Banken: Wachstumspotenzial liegt im Private Banking

Claude-Alain Margelisch

Claude-Alain Margelisch, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SBVg.

Zürich – Die Schweizer Banken stehen aufgrund der Diskussionen bezüglich unversteuerter Vermögen und neuer Regulierungsvorschriften unter massivem Druck. Ihre Perspektiven sind aber keineswegs hoffnungslos und ihre Position im globalen Bankgeschäft kann in Zukunft gar noch gestärkt werden, zeigt sich die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) überzeugt. Die stärksten Wachstumschancen für die Branche sieht die SBVg dabei im Private Banking, aber auch im Rohstoffhandel und im Asset Management.

«Wir gehen davon aus, dass die Erträge in den fünf Geschäftsfeldern Private Banking, Privat- und Firmenkundengeschäft, Asset Management und Investmentbanking bis 2015 um 5,3 Mrd auf insgesamt 64 Mrd CHF steigen», zeigte sich Claude-Alain Margelisch, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SBVg, anlässlich einer Medienkonferenz am Montag überzeugt.

«Moderat optimistisches» Wachstumsszenario
Mit diesem Wachstumsszenario «sind wir moderat optimistisch», ergänzte Peter Damisch, Partner und Managing Director von Boston Consulting Group. Dessen Gesellschaft hat in Zusammenarbeit mit der Bankiervereinigung die am Montag vorgestellte Studie «Banking im Wandel- Zukunftsperspektiven für Banken in der Schweiz» verfasst. In diesem Basisszneario wird gemäss Damisch für den gewichtigsten Bereich, das Private Banking, ein durchschnittliches jährliches Wachstum (CAGR) von 1,5% veranschlagt. Für das Privatkundengeschäft wird mit einem Plus von 1,4%, im Firmenkundengeschäft mit 1,9% und im Asset Management und dem Investmentbanking von 2,8% respektive 4,6% kalkuliert.

Erschliessen neuer Opportunitäten
Daneben ortet Damisch durch das Erschliessen von neuen Opportunitäten ein zusätzliches Ertragspotenzial bis 2015 von insgesamt 4,8 Mrd CHF. Davon dürften allein 2,5 Mrd CHF auf das Private Banking entfallen. Dort dürfte es zwar zu einer Abnahme bei den aus Westeuropa und Nordamerika in der Schweiz angelegten Vermögen kommen. Zuflüsse sind indes in den Emerging Marktes zu erwarten. Darüber hinaus biete sich ein Ausbau der Ertragsbasis im Geschäft mit den sehr vermögenden Kunden, den sogenannten Ultra High Net Worth Individuals, an, zeigen sich die Verfasser der Studie überzeugt.

Zuwachspotenzial im Schweizer Asset Management

Das zweithöchste Zusatzpotenzial (0,9 Mrd CHF) spricht Damisch dem Schweizer Asset Management zu. Ausser im Dachfondsgeschäft für Hede Fonds sei die Schweiz noch kein international relevanter Asset Management-Standort, sagte Damisch. Die Schweiz verfüge aber über einen starken Talentpool, um seine Position auszubauen. Beim Rohstoffhandel gelte es wiederum, vom substanziellen Wachstum des Geschäfts, das bereits heute in der Schweiz betreiben werde, zu profitieren. Zum andern müsse versucht werden, den ausländischen Banken, die dieses Geschäft heute dominieren, Marktanteile abzunehmen.

Anhaltender Margendruck
Nicht sämtliche Banken sollten alle Opportunitäten nutzen, sagte Damisch weiter. Es gehe nicht darum, «dass Bank A der Bank B Marktanteile wegnehmen.» Die anspruchsvolleren Rahmenbedingungen würden im Gegenteil vielfach eine stärkere Fokussierung erfordern, ergänzte er. Insgesamt sind gemäss dem Boston-Consulting-Partner die Schweizer Banken trotz Margeneroison auch in Zukunft in der Lage, in allen Bereichen ein moderates Volumenwachstum zu generieren. Der anhaltende Margendruck werde allerdings dazu führen, dass das Kostenbewusstsein und die Gewinnerwartungen angepasst werden müssten. Das werde auch dazu führen, dass die Banken in bestimmten Bereichen, wie der Infrastruktur, verstärkt zusammenarbeiten müssten, ergänzte Margelisch.

Neue regulatorische Anforderungen kosten
Schuld am Kostenschub sind gemäss Margelisch neben der Steigerung der Produkte- und Servicequalität auch neue regulatorische Anforderungen. Bei der Gestaltung der Zukunft des Finanzplatzes müsse deshalb das Augenmerk auch auf wettbewerbspolitischen Aspekten liegen. Auf regulatorischer Seite müsse dem Grundsatz der Wahrung der Standortattraktivität, unter Sicherstellung von stabilen Rahmenbedingungen, nachgelebt werden. Eine Stärkung des Bankenplatzes beinhalte dabei auch die dezidierte Abschaffung von regulatorischen Wettbewerbsnachteilen gegenüber anderen Bankenplätzen wie beispielsweise die Abschaffung der Stempelsteuer, so Margelisch. (awp/mc/upd/ps)

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