Schweizer Privatversicherer in unsicheren Zeiten solide aufgestellt

Schweizer Privatversicherer in unsicheren Zeiten solide aufgestellt
Urs Arbter, Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV. (Bild: SVV)

Zürich – Die Schweizer Privatversicherer sind in einem nach wie vor unsicheren Marktumfeld solide aufgestellt. Sie wachsen vor allem im Nichtlebengeschäft stetig. In der Lebensversicherung hingegen hofft die Branche, dass die Reform der Beruflichen Vorsorge gelingt.

Die Branche habe die unerwarteten Entwicklungen im Zuge der Pandemie oder des Ukraine-Kriegs bislang sehr gut gemeistert, erklärte der abtretende Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV), Rolf Dörig, am Dienstag vor den Medien. Diesen Sommer wird er das Amt nach sechs Jahren an einen Nachfolger übergeben, der noch nicht bekannt ist.

Die Privatversicherer beschäftigen schweizweit rund 50’000 Mitarbeitende, sind mit Solvenzquoten von zumeist 200 Prozent und mehr solide aufgestellt und tragen (inkl. Sozialversicherungen) knapp 4 Prozent zur Bruttowertschöpfung des Landes bei. Vor allem aber leiste die Branche einen wichtigen Beitrag, um die Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, sagte Dörig.

Wachstum im Nichtlebengeschäft
Und das Geschäft wächst, zumindest in der Nichtlebensversicherung. Da stiegen die Prämieneinnahmen im Jahr 2022 laut Hochrechnungen des SVV um 3,0 Prozent auf 15,2 Milliarden Franken. Damit sei sogar das langjährige, durchschnittliche Wachstum von gut einem Prozent übertroffen worden, erklärte SVV-Direktor Urs Arbter.

Erneut gut gewachsen ist die Feuer-, Elementar- und Sachversicherung (+8,3%). Gründe seien der grösser werdende Bestand an Immobilien sowie höhere Versicherungssummen. Von Preisdruck geprägt bleibt die Motorfahrzeugversicherung (+0,3%), vor allem im Haftpflichtteil (-0,9%). Dagegen führten vermehrtes Leasing und teurere Fahrzeuge im Kaskogeschäft zu einem Plus von 1,2 Prozent.

Durchzogenes Lebengeschäft
Die Lebensversicherungen hatten in den letzten Jahren unter den Tiefstzinsen gelitten, was den Absatz von Produkten mit Zinsgarantien erschwerte. Das kommt besonders im Kollektivlebenteil, wo Firmen Vorsorgelösungen für die Mitarbeitenden abschliessen, zum Ausdruck. Im Jahr 2022 sanken da die Einnahmen um 1,9 Prozent auf 15,4 Milliarden Franken.

Eine zusätzliche Belastung für die Volumen in der Beruflichen Vorsorge stellt der Wechsel vieler Firmen in teilautonome Lösungen dar. In solche Stiftungen einbezahlte Vermögenswerte fliessen zu grossen Teilen nicht in die Rechnungen der Versicherungsgesellschaften.

Im Einzelleben liess die gute Nachfrage nach anteilsgebundenen Lösungen das Volumen um 2,5 Prozent auf 7,6 Milliarden Franken ansteigen. Die Einnahmen im gesamten Lebengeschäft blieben derweil mit 23,0 Milliarden Franken leicht unter Vorjahr.

«Schweiz braucht BVG-Reform»
Die Schweiz brauche eine auf Jahre hinaus gesicherte Altersvorsorge auf drei Säulen, ist Dörig überzeugt. Und nachdem ein erster Reformschritt für die AHV gelungen sei, gehe es nun darum, die BVG-Reform mit einer Senkung des Umwandlungssatzes auf 6 Prozent im Kern durch die anstehenden Parlamentsdebatten und eine allfällige Volksabstimmung zu bringen.

Weiter umtreibt die Branche die Inflation, die laut Allianz Suisse-Chef Ruedi Kubat die Schadenszahlungen stark ansteigen lässt und zumeist nur mit Verzögerung durch Tariferhöhungen adressiert werden kann. Derweil bieten steigende Zinsen laut Kubat sowohl beim Verkauf von Lebensversicherungen als auch bei der Neuanlage von Vorsorgevermögen Chancen.

In der Branche werden auch die Rufe nach gesamtheitlichen Lösungen mit staatlicher Partnerschaft etwa zu Erdbeben- und Pandemierisiken sowie zu Cybergefahren lauter. Allerdings scheint ein Durchbruch betreffend sogenannten «Public Private Partnerships» noch in weiter Ferne zu sein. (awp/mc/ps)

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