SNB streicht nach Milliardenverlust erstmals Gewinnausschüttung

Thomas Jordan Schweizerische Nationalbank
SNB-Direktoriumspräsident Thomas Jordan. (© SNB)

SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (© SNB)

Bern / Zürich – Der Absturz des Goldpreises reisst die Schweizerische Nationalbank (SNB) tief ins Minus. Für 2013 verbucht sie einen Verlust von rund 9 Mrd CHF. Erstmals seit Gründung der SNB im Jahr 1907 erhalten die Kantone keine Ausschüttung und die Aktionäre keine Dividende.

Auch die Eidgenossenschaft, die seit 1991 jedes Jahr von einer Gewinnbeteiligung profitierte, geht leer aus. Der für 2013 provisorisch errechnete Jahresverlust verunmögliche Gewinnausschüttungen, teilte die SNB am Montag per Communiqué mit.

Zu drastisch sind die Auswirkungen des Zerfalls des Goldpreises im vergangenen Jahr auf die SNB-Rechnung: Der Goldpreis sank in Franken/Kg um fast 30%. Lag er Ende 2012 noch bei knapp über 48’800 CHF, waren es Ende 2013 lediglich noch gut 34’300 CHF. Bei einem SNB-Goldbestand von 1’040 Tonnen verminderte sich der Wert des SNB-Goldbestandes damit auf rund 35,7 Mrd von 50,7 Mrd ein Jahr früher, was zu einem Bewertungsverlust von rund 15 Mrd führte.

Dem Verlust auf dem Gold steht zwar ein Gewinn von circa 3 Mrd CHF auf den Fremdwährungspositionen und von über 3 Mrd aus dem Verkauf des UBS-Rettungsfonds StabFund gegenüber. Für ihre erheblichen Währungsreserven von rund 440 Mrd will die SNB aber weitere 3 Mrd als Schwankungsreserven zurückstellen.

Damit resultiert «ein ausschüttbares Jahresergebnis von rund minus 12 Mrd CHF», wie die SNB erläuterte. Anders als in früheren Jahren kann dieser Verlust von der vorhandenen Ausschüttungsreserve (5,3 Mrd) nicht aufgewogen werden.

Bund und Kantone wurden gewarnt
Im Jahr 2010 hatte die SNB infolge ihrer Frankenkurs-Interventionen zwar einen Rekordverlust von 19,2 Mrd CHF erlitten. Trotzdem konnten 2,5 Mrd an Bund und Kantone ausgeschüttet werden. Der damalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand warnte aber: «Ab 2012 werden die Ausschüttungen deutlich tiefer als die üblichen 2,5 Mrd sein oder sogar ganz ausfallen.»

Bereits für 2011 wurde der Zielwert für die Ausschüttung an Bund und Kantone von 2,5 Mrd auf 1,0 Mrd CHF gesenkt. Diese Vereinbarung gilt bis 2015. Eine Zahlung erfolgt aber nur, wenn die Ausschüttungsreserve nicht negativ ist. Nach Verrechnung des Jahresverluses 2013 beträgt die Ausschüttungsreserve nun rund minus 6,7 Mrd CHF, so dass auch eine Ausschüttung im nächsten Jahr fraglich ist.

Dass die Ausschüttung für 2013 ausfallen könnte, hat sich spätestens im Herbst abgezeichnet, auch wenn das Ergebnis der SNB stark schwankungsanfällig ist, weil es von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängt. Denn für Januar bis September wies die SNB bereits einen Verlust von 6,43 Mrd CHF aus. Die Wende ist aber nicht eingetreten, der Goldpreis hat weiter an Boden verloren. So vergrösserte sich der Bewertungsverlust der SNB auf dem Edelmetall im Schlussquartal um weitere rund 4,3 Mrd CHF.

Der ausführliche Bericht zum Jahresabschluss 2013 mit den definitiven Zahlen soll am 7. März, der Geschäftsbericht am 25. März 2014 publiziert werden. (awp/mc/ps)

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