Presse: Unicredit und Société Générale spielen Fusion durch

Presse: Unicredit und Société Générale spielen Fusion durch
Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier. (Foto: Unicredit)

London – Die italienische Grossbank Unicredit und die französische Société Générale (SocGen) erwägen einem Bericht zufolge eine Fusion. Der aus Frankreich kommende Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier liebäugele schon seit mehreren Monaten mit der Idee, sich mit der SocGen zusammenzuschliessen, berichtete die «Financial Times» (FT/Montag) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Und auch auf Seiten der französischen Grossbank sei das Szenario durchgespielt worden. Die Verhandlungen seien aber noch in einem sehr frühen Stadium und es habe noch keinen formellen Vorstoss gegeben.

Es gebe im Verwaltungsrat aktuell keine Diskussion über einen möglichen Zusammenschluss, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag aus einer gemailten Stellungnahme der SocGen. Bei Unicredit war zunächst niemand zu erreichen.

Zudem belaste die instabile politische Lage in Italien – aus diesem Grund sei der Zeitplan für eine mögliche Fusion um 18 Monate aufgeschoben worden. Aktuell wäre es gemessen am Börsenwert ein Zusammenschluss praktisch auf Augenhöhe: Die Unicredit wird derzeit mit rund 33 Milliarden Euro bewertet, die SocGen kommt auf 30 Milliarden Euro. Sollte es zu der Fusion kommen, könnte dies der Startschuss für eine bereits seit langem erwartete Fusionswelle im europäischen Bankensektor sein. Dieser hinkt nach der Finanzkrise unter anderem wegen der starken Zersplitterung hinter der Entwicklung in Asien und USA her.

So stehen die europäischen Banken rund zehn Jahre nach der Finanzkrise zumeist deutlich schwächer da als die Konkurrenten in den Vereinigten Staaten und Asien. Neben der nach wie vor starken Aufteilung des Marktes in Europa spielen auch andere Gründe wie ein zögerlicheres Handeln der europäischen Regierungen in der Finanzkrise eine Folge – es gibt aber auch viele hausgemachte Fehler wie zum Beispiel bei der Deutschen Bank, die sich viel später als die meisten Konkurrenten auf die neuen Zeiten für die Branche eingestellt hat.

Aus diesem Grund wird in Deutschland auch immer wieder über eine sogenannte «Notfusion» zwischen der Deutschen Bank und der immer noch teilverstaatlichten Commerzbank spekuliert. Zuletzt hatte es hier im Sommer 2016 Kontakte gegeben. Die Führungsspitzen haben diese Annäherungsversuche jedoch wegen der vielen eigenen Problemen in den jeweiligen Häusern wieder bald beendet. Die Lage hat sich für die beiden Institute nicht gerade gebessert – bei der Deutschen Bank hat sich diese sogar weiter verschärft.

Passend dazu musste Bankchef John Cryan im April übereilt das Haus verlassen und sein Nachfolger Christian Sewing kämpft mit einem massiven Vertrauensverlust der Investoren und einer Reihe schlechter Nachrichten. So sah er sich am Freitag vergangener Woche dazu genötigt, die Stärke der Finanzen seines Hauses zu betonen. Die Bank ist nach einem Kursrutsch der vergangenen Wochen an der Börse gerade mal noch rund 19 Milliarden Euro wert. Da der Commerzbank-Kurs in den vergangenen Wochen ebenfalls deutlich nachgegeben hat, kommt diese auf gerade mal etwas mehr als elf Milliarden Euro.

Fusion Deutsche Bank mit Commerzbank würde deren Probleme nicht lösen
Beide Häuser sind also zusammen also gerade mal so viel wert wie die Unicredit oder SocGen alleine. Dies zeigt sinnbildlich Aussagen von Experten und Analysten, dass ein Zusammenschluss der beiden Häuser die Probleme nicht löst und schon gar kein europäischer Champion entstehen würde. In Deutschland ist die Lage für die beiden börsennotierten Geschäftsbanken noch mal schwieriger als in den meisten anderen Ländern, da der Privatkundenmarkt hierzulande von den Sparkassen und dem Genossenschaftsbanken dominiert wird.

Aber auch die meisten anderen europäischen Grossbanken sehen im internationalen Vergleich eher schlecht aus. So gibt es in Europa nur wenige Institute, die gut dastehen, wie zum Beispiel die stark in Asien präsente HSBC oder die spanischen Häuser BBVA und Santander, die ein starkes Standbein in Mittel- und Südamerika haben. Auch die BNP Paribas gilt als gut aufgestellt. Für die anderen Häuser gibt es immer wieder Spekulationen über bald anstehende Fusionen.

So hatte die britische Grossbank Barclays einem «FT»-Bericht im Mai zufolge eine mögliche Übernahme des Konkurrenten Standard Chartered durchgespielt. Dies sei Teil von weitreichenden Strategieüberlegungen gewesen, die die Bank auf Druck eines aktivistischen Investors durchgegangen sei, hatte «FT» berichtet. Bei diesen Gedankenspielen habe der Verwaltungsratsvorsitzende John McFarlane eine mögliche Kombination mit der vor allem in Asien und Afrika stark vertretenen Standard Chartered favorisiert.

Er sei von Gerry Grimstone, der im Aufsichtsgremium für die internationalen Geschäfte zuständig ist, unterstützt worden. Es habe auch Gespräche zwischen Vertretern der beiden Banken gegeben, aber weder einen formellen noch informellen Vorstoss mit konkreten Zahlen. Standard Chartered ist an der Börse derzeit etwas mehr als 25 Milliarden Pfund (28,5 Mrd Euro) wert – Barclays kommt auf eine Marktkapitalisierung von zirka 35 Milliarden Pfund.

Dem «FT»-Bericht zufolge ist die mögliche Übernahme der Standard Chartered eine von vielen Ideen des als aktivistisch bekannten Investors Edward Bramson, der seit März über seinen Fonds Sherborne Investors mit knapp fünf Prozent der Aktien einer der grössten Anteilseigner von Barclays ist. Neben möglichen Fusionsszenarien gehörten unter anderem weitere Kürzungen im Kapitalmarktgeschäft zu seinen Forderungen. (awp/mc/ps)

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