Standard Chartered streicht mehr als 4’000 Stellen

Peter Sands

Bankchef Peter Sands.

Hongkong – Die britische Grossbank Standard Chartered will mit einem radikalen Sparkurs zu alter Stärke zurückfinden. Konzernchef Peter Sands, der nach mehreren Gewinnwarnungen unter Druck steht, kündigte am Donnerstag den Abbau von 4000 Stellen allein im Privatkundengeschäft an. In Genf schliesst die Bank.

Ausserdem werden grosse Teile des unrentablen Aktiengeschäfts geschlossen, darunter der Handel sowie Dienstleistungen rund um Börsengänge und Kapitalerhöhungen. Damit fallen weitere 200 Jobs weg.

In Genf transferiert die Bank die Guthaben ihres Privatkundengeschäfts auf andere Standorte wie Jersey, London und Dubai, wie Mediensprecherin Jessica Shepherd-Smith auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Aktivitäten werden zurückgefahren.

Um die Schliessung über die Bühne zu bringen, ist nach ihren Worten noch eine geringe Zahl Angestellter in Genf tätig. Ein Angestellter bestätigte, dass die Bank in der Auflösung begriffen sei. Bereits vergangenes Jahr hatte die Bank angekündigt, unter anderem die Privatbank-Aktivitäten in Genf verkaufen oder schliessen zu wollen.

Andere Tätigkeiten an der Rhone will sie weiterführen, erklärte Shepherd-Smith. Sie versicherte, die Bank wolle ihr Engagement in der Schweiz beibehalten und die Aktivitäten konsolidieren. Wieviele Stellen dabei erhalten bleiben, sagte die Sprecherin nicht.

Sands will mit den Einschnitten die Kosten wieder unter Kontrolle bekommen. Dem stark auf Asien fokussierten Institut machen schrumpfende Gewinne zu schaffen, weil auch die Schwellenländer nicht mehr auf so hohe Wachstumsraten kommen wie noch vor einigen Jahren.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Aktie von Standard Chartered, die in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 40 Prozent abgestürzt ist, verteuerte sich in London und Hongkong jeweils um bis zu 3 Prozent. Banken-Analyst James Antos von Mizuho bezeichnete den Stellenabbau als logischen Schritt, mahnte aber auch: „Das allein reicht nicht, um die Probleme in den Griff zu bekommen.“

Mindestens 400 Millionen Dollar sparen
Der 53-jährige Sands steht seit acht Jahren an der Spitze der Bank mit ihren rund 86’000 Mitarbeitern. Nachdem einige Grossinvestoren bereits laut über einen Führungswechsel nachdachten, ging Sands nun in die Offensive: „Wir sind auf gutem Wege, 2015 wie geplant Kosteneinsparungen von mindestens 400 Mio. Dollar zu erreichen“, erklärte er.

Das Institut arbeite zugleich daran, im kommenden Jahr noch mehr rauszuholen. Nach früheren Angaben sollen insgesamt etwa 100 der weltweit knapp 1250 Filialen im Privatkundengeschäft schliessen. In 22 Niederlassungen ging bereits das Licht aus, wie Sands nun vorrechnete. Insgesamt fielen zuletzt bereits 2000 Stellen weg, in diesem Jahr sollen es noch einmal so viele werden.

Im Aktiengeschäft, das Standard Chartered erst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 ausgebaut hatte, erreichte die Bank nie die kritische Grösse und lief den Konkurrenten abgeschlagen hinterher. Nun zieht Sands die Notbremse, um nicht noch mehr Geld zu versenken. Das Geschäft mit Aktienderivaten soll aber erhalten bleiben.

Das Sparten-Ende trifft vor allem Mitarbeiter in Asien – und zwar völlig überraschend, hatte die Bank hier doch noch bis zum vergangenen Oktober Leute eingestellt. In Hongkong standen Banker am Donnerstagmorgen bereits vor verschlossenen Türen. In Singapur wurden sie aus ihren Büros eskortiert. (awp/mc/upd/ps)

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