 Prozent ihre Anlagestrategie aktuell anpassen wollen. Dies zeigt die Swisscanto-Umfrage „Schweizer Pensionskassen 2015“ bei 437 Vorsorgeeinrichtungen. Die Ergebnisse wurden am 19. Mai 2015 von Swisscanto und der Zürcher Kantonalbank präsentiert.

Die in der Umfrage erfassten Schweizer Pensionskassen weisen per Ende 2014 eine befriedigende bis gute Finanzierungssituation auf. Die Deckungsgrade der privatrechtlichen Kassen erreichten Ende 2014 vermögensgewichtet 113,6 Prozent (Vorjahr 110,3 Prozent), jene der öffentlich-rechtlichen mit Vollkapitalisierung, ohne Staatsgarantie 103,5 Prozent (Vorjahr 100,7 Prozent). Für die privatrechtlichen Kassen liegt der Wert damit nahe an der angegebenen Zielgrösse von 116 Prozent. Die Kassen mit Teilkapitalisierung weisen Deckungsgrade von 83,6 Prozent (Vorjahr 74,6 Prozent) aus.

Ausschlaggebend für die Steigerung war das starke Aktienjahr 2014 mit 12 Prozent Kursgewinnen bei Schweizer Aktien und über 25 Prozent bei US-Aktien in Schweizer Franken. Hinzu kamen Kursgewinne bei Obligationen, insbesondere US-Bonds. 90 Prozent der erzielten Anlagerenditen lagen laut Umfrage zwischen 5 und 9,9 Prozent.

Tiefe Zinsen zwingen zu höheren Risiken
Um die Zielrendite zu erreichen, müssen die Kassen indes zusehends höhere Risiken eingehen. Die Differenz zwischen der risikolosen Rendite mit 10-jährigen Bundesobligationen und der Zielrendite hat sich seit 2007 von 1,8 auf 3,5 Prozentpunkte ausgeweitet. Wegen gesetzlicher Vorschriften und dem Risikomanagement der Vorsorgeeinrichtungen kommen risikobehaftete Anlagen nur bedingt in Frage. In der aktuellen Zinssituation wollen deshalb nur 22 Prozent der Umfrageteilnehmer Verschiebungen im Anlageportefeuille vornehmen. Die Entwicklung der Asset Allocation im Jahr 2014 lässt zudem erkennen, dass die Kassen auf breiter Front ein Rebalancing vornehmen und die Aktienbestände limitieren.

Markante Senkung von technischen Zinsen und Sollrenditen
Den Vorsorgeeinrichtungen ist es gelungen, die durch die Finanzkrise 2008 entstandenen Einbussen am Kapitalmarkt weitgehend auszugleichen und nahezu den Deckungsgrad von 2007 zu erreichen. Dies ist bemerkenswert, weil die technischen Zinsen im gleichen Zeitraum markant gesenkt wurden. Die privaten Kassen verringerten den Satz im Mittel von 3,5 auf 2,8 Prozent, die öffentlichen von 3,7 auf 2,9 Prozent. Das hat eine um rund 30 Prozent tiefere Sollrendite zur Folge, die zur Beibehaltung des jeweiligen Deckungsgrads notwendig ist. Die Vorsorgeeinrichtungen haben damit im derzeitigen Niedrigzinsumfeld viel zur Sicherung der künftigen Leistungen vorgekehrt. Die Senkung der technischen Zinsen seit 2007 hat die Kassen rund 18 Mrd. Franken gekostet.

Knapp zwei Drittel der öffentlichen Kassen weisen laut Umfrage einen technischen Zinssatz von 3 Prozent auf, 17 Prozent liegen darüber. Bei den privaten sind es lediglich 38 Prozent mit einem Satz von 3 Prozent. 13 Prozent arbeiten mit höheren Sätzen. Aktuell liegt der Referenzzinssatz gemäss Kammer der Pensionskassenexperten bei 3 Prozent, eine Senkung ist allerdings absehbar.

Umwandlungssatz nahe Zielvorgabe von „Altersvorsorge 2020“
Die Reduktion des technischen Zinssatzes ist Hauptgrund für die Senkung des Umwandlungssatzes. Dieser ist seit der Umfrage im Jahr 2002 von durchschnittlich 7,1 auf 6,2 Prozent zurückgegangen. Damit liegt er schon heute nahezu bei den 6 Prozent, die der Bundesrat im Rahmen des Projekts „Altersvorsorge 2020“ als Mindestgrösse vorsieht. Die jüngsten Entscheide grosser Pensionskassen, den Umwandlungssatz weiter zu reduzieren, lassen erahnen, dass der Trend anhalten wird. Die Umfrageteilnehmer erachten einen Mindestumwandlungssatz von 5,7 Prozent für die „Altersvorsorge 2020“ als angemessen.

Befriedigende Kostenlage
Die in der Umfrage ermittelten Gesamtkosten für Administration und Vermögensverwaltung pro Destinatär weisen einen Medianwert von 1060 Franken auf, mit Höchstwerten von 1150 Franken für kleine Kassen von weniger als 250 Destinatären und rund 750 Franken für die grossen Einrichtungen bei 10 000 und mehr Versicherten, die von Skaleneffekten profitieren. Die Vermögensverwaltung schlägt mit durchschnittlich 0,54 Prozent der verwalteten Vermögen zu Buche.

Auswirkungen der Negativzinsen
Stark betroffen sind die Pensionskassen von der Einführung der Negativzinsen als Massnahme der aktuellen Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Forderung der Vorsorgeeinrichtungen nach Ausnahmeregelungen lehnt die SNB ab. Die Betroffenheit der Kassen wird durch die Banken und das Ausmass der Weitergabe der Negativzinsen an die Pensionskassen bestimmt. Die Zürcher Kantonalbank etwa sieht bei langjährigen und stabilen Kundenbeziehungen von einer Erhebung der Negativzinsen bis zu einem gewissen Freibetrag ab. Die Zinsprognosen deuten gegenwärtig darauf hin, dass die kurzfristigen Sätze innert Jahresfrist im negativen Bereich verharren werden. Dies gilt auch für die 10-jährigen Bundesobligationen. Der Schweizer Franken dürfte angesichts der Politik der Europäischen Zentralbank weiterhin zur Stärke tendieren, so dass auf längere Sicht mit Negativzinsen zu rechnen ist. Trifft dies ein und wird die SNB die Negativzinsen weiter verschärfen, werden die Finanzinstitute nicht darum herumkommen, die Pensionskassen stärker zu belasten. (Swisscanto/mc/ps)

Umfrage bei 437 Pensionskassen  
An der aktuellen Umfrage „Schweizer Pensionskassen 2015“ haben 437 Pensionskassen (Vorjahr 370) teil-genommen. Deren Vermögen beträgt 560 Mrd. Franken (Vorjahr 506 Mrd. Franken). Die teilnehmenden Kassen umfassen insgesamt 3 Mio. Versicherte, davon rund 2,2 Mio. Aktive und 800‘000 Rentenbezüger. Die Umfrage deckt damit rund zwei Drittel der schweizerischen Vorsorgeeinrichtungen ab. Sie liefert für viele Bereiche der zweiten Säule wertvolle Zeitreihen zu wichtigen Kenngrössen, die die aktuelle Lage der beruflichen Vorsorge in der Schweiz illustrieren. Die Swisscanto befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Zürcher Kantonalbank.

Detail-Auswertung  
Detaillierte Resultate sind ab sofort unter www.swisscanto-pk-studie.ch abrufbar. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.