SGKB investment views: Im September werden Weichen gestellt

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – An der Fed Konferenz in Jackson Hole Ende August ging es in erster Linie darum, wie die Dynamik der Weltwirtschaft gefördert werden kann. Vor dem Kaminfeuer dürften aber auch Gedanken ausgetauscht worden sein, wie zu einer normalen Geldpolitik ohne Geldschwemme und mit höheren Zinsen zurückgefunden werden kann, ohne an den Finanzmärkten zu viele Turbulenzen auszulösen. Von den Sitzungen der verschiedenen Zentralbanken im September erwarten die Finanzmärkte Klarheit darüber, wohin die Reise geht. Überschattet wird das Ganze durch das Damokles-Schwert eines zahlungsunfähigen US-Finanzamts.

Die EZB eröffnet am 7. September den Reigen
Von Mario Draghi wird erwartet, dass er das schrittweise Ende des EZB-Kaufprogramms ab Anfang 2018 bekanntgeben wird. Ich erwarte, dass die EZB bis Mitte 2018 das Programm beendet hat, was ihr den nötigen Spielraum für erste Zinserhöhungen im zweiten Halbjahr 2018 geben wird. Eine besondere Herausforderung für die EZB wird dabei sein, die Euphorie der Anleger für den Euro unter Kontrolle zu halten. Ein zu starker Anstieg des Euro gilt es zu verhindern.

Die Fed hält am 20. September ihre Sitzung
Die Zinsen dürften erst im Dezember weiter angehoben werden. Dagegen wird Janet Yellen das Programm zur Reduktion der Bilanz vorstellen. Die Fed wird ab diesem Herbst ihren Bestand an US-Treasuries und US-Hypothekenpapieren schrittweise abbauen. Sie wird dabei nicht als Verkäuferin am Markt auftreten, sondern auslaufende Anleihen nur noch zum Teil ersetzen. Auf die Zinsen wird das keinen Einfluss haben, da der Handel in diesen Papieren sehr liquide ist und sich genügend andere Abnehmer für die neuen Emissionen finden lässt.

Dazwischen, am 14. September ist die Reihe an der SNB
Thomas Jordan wird den geldpolitischen Entscheid der SNB präsentieren. Auch wenn der Franken zum Euro etwas schwächer geworden ist, hat sich an der Ausgangslage für die SNB nichts verändert. Jordan wird weiter betonen, dass aus Sicht der SNB der Franken überbewertet ist und dass die Negativzinsen notwendig sind, um eine Aufwertung des Frankens zu verhindern. Der EUR/CHF-Wechselkurs kann im Vorfeld der Sitzung der EZB noch etwas steigen und die Marke von 1.15 erklimmen. Ist dann klar, was die EZB macht, wird der Euro an Schwung verlieren. Insgesamt erwarte ich in nächster Zeit keine grossen Bewegungen im EUR/CHF-Kurs. Der Franken wird im nächsten Jahr jedoch stärker werden und sich in Richtung 1.10 bewegen, wenn die Euphorie für den Euro wieder den Sorgen um die Schulden der Euroländer Platz macht.

So oder so – Finanzmärkte schauen in die USA
Die Sitzungen der Zentralbanken werden auf die Aktienmärkte keinen grossen Einfluss haben. Wichtiger werden für die Börsen die Anhebung der amerikanischen Schuldenobergrenze und das US-Budget für das am 1. Oktober beginnende neue Finanzjahr sein. Diese Themen sind ungelöst und es ist gut möglich, dass Präsident Trump versuchen wird, mit einer Veto-Drohung Geld für den Mauerbau ins Budget zu bringen. Je nachdem, wie heftig und verfahren diese Diskussion geführt wird, können Unruhe und damit Schwankungen in den Kursen an die Börsen kommen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Washington rechtzeitig eine Lösung finden wird. (SGKB/mc/pg)

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 6,0 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

St. Galler Kantonalbank AG
Die St.Galler Kantonalbank wurde 1868 gegründet und ist seit 2001 an der Börse SIX Swiss Exchange kotiert. Der Kanton St. Gallen hält als Mehrheitsaktionär 54.8% des Aktienkapitals. Als Universalbank bietet sie den Kunden in ihrem Heimmarkt die gesamte Palette von Finanzdienstleistungen an. In Zürich ist sie mit einer auf Vermögensverwaltung spezialisierten Niederlassung präsent. Mit ihrer umfassenden Dienst-leistungspalette betreut sie Privatkunden in der Deutschschweiz in allen Fragen der privaten Vermö-gensplanung und Vermögensverwaltung. Am 31. Dezember 2016 beschäftigte die St.Galler Kantonal-bank Gruppe insgesamt 1227 Mitarbeitende und verwaltete Kundenvermögen von CHF 38.3 Milliarden. Das Stammhaus besitzt Staatsgarantie und das Aa1-Rating von Moody’s.

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