Raiffeisen erzielt 2015 Rekordgewinn von 808 Mio CHF

Patrik Gisel
Patrik Gisel, zurückgetretener Raiffeisen-CEO. (Foto: Raiffeisen)

Raiffeisen-CEO Patrik Gisel. (Foto: Raiffeisen)

St. Gallen – Die Raiffeisen-Gruppe hat 2015 Geschäftserfolg und Gruppengewinn gesteigert. Alle Ertragspositionen stiegen dabei deutlich an und im Hypotheken-Geschäft wuchs die drittgrösste Schweizer Bankengruppe erneut überdurchschnittlich. Für das laufende Jahr gibt sich die Bankleitung unter dem neuen CEO Patrik Gisel angesichts der mässigen Konjunkturperspektiven zurückhaltend.

Der Geschäftserfolg im Berichtsjahr stieg «trotz eines sehr anspruchsvollen Marktumfeldes» um 5,9% auf 943 Mio CHF, wie das Management am Freitag vor der Presse in Zürich nicht ohne Stolz verkündete. Unter dem Strich verblieb mit 808 Mio CHF (+6,4%) ein neuer Rekordgewinn. Dazu beigetragen hat zwar auch ein Teilverkauf der Leonteq-Beteiligung. 30 Mio der 48 Mio an zusätzlichem Gewinn seien aber aus dem operativen Geschäft erzielt worden, so Konzernchef Gisel.

Neben dem Wachstum im operativen Geschäft betonte er auch die stabile Cost-Income Ratio trotz hoher Investitionen (u.a. in IT) sowie die Diversifikation. «In den letzten Jahren hat sich Raiffeisen von einer Retailbank zu einem breit diversifizierten Finanzdienstleister entwickelt», sagte er.

Neuer Chef ist zufrieden
Zum Ertragswachstum beigetragen haben alle Positionen, wobei sich insgesamt ein Plus von 6,6% auf 3,02 Mrd CHF ergab. Das Zinsgeschäft ist dabei mit einem Anteil von 72% weiterhin klar wichtigster Ertragspfeiler. Die Zinsmarge hat sich derweil angesichts des rekordtiefen Zinsniveaus nochmals verengt und betrug letzes Jahr noch 1,12%. In den letzten fünf Jahren nahm sie damit kontinuierlich ab und stand 2015 um 26 Basispunkte tiefer als 2011.

«Ausgesprochen erfreulich» hat sich derweil das Hypothekargeschäft entwickelt. Mit einem Zuwachs von 5,2% auf 159 Mrd CHF hält Raiffeisen nun einen Marktanteil von 16,9%, wie Finanzchef Marcel Zoller aufzeigte. Gefahren sieht er deswegen nicht; dies zeigt auch der Anteil der Wertberichtigungen im Verhältnis zu den Ausleihungen, der auf sehr geringe 0,14% gesunken ist. 92% aller Hypotheken seien unter 1 Mio CHF, und die Entwicklung in den sogenannten Hot Spots, also den Regionen mit einer starken Entwicklung des Immobilienmarktes, sei stabil, so Zoller.

Durchschnitts-Haushalt
Die Raiffeisen-Hypothek widerspiegle einen soliden Durchschnitts-Haushalt, so Zoller. Trotz gestiegener Preise liege die Durchschnittshypothek im Neugeschäft mit 456’000 CHF nur rund 76’000 CHF über dem Altbestand. In den Hot Spots ist der Unterschied mit 112’000 CHF allerdings deutlich grösser, wobei die Neuhypothek hier im Durchschnitt 588’000 CHF beträgt.

Insgesamt stiegen die Kundenausleihungen um 5,0% auf 166 Mrd CHF, bei den Kundeneinlagen wurde ein Plus von 6,2% auf 150 Mrd erzielt. Und die verwalteten Kundenvermögen (AuM) stiegen um 5,3% auf 207 Mrd per Ende 2015. Der Neugeldzufluss betrug dabei 14,4 Mrd, wovon 6 Mrd aus der Übernahme der La Roche Privatbank stammen. Diese wurde letztes Jahr bekanntlich mit Notenstein zur Notenstein La Roche Privatbank fusioniert.

In diesem Zusammenhang liess CEO Gisel auch verlauten, dass man die Privatbank nicht an Vontobel verkaufen wolle. «Ein Verkauf von Notenstein La Roche steht für uns nicht zur Diskussion», sagte er dezidiert vor den Medien. Entsprechende Spekulationen waren aufgekommen, weil Raiffeisen vor kurzem ihre Zusammenarbeit mit Vontobel überraschend bis 2020 verlängert hat.

Kapitalanforderungen erfüllt
Auch beim Thema Kapitalisierung gibt sich Raiffeisen zufrieden. Mit einer Gesamtkapitalquote von 16,4% würden die Kapitalanforderungen als systemrelevante Bank übertroffen. Und auch bei der Leverage Ratio liege man mit 6,7% klar über der Vorgabe von 3,5%.

Eher vorsichtig zeigt sich die Gruppe für das laufende Jahr angesichts der durchzogenen Konjunkturperspektiven. «Es wird daher schwierig sein, das letztjährige Ergebnis wieder zu erreichen», sagte Gisel gegenüber AWP Video. Einen Fokus legt Raiffeisen auf den Ausbau des Firmengeschäftes mit KMU, das in den nächsten Jahren verdoppelt werden soll. (awp/mc/upd/ps)

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