SNB-Jordan: Keine Entwarnung am Immobilienmarkt

Thomas Jordan

SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Bild: Monika Flückiger / swiss-image.ch)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) blickt auch drei Monate nach Erhöhung des sogenannten antizyklischen Kapitalpuffers (AKP) weiterhin mit Sorge auf die Entwicklung am Immobilienmarkt. „Basierend auf den bis anhin für das erste Quartal 2014 verfügbaren Daten lässt sich aus unserer Sicht nach wie vor keine Entwarnung geben“, sagte Thomas Jordan, Präsident des SNB-Direktoriums laut Redetext an der Generalversammlung vom Freitag in Bern.

Die Dynamik bei den Immobilienpreisen von Januar bis März sei „ähnlich wie im Vorjahr“ ausgefallen und habe sich also nicht weiter abgeschwächt. „Für das Gesamtbild fehlen uns aber noch wichtige Daten. Eine abschliessende Einschätzung der jüngsten Entwicklung wäre deshalb verfrüht“, so Jordan weiter.

Anpassung des Kapitalpuffers wird regelmässig geprüft
Die SNB will die Entwicklung am Hypothekar- und Immobilienmarkt auch künftig „aufmerksam beobachten“. Allfällige Entscheidungen betreffend weiterer Massnahmen müssen im Lichte dieser Beobachtungen getroffen werden. So prüfe die SNB einerseits regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden müsse. „Je nach Entwicklung der Lage könnte diese Anpassung nach oben oder nach unten erfolgen“, sagte Jordan diesbezüglich.

Andererseits würden die Behörden an der Konkretisierung von Massnahmen arbeiten, um die Risiken im Bereich der Tragbarkeit „gezielt anzugehen“. Diesbezüglich herrscht allerdings, wie vor einiger Zeit bekannt wurde, dicke Luft zwischen den Behörden (SNB und Finma) und der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Diese fühlt sich nämlich ungebührlich unter Druck gesetzt, um die Selbstregulierung im Hypothekengeschäft zu verschärfen.

Die Banken seien bereit, über die Selbstregulierung zu diskutieren, um den Gefahren am Immobilienmarkt entgegenzuwirken, sagte SBVg-Direktor Claude-Alain Margelisch Anfang April gegenüber Journalisten. Die Regulatoren verlangten aber eine Änderung der Selbstregulierung und übten dabei auch Druck aus. Jordan ging in seiner heutigen Rede darauf allerdings nicht ein.

Mindestkurs bleibt zentrales geldpolitisches Instrument
Ansonsten wiederholte bzw. bestätigte SNB-Präsident Jordan die seit Einführung des Mindestkurses im September 2011 geltende Geldpolitik: „Das Umfeld für die Schweizer Geldpolitik ist nach wie vor sehr anspruchsvoll. Bei Zinsen nahe null sowie einem immer noch hoch bewerteten Franken bleibt der Mindestkurs das zentrale geldpolitische Instrument für die SNB, um adäquate monetären Bedingungen sicherzustellen“. Eine Aufwertung des Franken brächte eine Deflationsgefahr mit sich.

Ausserdem bestätigte die SNB-Spitze auch ihre Konjunktureinschätzung. Sie erwartet für 2014 ein Wachstum der Schweizer Wirtschaft von rund 2%. Die Binnen- und vermehrt auch die Auslandnachfrage sollten dazu beitragen. Vor diesem Hintergrund sei zu erwarten, dass die Investitionstätigkeit an Schwung gewinnt. Und auch die Arbeitslosigkeit dürfte im Laufe des Jahres leicht sinken.

Dieses grundsätzlich positive Szenario ist aber laut Jordan „mit externen Risiken behaftet“. Hauptsächlich verantwortlich dafür bleibe die europäische Schuldenkrise. Aber auch ausserhalb der Eurozone bestünden Risiken. „Politische Spannungen in mehreren Regionen sowie strukturelle Schwächen in wichtigen aufstrebenden Volkswirtschaften könnten die weltwirtschaftliche Erholung belasten“, warnt Jordan.

Masseneinwanderungsinitiative als Unsicherheitsfaktor
Er sieht aber auch hausgemachte Risiken. Die Annahme der Initiative gegen die Masseneinwanderung im Februar stelle einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor für die Wirtschaft dar. Da man aber noch nicht wisse, wie die Initiative konkret umgesetzt werde und welche Auswirkung sie auf die Beziehung zur EU haben werde, seien die wirtschaftlichen Effekte des Volksentscheides allerdings derzeit „kaum seriös quantifizierbar“. Sie hätten deshalb auch keinen Eingang in die SNB-Prognose gefunden.

Keine Gefahren sieht die SNB weiterhin bei der Preisentwicklung. Die zurzeit noch vorherrschende Unterauslastung der Produktionskapazitäten wirke sich weiterhin dämpfend auf die Konsumentenpreise in der Schweiz aus. Einen ähnlichen Effekt übten die rückläufige Teuerung im Ausland und der leicht stärkere Franken aus, indem sie die Importteuerung ermässigen. „Die Prognose der SNB zeigt, dass es auf absehbare Zeit keine Inflationsrisiken gibt“, sagte Jordan. Für 2014 dürfte die Teuerung in der Schweiz bei nur 0% liegen. (awp/mc/ps)

 

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