Swissquote mit Halbjahresverlust von 10,6 Mio CHF

Marc Bürki
Swissquote-CEO Marc Bürki. (Foto: Swissquote)

Swissquote-CEO Marc Bürki. (Foto: Swissquote)

Gland – Swissquote erleidet wegen der Aufgabe des Mindestkurses einen Semesterverlust. Der Marktführer auf seinem Gebiet als reine Online-Bank sah sich gezwungen, wegen der hohen Minussaldi der Devisenhandelskunden ausserordentliche Rückstellungen zu bilden. Auch von der im Branchenvergleich geringeren Handelsaktivität zeigte sich das Management enttäuscht. Für das Gesamtjahr rechnet Swissquote trotzdem noch mit einem Gewinn. An der Börse sind die Titel am Dienstag grösste Verlierer.

Einen Tag nach der Entscheidung der Schweizerischen Notenbank im Januar, den Mindestkurs aufzuheben, kündigte Swissquote eine ausserordentliche Rückstellung von 25 Mio CHF an zur Abdeckung von Minussaldi der vom Entscheid betroffenen Kunden. Unter dem Strich blieb daher per Juni ein Verlust von 10,6 Mio CHF – nach einem Vorjahresgewinn von 11,1 Mio. Die Gesellschaft hatte zuvor nur in der anfänglichen Investitionsphase – etwa im Jahre 2002 – Verluste geschrieben.

Die Rückstellung decke das durch den SNB-Entscheid entstandene Risiko vollständig ab, und es würden keine weiteren nötig werden, heisst es von Swissquote. Unter dem Strich rechnet die Trading-Plattform für das Gesamtjahr denn auch mit einem positiven Reinergebnis. Das geschätzte Wachstum des Gesamtertrags beziffert sie auf 10%. Im März war man noch von einem 15%-Zuwachs ausgegangen.

Bekanntheit in Asien steigern
Für das zweite Halbjahr zeigte sich das Management aber mit Blick auf das erste Halbjahr deutlich optimistischer. Nach dem starken Gegenwind in den ersten sechs Monaten gab sich CEO Marc Bürki überzeugt, die neu angepeilten 10% zu erreichen.

Die Frankenstärke habe auch auf der Ertragsseite nicht geholfen, wo doch ein Teil der Erträge in US-Dollar und Euro anfallen. Aber das vorsichtigere Handelsverhalten der Kunden dürfte nachlassen, sagte er zu AWP am Rande der Medienkonferenz zum ersten Halbjahr. Die starke Unsicherheit um Griechenland sei vorbei, und zudem habe die Gesellschaft Neukunden akquiriert, was sich ebenfalls positiv auf das laufende Jahr auswirken werde.

Entsprechend der neuen Guidance rechnet die Onlinebank nun mit einem Geschäftsertrag von 86 Mio CHF im zweiten Halbjahr – nach 74 Mio im ersten. Bis Juni 2015 stieg der Gesamtertrag im Vergleich zur Vorjahresperiode also um 5,2% an. Dabei trugen mit Ausnahme des Zinsgeschäfts alle Geschäftsbereiche zum Wachstum bei. Der Kommissionsertrag erhöhte sich um 8,5% auf 33,6 Mio CHF, während der eForex-Ertrag aufgrund der Unsicherheiten in Griechenland nur leicht zunahm. Letzterer Bereich stieg um 3,6% auf 26,7 Mio und macht einen immer grösseren Teil aus.

Die Kosten erwartet Bürki für das zweite Halbjahr im Rahmen des ersten Semesters, als der Betriebsaufwand auf 62,3 Mio stieg – was wohl insbesondere auf hohe Marketingausgaben zurückzuführen ist. So koste etwa die Partnerschaft mit Manchester United «eine Stange Geld», helfe aber die Marke im Ausland – nach dem Wunsch des Management insbesondere in Asien – zu etablieren, wo Swissquote noch grösstenteils unbekannt ist.

Aktie stark unter Druck
Neben der Partnerschaft mit dem britischen Fussballklub erhofft sich das Unternehmen mit Sitz in Gland auch viel von der im Mai 2014 bekanntgegebenen Partnerschaft mit Postfinance, die im Herbst starten soll. Swissquote will dann Börsenaufträge der Postfinance-Kunden abwickeln. Davon erhoffe man sich einen «schönen Ertrag» und «viele weitere Geschäfte in der Zukunft», sagte Bürki vor den Journalisten.

Die erhofften Synergien durch die Integration der Lausanner Devisenhandelsbank MIG lassen dagegen noch etwas auf sich warten: Die Technologien seien sehr verschieden und die Zusammenführung entsprechend «komplex», so der Unternehmenschef. Die volle Entfaltung würde daher noch ein Jahr länger dauern.

Die Aktie verlor in dem ansonsten festeren Gesamtmarkt 8,1%. Analysten zeigten sich besonders von der relativ schwachen Handelsaktivität der Onlinebank enttäuscht. Die erzielten knapp 13 Transaktionen im Schnitt pro Kunde und Jahr (+7,5%) verglich der zuständige ZKB-Analyst mit der Konkurrenz: 30% Volumenanstieg an der Börse und 28% mehr Transaktionen bei Comdirect. Die ZKB bewertet die Swissquote-Titel neu mit «Untergewichten» nach zuvor «Übergewichten». (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.