Trotzen die Märkte dem schwachen Wachstum?

Ausblick
(Foto: unpict - Fotolia.com)

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Vaduz – Die Weltwirtschaft unternimmt einen erneuten Versuch, um zu höheren Wachstumsraten zurückzukehren. Die Chancen auf Erfolg sind jedoch regional sehr unterschiedlich, befinet die VP Bank in ihrem Ausblick für das kommende Jahr. Während Asien an Dynamik gewinnt, leidet Europa weiterhin unter den Aufräumarbeiten in der Peripherie. Negative Realrenditen zwingen die Anleger zu einem Umdenken im Bestreben, zumindest den Kapitalerhalt zu sichern. Ohne das Eingehen höherer Risiken sind die negativen Folgen der finanziellen Repression kaum zu kompensieren.
 
Die VP Bank Gruppe erwartet einen schleppenden Start ins neue Jahr, führt der Leiter des Investment Research, Bernd Hartmann, anlässlich eines Pressetermins aus. Trotz einer allmählichen Stabilisierung der Vorlaufindikatoren wird die Eurozone noch einige Monate auf eine deutliche Zunahme der Wirtschaftsaktivität warten müssen. Selbst Deutschland, die einstige Wachstumslokomotive innerhalb des Euroraums, leidet sichtbar unter der Konjunkturschwäche im übrigen Europa. Gleichzeitig droht Frankreich aufgrund der Versäumnisse notwendiger Reformen zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit einzubüssen. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung innerhalb der Währungsunion stagnieren.

Schweiz und USA mit weniger Wachstum
Aufgrund der starken wirtschaftlichen Verflechtung wird sich die Schweiz dem schwachen Konjunkturumfeld nicht entziehen können. Trotz einer soliden Binnennachfrage und einer erwarteten Erholung der Exportnachfrage im Jahresverlauf bleibt das Wachstum mit 0.5-1.0 % vorerst weiter schwach.

Die Erholung in den USA gewinnt zunehmend an Dynamik. Bedroht wird die zuletzt erfreuliche Entwicklung von der «fiskalischen Klippe» zum Jahresende. Ohne Einigung der politischen Parteien drohen die automatischen Budgetmassnahmen die USA in eine erneute Rezession rutschen zu lassen. Die VP Bank erwartet, dass es zu einem Kompromiss und somit zu einer gemässigten Haushaltskonsolidierung kommen wird. Dies bedeutet für 2013 ein Wachstum von bloss 1.0 -1.5 %.

Uneinheitliches Wachstum in den Schwellenländern
Die Situation in den Schwellenländern dürfte unterschiedlich ausfallen. Der schleppende Welthandel belastet die häufig sehr exportstarken Länder. Herausstechen werden im kommenden Jahr vor allem jene Länder, deren Regierungen entweder mittels staatlicher Ausgaben oder mit Anreizsystemen das Investitionswachstum auf Trab bringen. Dazu gehört einmal mehr China. In der Gesamtschau dürften die Emerging Markets per saldo einen Zuwachs auf Vorjahresniveau ausweisen.

Notenbanken bleiben gefordert
Die Inflation befindet sich auf dem Rückzug. Dieser Trend dürfte in den USA und der Eurozone weiter anhalten. In der Schweiz kehrt die Inflation endlich wieder in den positiven Bereich zurück. Die Notenbanken werden weiterhin versuchen, Wachstumsschwächen zu bekämpfen. Die Effizienz der Massnahmen lässt aber tendenziell nach. Nutzniesser sind wohl die Finanzmärkte und weniger die Konjunktur. Weitere unkonventionelle Massnahmen dürften diskutiert, und wenn notwendig, auch ergriffen werden. Auch die Politik hat bei der Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise Fortschritte gemacht, ist aber noch nicht am Ziel.

Risiken verschieben sich
Während 2012 von Extremrisiken wie einer Staatspleite oder dem Auseinanderbrechen der Eurozone geprägt war, dürfte allmählich die schleichende Vermögensentwertung durch negative Realrenditen in den Vordergrund treten. Obwohl die Inflationsraten insgesamt unter den Zielwerten der Notenbanken zu liegen kommen dürften, hat das tiefe Zinsniveau zur Folge, dass die Realzinsen nicht nur bei kurzen Laufzeiten negativ ausfallen. Die VP Bank empfiehlt Anlegern, sich gegen den realen Vermögensverlust infolge der drohenden finanziellen Repression zu schützen.

Angesichts des tiefen Wachstums und der geringen Risikobereitschaft werden Kreditrisiken vorerst weiter in der Gunst der Anleger ganz oben stehen. Allerdings hat die Suche nach Rendite bereits deutlich Spuren hinterlassen. Das Potenzial für weitere Spreadeinengungen wird allmählich kleiner. Aufgrund des Renditeaufschlags gegenüber Staatsanleihen und der durch die negativen Realzinsen ausgelösten strukturellen Verschiebung der Nachfrage bleiben Unternehmensanleihen, High Yield und Schwellenländeranleihen aber interessant. Der Einstiegszeitpunkt für lokale Schwellenländeranleihen erscheint angesichts des Währungspotenzials derzeit für langfristige Anleger günstig.

Das Zinsniveau dürfte sich insgesamt kaum verändern. Konjunkturell gibt es keine Veranlassung für eine grössere Verschiebung, ausserdem dürften die Notenbanken einen Anstieg zu verhindern wissen.

Aufwertungspotenzial sollte überwiegen
Trotz attraktiver Bewertungen konnten Aktien (noch) nicht vom Anlagenotstand profitieren. Ein stabileres Kapitalmarktumfeld sollte eine leichte Bewertungsausweitung erlauben. Zwar dürften die Unternehmensgewinne auch 2013 erneut zulegen können, die Erwartungen der Analysten sind derzeit jedoch auf einem zu hohen Niveau. Besonders in den USA erscheint eine erneute, deutliche Ausweitung der Margen zunehmend schwer. Nach ihrer unterdurchschnittlichen Entwicklung dürften die Schwellenlän-der wieder stärker in den Vordergrund treten. Umschichtungen aus dem Anleihen- in den Aktienbereich dürften aber nur allmählich erfolgen. Zu den ersten Profiteuren sollten Dividendenwerte zählen.

Risikomanagement gewinnt an Bedeutung
Um den negativen Realrenditen in zunehmend mehr Segmenten und Laufzeiten zu entkommen, sind viele Anleger gefordert, mehr Risiken einzugehen. Dies führt allerdings nicht zwangsläufig zum Erfolg. Umso wichtiger ist daher, dass Anlageentscheide wohl überlegt erfolgen und ein vermehrtes Augenmerk auf Risikomanagement gelegt wird. (VP Bank/mc/pg)

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