UBS vor allem dank Steuereffekt mit hohem Gewinn

Sergio Ermotti
UBS-CEO Sergio Ermotti. (Foto: UBS)

UBS-CEO Sergio Ermotti. (Foto: UBS)

Zürich – Die UBS Group hat im dritten Quartal aufgrund von Sonderfaktoren einen hohen Gewinn erzielt. Operativ blieb sie dagegen im Rahmen der Erwartungen, wobei die Vermögensverwaltung eher schwächer, das Investmentbanking dafür besser als erwartet abschnitt. Ausserdem hat das Management – vor allem aufgrund der regulatorischen Vorschriften – die Ziele zum Teil etwas angepasst. Alles in allem zeigen sich Investoren enttäuscht und die Aktie büsst markant an Wert ein.

Der Reingewinn erreichte in der Berichtsperiode mit 2,07 Mrd CHF im Vergleich zum Vorquartal und zum Vorjahr einen optisch hohen Wert, wobei dies allerdings vor allem Sonderfaktoren zu verdanken ist. So verbuchte die Bank eine Steuergutschrift von netto fast 1,3 Mrd CHF, die hauptsächlich auf eine Höherbewertung von latenten Steueransprüchen aus früheren Verlustjahren zurückzuführen ist.

Daneben gab es allerdings auch weitere Rückstellungen für Rechtsfälle sowie Restrukturierungskosten von zusammen gegen 0,9 Mrd CHF, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Dies ergibt eine Vorsteuerergebnis von 0,79 Mrd CHF bzw. 0,98 Mrd CHF auf bereinigter Basis. Der Reingewinn fiel dabei recht deutlich über den Analystenschätzungen aus, während der Vorsteuergewinn eher leicht unter den Erwartungen blieb.

Wenig Neugelder – Schuldenabbau in Asien
Der Kernbereich Wealth Management (WM) litt im vergangenen Quartal unter der unsicheren Börsenentwicklung. Neben der Marktvolatilität sprach die Bank vor allem auch von einem starken Schuldenabbau in Asien, der auf das Neugeld gedrückt hat. Dieses blieb mit netto 0,2 Mrd CHF bzw. 3,5 Mrd CHF auf bereinigter Basis denn auch klar hinter den Erwartungen zurück. Das Management zeigte sich allerdings keineswegs beunruhigt. Wichtiger als die Quantität sei die Qualität, sagte Konzernchef Sergio Ermotti an einer Investorenkonferenz, und da habe man Fortschritte erzielt.

Überraschend gut zeigte sich hingegen das Investment Banking, das trotz schwieriger Marktverhältnisse die Erträge im Vorjahresvergleich um 6% steigern konnte. Die beiden Bereiche Aktien sowie Devisen-, Zins- und Kreditgeschäft hätten starke Resultate gezeigt, so das Management.

Hinsichtlich Kapitalausstattung ist die UBS gemäss ihren Angaben weiterhin die führende Grossbank. Leicht rückläufig entwickelte sich allerdings im dritten Jahresabschnitt die Kernkapital-Quote, die um 10 Basispunkte auf 14,3% zurück ging. Die für den Bankensektor immer wichtigere (ungewichtete) Leverage Ratio erreichte dagegen 5,0% nach 4,7% zuletzt, wobei hier 3,3% hartes Eigenkapital (CET1) enthalten sind.

Ziele angepasst
Bezüglich Ausblick blieb die Bank wie gewohnt vorsichtig. Zu den schon bestehenden wirtschaftlichen Problemen kämen neue Herausforderungen hinzu, hiess es. So würden die vor kurzem angekündigte Erhöhung der Kapitalanforderungen an Grossbanken in der Schweiz zu erheblichen Mehrkosten führen. Hinzu komme die entgegen den Erwartungen ausgebliebene Zinserhöhung in den USA, eine negative Entwicklung bei gewissen Anlageklassen und der nach wie vor schwache Euro gegenüber dem Franken.

Entsprechend wurden denn auch bestimmte Ziele und Erwartungen für 2016 und darüber hinaus „aktualisiert“. So würden etwa die sogenannten risikogewichteten Aktiven (RWA) und der Leverage Ratio Denominator höher bleiben als bisher prognostiziert, hiess es.

Das Management betonte aber einmal mehr, dass die UBS bis 2019 dort sein werde, wo es der Regulator wolle. „Wir werden zum geforderten Zeitpunkt die Anforderungen erfüllen und eine Leverage Ratio von über 5% ausweisen“, so Ermotti. Er sagte aber auch, dass man weitere Wachstumsinvestitionen tätigen und an der Gewinnausschüttungsquote von über 50% für die Zukunft festhalten wolle. „Wir wollen einen Mittelweg gehen zwischen Wachstum, Verbesserung der Kapitalisierung und Kapitalrückführung an die Aktionäre“, so der UBS-CEO.

Kirt Gardner neuer Fianzchef – Axel Lehmann neuer COO
Neben den Zahlen hat die Bank auch diverse Änderungen im Management bekannt gegeben. So wird etwa Tom Naratil, aktuell CFO und COO der ganzen Gruppe, per Anfang 2016 die Nachfolge von Robert McCann als President Wealth Management Americas antreten und auch als President UBS Americas agieren. Zudem wird der in der Schweiz als langjähriger Zurich-Manager bekannte Axel Lehmann Group Chief Operating Officer, und mit Kirt Gardner gibt es einen Finanz- und mit Christian Bluhm einen neuen Risikochef.

Die heutigen News gefielen vielen Investoren nicht oder wurden als Anlass für Gewinnmitnahmen nach den starken Avancen im bisherigen Jahresverlauf genommen. In Analystenkreisen wurde in Kommentaren vor allem die Performance im Vermögensverwaltungsgeschäft bemängelt. Das Papier ging im praktisch unveränderten Markt mit einem Abschlag von 4,3% auf 19,17 CHF als schwächster Werte aus dem Handel. (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.