SNB hält an Mindestkurs zum Euro fest – Franken bleibt hoch bewertet

Thomas Jordan

Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. (Copyright: SNB)

Bern – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an ihrer gegenwärtigen Geldpolitik und damit am Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro fest. Der Franken bleibt nach Ansicht der hiesigen Notenbanker hoch bewertet. Eine Aufwertung des Frankens würde die Preisstabilität gefährden und hätte schwerwiegende Folgen für die Schweizer Wirtschaft.

«Der Mindestkurs bleibt daher im gegenwärtigen Umfeld wichtig, um bei einem plötzlichen Aufwertungsdruck auf den Franken eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen für die Schweiz zu vermeiden», sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag vor den Medien in Bern. Und die SNB stehe bereit, den Mindestkurs wenn nötig durch den Kauf von Devisen in unbeschränkter Höhe durchzusetzen und bei Bedarf weitere Massnahmen zu ergreifen.

Das – seit Einführung des Mindestkurses allerdings in den Hintergrund gerückte – Zielband für den Dreimonats-Libor wird ebenfalls unverändert bei 0% bis 0,25% belassen. Der Zinsentscheid war in dieser Form erwartet worden.

Leicht tieferer Ölpreis dämpft Preisentwicklung
Die bedingte Inflationsprognose der SNB, die auf einem unveränderten Dreimonats-Libor von 0% über die nächsten drei Jahre beruht, hat sich gegenüber März kaum verändert. Nur die Inflation für das laufende Jahr werde durch einen tieferen Ölpreis leicht gedämpft, hiess es. Für 2013 erwartet die SNB entsprechend eine leicht tiefere Inflation von -0,3% (bisher: -0,2%). Für die Jahre 2014 und 2015 beträgt die prognostizierte Inflation unverändert 0,2% bzw. 0,7%. «Auf absehbare Zeit wird die Inflation in der Schweiz somit sehr tief bleiben», so Jordan.

Auch bezüglich Konjunktur gibt es bei der Prognose keine Änderung. Die SNB geht für das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) im Jahr 2013 weiterhin von einem Wachstum in der Grössenordnung von «1% bis 1,5%» aus. Das BIP sei im ersten Quartal zwar deutlich angestiegen, für das zweite Quartal sei jedoch mit einer spürbaren Abschwächung zu rechnen, so Jordan. Die Risiken für die Schweizer Wirtschaft blieben hoch, wobei sie weiterhin vor allem aus dem internationalen Umfeld stammten. Eine Abschwächung der globalen Konjunkturdynamik könne nicht ausgeschlossen werden.

Weiter starke Binnennachfrage
Dass das Wachstum in der Schweiz im Vergleich zu den Nachbarländern zuletzt günstiger ausfiel, ist laut SNB in erster Linie auf die Entwicklung der Binnennachfrage zurückzuführen. Einmal mehr sei das Wachstum vor allem vom privaten Konsum und von den Wohnbauinvestitionen getrieben worden. Diese Nachfragekomponenten würden von der verhältnismässig robusten Arbeitsmarktlage, der weiterhin regen Zuwanderung und den günstigen Finanzierungsbedingungen profitieren. «Insbesondere hat die Kreditversorgung zurzeit in der Schweiz einen deutlich stärkeren Effekt auf die Realwirtschaft als in den meisten europäischen Ländern», sagte Jordan.

Bei den Exporten seien dagegen keine dauerhaften Belebungssignale zu erkennen. Neben dem hochbewerteten Franken wirke sich hier auch die bescheidene Dynamik des Welthandels bremsend aus. Ferner würden die hiesigen Unternehmen nur zögerlich investieren, wobei der Grund dafür in der Unsicherheit über die Weiterentwicklung der Weltkonjunktur liege. Gemäss den SNB-Informationen aus den Regionen werde diese vorsichtige Haltung auch in der nahen Zukunft bestehen bleiben, so dass die inländischen Ausrüstungsinvestitionen im laufenden Jahr stagnieren dürften, meinte Jordan. Insgesamt rechnet die SNB nicht mit einer baldigen Rückkehr der Schweizer Wirtschaft zur Vollauslastung der Produktionskapazitäten.

Gefahr für Franken nicht gebannt
Weiter gewisse Sorgen macht der SNB der Franken. «Die Gefahr ist nicht gebannt, dass der Franken plötzlich wieder unter Aufwertungsdruck geraten könnte», meinte der SNB-Präsident. Er geht aber davon aus, dass die hiesige Währung sich über die nächsten Quartale weiter abschwächen wird. Eine gewisse Gefahr geht laut Jordan von der wieder erhöhten Volatilität an den Finanzmärkten aus. Die jüngere Entwicklung deute jedenfalls darauf hin, dass Safe-Haven-Überlegungen bei der Nachfrage nach Franken weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Wie immer in den letzter Zeit warnt die Nationalbank auch vor den Gefahren am Immobilienmarkt: Es bestehe angesichts der andauernden Phase ausserordentlich tiefer Zinsen die Gefahr, dass die Ungleichgewichte am Hypothekar- und Immobilienmarkt zunähmen. (awp/mc/upd/ps)

 

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