SNB bekräftigt Mindestkurs und expansive Geldpolitik

Philipp Hildebrand

SNB-Direktionspräsident Philipp Hildebrand.

Bern/Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält angesichts der schwachen Konjunktur an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Sie belässt das Zielband für den Dreimonats-Libor unverändert bei 0,0% bis 0,25% und strebt weiter einen Wert des Libors nahe bei Null an. Ausserdem will sie den im September festgelegten Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro «mit aller Konsequenz durchsetzen».

Die SNB sei weiter bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen, teilten die Währungshüter am Donnerstag anlässlich der geldpolitischen Lagebeurteilung mit. «Auch beim heutigen Kurs bleibt der Franken hoch bewertet und sollte sich weiter abschwächen», sagte SNB-Präsident Philipp Hildebrand vor den Medien in Bern. Falls die Wirtschaftsaussichten und die deflationären Risiken es erforderten, stehe die Nationalbank ausserdem bereit, «jederzeit weitere Massnahmen» zu ergreifen. SNB-Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine ergänzte, dass die SNB dem Markt weiterhin eine hohe Menge an Liquidität zur Verfügung stellen werde.

Konjunktureller Ausblick für Eurozone eingetrübt
Laut Hildebrand sind die globalen Wachstumsaussichten trotz einer leichten Erholung in einigen Teilen der Welt gedämpft und haben sich seit der letzten Lagebeurteilung im September «eher verschlechtert». «Die neuesten Wirtschaftsdaten in den USA sind zwar etwas besser ausgefallen als erwartet. Die Verschärfung der europäischen Schuldenkrise hat jedoch den konjunkturellen Ausblick für die Eurozone eingetrübt», so der SNB-Präsident. Die SNB hat denn auch ihre Wachstumsannahmen für die Eurozone über die nächsten drei Jahre deutlich gesenkt.

Nachlassende Wirtschaftsdynamik
In der Schweiz habe die Wirtschaftsdynamik im dritten Quartal deutlich nachgelassen, so die SNB weiter. Die massive Aufwertung des Frankens im Sommer habe die hiesige Wirtschaft «erheblich» belastet. Die Exporte seien markant gesunken. Gleichzeitig habe die inländische Endnachfrage stagniert.

Die Einführung des Mindestkurses habe die massive Überbewertung des Frankens zwar korrigiert und die Planungssicherheit für die Unternehmen verbessert. «Trotzdem bleibt die Situation für weite Teile der Wirtschaft schwierig», so Hildebrand. Die nachlassende globale Nachfrage werde die Entwicklung der Exporte weiter belasten. Die konjunkturelle Unsicherheit und die in vielen Fällen schwierige Ertragslage würden die Investitionstätigkeit der Unternehmen drosseln. Seit Oktober steige zudem die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt wieder leicht an, was die Konsumausgaben und die Wohnbauinvestitionen dämpfen dürfte.

Stagnation im vierten Quartal erwartet
Im vierten Quartal dürfte die Schweizer Wirtschaft insgesamt stagnieren. Nur dank der günstigen Entwicklung im ersten Halbjahr sei für das gesamte Jahr 2011 noch mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts von 1,5% bis 2% zu rechnen. Erstmals hat die SNB auch eine Prognose für 2012 abgegeben, und zwar erwartet sie ein Wirtschaftswachstum in der Grössenordnung von 0,5%.

Das internationale Umfeld sei nach wie vor von enorm hoher Unsicherheit geprägt und eine weitere Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise sei nicht auszuschliessen, zeigt sich die SNB-Spitze besorgt für die weitere Zukunft. Eine solche hätte gravierende Folgen für das internationale Finanzsystem. Auch die Wirtschaftsaussichten für die Schweiz seien aufgrund der engen Beziehungen zur Eurozone in hohem Mass vom Verlauf der Krise abhängig.

Inflationsprognosen nochmals gesenkt

Aufgrund des starken Frankens und der Eintrübung der Konjunktur hat sich im Vergleich zum September die bedingte Inflationsprognose der SNB nochmals nach unten verschoben. Kurzfristig falle die Inflation früher in den negativen Bereich, weil sich die vergangene Aufwertung stärker als erwartet auswirke, so die SNB. Die Prognose zeigt für 2011 eine Inflationsrate von 0,2% (alte Prognose: +0,4%). Für 2012 erwartet die Nationalbank weiter eine Inflation von minus 0,3% und für 2013 hat sie die Prognose leicht auf +0,4% (von +0,5%) gesenkt. Auf absehbare Zeit gibt es laut Hildebrand in der Schweiz «keine Inflationsrisiken». Sollte sich die Auslandsnachfrage stärker als erwartet abschwächen, würden sich Abwärtsrisiken für die Preisstabilität abzeichnen.

Der Franken hat nach den SNB-News zum Euro einen knappen Rappen zugelegt und notiert um 15 Uhr bei gut 1,2260. Ökonomen zeigten sich insgesamt aber kaum überrascht. «Alles in allem kann man fast sagen, es war ein ’non-event'», fasste es ein Analyst zusammen. (awp/mc/upd/ps)

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