Saxo Bank: Die Fed schaut auf China – und Donald Trump?

John J. Hardy
John J. Hardy, Währungsexperte bei der Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

Kommentar von Von John J. Hardy, Head of FX Strategy, Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

Kopenhagen – Obwohl angesichts der Bedingungen an den Wirtschafts- und Finanzmärkten beim FOMC-Meeting der letzten Woche eher mit einer kämpferischen Zinsansage zu rechnen war, schockte die US-Notenbank die Märkte mit einer eindeutig gemässigten Erklärung, die Markterwartungen an grössere Zinserhöhungen bei den nächsten beiden Treffen klar dämpfte, und senkte ihre Prognosen bei Wachstum, Inflation und Politik.

Dieses unvermutet vorsichtige Verhalten der Fed ist erklärungsbedürftig. Eine nahe liegende Vermutung ist, dass der G20-Gipfel im Februar womöglich weitaus mehr Konsequenzen hatte, als das im Anschluss verabschiedete Kommuniqué dies vermuten liess. Manche tönten sogar, hier läge ein eindeutiger Beweis für eine globale Absprache der Geldpolitik vor, der sogenannte „Shanghai Accord“. Hinter dieser Vermutung steht der Gedanke, dass BoJ (Japanische Zentralbank) und EZB, die bei ihren letzten Treffen klar von einer weiteren, verschärften Niedrigzinspolitik Abstand genommen haben, jetzt alle Massnahmen vermeiden, die ihre Währungen bewusst weiter schwächen und einem verheerenden globalen Währungskrieg Nahrung bieten könnten, wie im G20-Kommuniqué angedeutet wurde. In der Zwischenzeit würde die US-Notenbank vermutlich auf ein zu schnelles Anziehen der Zinsschraube verzichten, um Druck von den neuen Marktwirtschaften zu nehmen, vor allem von China, das in den letzten beiden Jahren offensichtlich unter der Kopplung seiner Währung mit einem erstarkenden US-Dollar gelitten hat.

Das alles klingt sehr überzeugend, wenn auch etwas übertrieben. Diese Fragen wurden sicherlich diskutiert, es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die Zentralbanken sich hier abgesprochen haben. EZB und BoJ nehmen Abstand von der Rhetorik der Negativzinspolitik, weil die Märkte sich entschieden dagegen ausgesprochen haben, da sie die Banken zu sehr belaste und Risikoanlagen gefährde.

De-facto-«Währungsunion» USA und China
nd doch hat die amerikanische Notenbank mit dieser Sitzung eindeutig zu erkennen gegeben, dass sie sich bewusst ist, mit ihrer Geldpolitik nicht nur für die Finanz- und Wirtschaftsbedingungen in den USA, sondern auch für den US-Dollar als weltweite Leitwährung verantwortlich zu sein. Der ehemalige Fed-Chef Kocherlakota bezeichnete die US-amerikanische und die chinesische Wirtschaft kürzlich sogar als De-facto-„Währungsunion“ und meinte, die Fed müsse mit ihrem Vorgehen extrem vorsichtig sein, um den Yuan nicht weiter zu schwächen – nicht nur zum Wohle Chinas, sondern auch zum Wohle der Weltwirtschaft und damit der USA. Dieses „Taubentreffen“, um es mal so zu bezeichnen, könnte also ein Kopfnicken der Fed unter Janet Yellen in Richtung China gewesen sein, das mit einer enormen Schuldenblase zu kämpfen hat sowie mit dem schmerzhaften Prozess, Renminbi und US-Dollar zu entkoppeln, ohne dabei eine Krise auszulösen.

Darüber hinaus könnte es einen weiteren, für das Vorgehen der Fed ebenso triftigen Grund wie alle bisher genannten geben, nämlich die wachsenden Befürchtungen der Notenbank angesichts der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016. Wie genau eine Präsidentschaft Trumps aussehen könnte, ist für die Fed nicht vorhersehbar, aber als Populist würde Trump als Präsident wahrscheinlich eine populistische Breitseite gegen die Politik der US-Notenbank fahren und versuchen, Yellen 2018 durch jemanden zu ersetzen, der nicht aus den eigenen Reihen der Fed stammt. Die Fed muss alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Risiko einer Rezession im Vorfeld der Wahlen im November zu vermeiden, da Trumps von einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld mit wütenden Wählern vermutlich eher profitieren würde. (Saxo Bank/mc/ps)

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