USA: Umbruch in der Energiebranche bietet Anlagechancen

Ölfeld

Frankfurt am Main – Der aktuelle Umbruch in der US-Energiebranche sowie der in den vergangenen fünf Jahren stark gefallene Preis für Erdgas bietet Anlegern derzeit gute Chancen. Zu dieser Einschätzung kommt Energie-Experte Chris Nielsen des amerikanischen Asset Managers Janus Capital in seinem aktuellen Marktausblick. „Viele Bohrunternehmen stellen derzeit ihre Explorationsaktivitäten auf Erdöl oder flüssige Gasvorkommen um, denn im Gegensatz zum Gaspreis ist der Ölpreis deutlich gestiegen und der für Flüssiggasprodukte stabil geblieben“, erklärt der Analyst. „Dieser Übergangsprozess bietet Investoren gute Einstiegsmöglichkeiten.“

Eine der US-Branchen, die von dem Auseinanderdriften der Energiepreise profitiert, ist nach Einschätzung von Nielsen der petrochemische Sektor. „US-Branchenunternehmen wie etwa Raffinerien haben nun Kostenvorteile gegenüber ihren internationalen Konkurrenten, weil sie sich auf dem heimischen Markt mit billigem Erdgas eindecken können“, erklärt der Energie-Experte. Auch für die US-Stromversorger ist der gesunkene Erdgaspreis von Vorteil. „Viele Versorger haben ihre Kohlekraftwerke mittlerweile auf das viel umweltfreundlichere Gas umgestellt oder sind dabei es zu tun und haben dadurch ihre Margen deutlich verbessert“, so Nielsen. 

100 Mrd Dollar für Auf- und Ausbau der Energieinfrastruktur
Gute Geschäftsaussichten ergeben sich nach Einschätzung des Analysten auch für den Bereich der energetischen Infrastruktur – etwa Unternehmen, die sich auf den Bau und Betrieb von Pipelines spezialisiert haben. Nach Schätzungen der Energiebranche werden in den USA in den kommenden zehn Jahren rund 100 Milliarden Dollar in den Auf- und Ausbau der Energieinfrastruktur fliessen. Um diese Investitionen zu refinanzieren, kommt es für die Unternehmen darauf an, langfristige Verträge mit ihren Abnehmern zu schließen oder beispielsweise ein so genanntes „take-or-pay“-Geschäftsmodell zu fahren, das ähnlich wie ein Mautmodell auf Autobahnen funktioniert. Der Vorteil beider Modelle ist, dass sie den Unternehmen eine verlässliche Kalkulationsgrundlage bieten.   

Ausrüster und Dienstleister der Förderunternehmen können profitieren
Profitieren von der veränderten Situation auf dem Energiemarkt können nach Einschätzung von Nielsen auch die Ausrüster und Dienstleister der Förderunternehmen – wenn sie ihr Geschäftsmodell entsprechend anpassen. Der Einsatz so genannten horizontaler Bohrtechniken und des Fracturings in der Gasförderung ist vergleichsweise komplex und wartungsintensiv. Daraus ergeben sich Chancen für die auf diese Technik spezialisierten Unternehmen – angefangen von den Herstellern der entsprechenden Bohrwerkzeuge, Vermiet- und Reparaturunternehmen bis hin zu Umwelttechnikunternehmen, die das Recycling des bei beim Förderprozess verunreinigten Trinkwassers übernehmen. „Nicht zuletzt dürfte der niedrige Gaspreis dazu führen, dass der Energieträger zunehmend auch als Treibstoff für Kraftfahrzeuge eingesetzt wird“, prognostiziert Janus-Experte Nielsen, „Impulse sind hier vor allem aus dem Flottenmanagement und beim Einsatz in Trucks zu erwarten.“

Hintergrund für die divergierende Preisentwicklung zwischen Öl, flüssigem Gas und Erdgas ist die zunehmende Erschliessung von in Gestein gebundenen „trockenen“ Gasvorkommen in oberen Erdschichten. Wegen der hohen Kosten hatte sich eine Förderung dieser unkonventionellen Vorkommen lange Zeit nicht gelohnt. Technologische Fortschritte in der Bohrtechnik und der Einsatz des so genannten Fracturings, also das Herausbrechen des Erdgases aus dem Gestein mittels hydraulischem Druck, haben die Fördereffizienz jedoch deutlich verbessert. Folge: Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren in neue Explorationsvorhaben investiert. Dadurch ist die Fördermenge von Erdgas in den USA deutlich gestiegen und der Gaspreis ist unter Druck geraten. (Janus/mc/pg)

Janus Capital

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