Roman Knecht, Direktor Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, im Interview

Roman Knecht
Roman Knecht, Direktor Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft.

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Knecht, ab 2022 verkehrt auf der Limmat die erste Elektrofähre. Kostet die mehr als herkömmliche Boote?

Roman Knecht: Über den gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet, kosten die neuen Limmatboote weniger als dieselbetriebene Boote.

Welches ist der Vorteil der neuen Rumpfgeometrie der von Ihnen im ostdeutschen Strahlsund bestellten Schiffe?

Die angepasste Rumpfform soll noch effizienter sein und damit weniger Energie verbrauchen.

Wie wettbewerbsfähig wären grosse elektrische Kursschiffe?

Im Moment lassen sich für uns noch keine grossen, reine Elektroschiffe betreiben. Die Kapazitäten sind für unseren Einsatzzweck noch nicht ausreichend.

Dennoch. Wird es ganz langfristig auch auf dem Zürichsee bald einmal nur eBoote geben?

Unsere Vision ist es, dereinst eine CO2-neutrale Schifffahrt auf dem Zürichsee zu betreiben. Wann das genau sein wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Bis 2030 wollen wir den CO2-Ausstoss gegenüber 2019 schon einmal um mindestens 50 Prozent reduzieren.

«Im Moment lassen sich für uns noch keine grossen, reine Elektroschiffe betreiben.«
Roman Knecht, Direktor Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft

Masken sind Partykiller. Wieso posieren der gesamte Verwaltungsrat und die gesamte Leitung auf Ihrem neusten Geschäftsbericht dennoch mit Maske?

Die Idee ist während des Shootings entstanden: Diese Bilder veranschaulichen das Ausnahmejahr 2020 – auch wenn wir den Bericht in 30 Jahren nochmals anschauen.

Wie definieren Sie als Chef einer Schifffahrtsgesellschaft das «new normal»?

Wir sind meines Erachtens noch nicht im «new normal» angekommen. Es fehlen noch immer die Planungssicherheit und die Perspektiven über die kommenden zwölf Monate.

«Es fehlen noch immer die Planungssicherheit und die Perspektiven über die kommenden zwölf Monate.»

Der Versicherungswert Ihrer Schiffe beträgt fast 100 Millionen Franken. Zwei davon sind über 100 Jahre alt. Wurde eigentlich schon jeweils ein grosses Kursschiff verkauft?

Das ist mir nicht bekannt. Das letzte grössere Schiff, das nicht mehr im Dienst der ZSG steht, liegt in Wädenswil vor Anker.

In Altendorf Seestadt stiegen letztes Jahr nur 66 Personen aus. 2019 waren es 601. Braucht es diese Anlegestation noch?

Aufgrund des Lockdowns konnten unsere Schiffe bis zum 8. Juni 2020 nicht verkehren; auf die Fahrplanverdichtung im Juli und August haben wir mangels Touristen verzichtet. Per Dezember 2019 wurde das Fahrplanangebot angepasst und Altendorf weniger angefahren. Die Zahl ist daher mit Vorsicht zu geniessen. Generell wird das Angebot durch die Gemeinde mitbestimmt und mitfinanziert. Man kann die Haltestelle oder das Angebot hinterfragen.

Sind die Kunden, die Ihre Schiffe als Fähren benutzen, sehr preissensitiv?

Aufgrund des ZVV-Tarifes sind Schifffahrten auf dem Zürichsee vergleichsweise günstig. Im Querverkehr steht die Zeitersparnis wohl an oberster Stelle.

Ist der Unterhalt der beiden Raddampfer Stadt Rapperswil und Stadt Zürich besonders teuer?

Das kommt darauf an. Der normale Unterhalt ist günstiger als der eines Motorschiffs. Wenn wir aber ganze Bauteile ersetzen müssen, wie beispielsweise aktuell den Kolbenschieber auf der «Stadt Zürich», dann fallen diese Arbeiten vergleichsweise teuer aus, weil wir Einzelanfertigungen vornehmen lassen müssen.

Wann wird Ihres Erachtens auf dem See wieder business as usual herrschen?

Das ist aktuell vor allem eine Frage des Wetters. Bei gutem Wetter konnten wir im Juni fast an die normalen Jahre anknüpfen. Es fehlt noch die Konstanz. Und dann fehlen uns noch die Touristen, die in normalen Zeiten rund 20 Prozent unserer Frequenz ausmachen und auch bei schlechtem Wetter Schiff fahren. Wenn die Lage weiterhin stabil bleibt, können wir unser Gruppen- und Firmengeschäft wieder hochfahren. Dann ist für uns vielleicht im nächsten Frühjahr wieder von einer gewissen Normalität auszugehen.

«Bei gutem Wetter konnten wir im Juni fast an die normalen Jahre anknüpfen. Es fehlt noch die Konstanz.»

Welche neuen Angebote hat die ZSG in der Hinterhand?

Kurzfristig suchen wir nach Corona-konformen Formaten wie zum Beispiel einem Literatur-Schiff. Mittelfristig wollen wir auf jeden Fall die neuen Limmatboote in Szene setzen.


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