US-Notenbank gibt keine Hinweise auf Beendigung der Anleihekäufe

US-Notenbank Federal Reserve

US-Notenbank Federal Reserve: Sitzung des Governors Board. (Bild: United States Government Works/Flickr)

Washington- Die US-Notenbank Fed setzt ihre milliardenschweren Anleihekäufe zunächst unvermindert fort. Die wirtschaftliche Lage beurteilt die Fed zudem ein wenig skeptischer als zuletzt. Wie bisher werde man langfristige Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Wert von monatlich 85 Milliarden US-Dollar kaufen, teilte der Offenmarktausschuss FOMC am Mittwoch in Washington mit. Die Käufe sollen fortgesetzt werden, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt substanziell verbessert hat. Zu einem konkreten Datum für eine mögliche Rückführung wurden in dem aktuellen Statement des FOMC keine Aussagen gemacht.

Notenbankchef Ben Bernanke hatte auf der letzten Sitzung am 19. Juli signalisiert, dass die Anleihekäufe bereits im laufenden Jahr reduziert werden könnten, um sie dann Mitte des kommenden Jahres zu beenden. Die Ankündigung hatte zunächst zur Verunsicherung an den Märkten geführt. Bernanke hatte zuletzt jedoch mehrfach deutlich gemacht, dass eine mögliche Rückführung der Käufe insbesondere von der Entwicklung am Arbeitsmarkt abhänge.

Zu niedrige Inflationsrate gefährlich
Insgesamt veränderte die Notenbank den Kommentar im Vergleich zu letzten Sitzung nur wenig. Allerdings scheint sich die Fed etwas mehr Sorgen als zuletzt um Deflationsgefahren zu machen. «Eine Inflationsrate, die anhaltend unter dem Inflationsziel von zwei Prozent liegt, wäre ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung», schreibt die Fed. Allerdings erwarte man, dass sich die Inflationsrate wieder dem Zielwert annähert.

Die Wirtschaft sei im ersten Halbjahr mässig gewachsen, nachdem zuvor noch von einem moderaterem Wachstum die Rede gewesen war. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte diese Änderung mit den revidierten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt zusammenhängen. Besorgt zeigte sich die Fed zudem hinsichtlich des Anstiegs der Hypothekenzinsen der ebenso wie die Fiskalpolitik das Wachstum belasten könnte.

Wachstum dürfte sich beschleunigen
Dank der lockeren Geldpolitik dürfte sich laut Fed das Wachstum vom derzeitigen Tempo aus beschleunigen. Im Juni hatte man noch die Fortsetzung des moderaten Wachstums erwartet. Die Arbeitslosigkeit dürfte sich schrittweise verringern und sich einem Niveau annähern, der dem Mandat der US-Notenbank entspreche. Seit Herbst hätten sich die Abwärtsrisiken für den wirtschaftlichen Ausblick vermindert, schreibt die Fed.

Die Veränderungen sind nach Einschätzung von Rob Wood, Ökonom von der Berenberg Bank, nur sehr gering ausgefallen. Man erwarte, obwohl die Fed die wirtschaftliche Situation ein wenig skeptischer beurteile, den Beginn der Rückführung der Anleihekäufe im Oktober. Schliesslich sei die US-Wirtschaft im zweiten Quartal stärker als erwartet gewachsen und der Arbeitsmarktbericht positiv ausgefallen sein. Die Deutsche Bank hält bereits auf der Sitzung Mitte September die ersten Schritte zu einem Rückführung für wahrscheinlich – insbesondere wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessere.

Leitzins unverändert
Die erwartete Verminderung der Anleihekäufe der US-Notenbank könnte nach Einschätzung der UBS später als erwartet beginnen. Die US-Notenbank habe vor einer anhaltend zu niedrigen Inflationsrate und gestiegenen Hypothekenzinsen gewarnt sowie nur noch von einem mässigen Wachstum gesprochen, schrieb Harm Bandholz, US-Ökonom bei der UniCredit. Da man von einem starken Arbeitsmarktbericht am Freitag ausgehe, erwarte die UniCredit einen ersten Schritt im September, ein späterer Beginn sei mit dem jüngsten Kommentar jedoch wahrscheinlicher geworden.

Ihren Leitzins beliess die Notenbank in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt die Fed Funds Rate seit Ende 2008, also seit viereinhalb Jahren. Bis die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6,5 Prozent gefallen ist, will die US-Notenbank ihre sehr lockere Geldpolitik fortsetzen. Derzeit liegt die Rate höher bei 7,6 Prozent. Die Fed hatte ihre Zinspolitik Ende 2012 an die Arbeitslosenquote gekoppelt. Die Entscheidungen sind nicht einstimmig gefallen. Erneut stimmte Esther George dagegen. Sie warnt vor möglichen negativen Folgen der expansiven Politik.

Euro steigt deutlich über 1,33 Dollar
Der Eurokurs stieg nach der Veröffentlichung über die Marke von 1,33 US-Dollar und kletterte zeitweise bis auf 1,3345 Dollar. Die Aktienmärkte reagierten mit einer kleinen Berg- und Talfahrt und lagen zuletzt im Plus. Die Kurse von US-Staatsanleihen legten teils deutlich zu. (awp/mc/upd/ps)

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