Valartis erleidet mit Russland-Krise hohen Verlust

Gustav Stenbolt
Gustav Stenbolt, VRP Valartis Group. (Foto: Valartis)

Gustav Stenbolt, CEO Valartis Group. (Foto: Valartis)

Baar – Die Valartis-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2014 aufgrund von Sonderfaktoren und einem deutlich tieferen Zinsergebnis hohe Verluste erlitten. Die Gruppe befindet sich im Umbau und hat im vergangenen Jahr die Schweizer Aktivitäten an die Banque Cramer verkauft sowie die Gruppenstruktur neu organisiert. Zudem hat die Krise in Russland zu Wertberichtigungen und Abschreibungen geführt. Bis zum Sommer will der Verwaltungsrat weitere Massnahmen zur Verbesserung der Ertragslage beschliessen.

Im vergangenen Jahr belief sich der Konzernverlust der Gruppe auf 73,3 Mio CHF nach einem kleinen Gewinn von 0,4 Mio im Vorjahr, wie Valartis in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Bereits im Februar hatte Valartis vor einem hohen Verlust gewarnt; 19,6 Mio davon stammen aus dem nicht-weitergeführten Geschäft infolge des Verkaufs der Valartis Bank Schweiz und der Valartis Wealth Management SA.

Mit den weitergeführten Geschäftsbereichen erlitt Valartis ein noch grösseres Minus von 53,7 Mio CHF gegenüber einem Gewinn auf vergleichbarer Basis von 13,2 Mio im Vorjahr. Das Geschäft umfasst die Segmente Private Clients und Institutional Clients, die aus den Bereichen Private Banking sowie Wealth Management respektive Asset Management, Private Equity, Corporate Finance und Immobilien-Management bestehen.

Russland-Krise belastet
Im weitergeführten Teil sind unter anderem Wertberichtigungen auf Forderungen aus dem im Jahr 2012 erfolgten Verkauf der Firma Eastern Property Holdings nötig geworden. Die auf russische Immobilien spezialisierte Gesellschaft litt unter den internationalen Sanktionen und dies belastete die Valartis-Rechnung 2014 mit 27,5 Mio CHF.

Weiter nahm Valartis Wertminderungen auf Goodwill-Positionen in der Höhe von 10,6 Mio vor, während der Rückgang des Zinserfolgs mit 8,3 Mio belastete. Zudem hätten die tieferen Rubel-Bewertungen von Private-Equity-Beteiligungen sowie Verluste auf dem Obligationen-Portfolio der ENR Russia Invest im Handelsergebnis eine Belastung von 8,1 Mio ausgelöst.

Operativ mit stabiler Leistung
Aus operativer Sicht konnte Valartis den Erfolg aus Kommissionen und Dienstleistungen mit 47,2 Mio CHF stabil halten. Dabei sei er im Segment Private Clients um 19% auf 40,7 Mio angewachsen und die liechtensteinische Bankentochter habe so einen «sehr guten Jahresgewinn» ausgewiesen, heisst es. Die Kosten seien derweil trotz hoher Kosten für die Umsetzung neuer Regulierungen «nur leicht» um 2% auf 53,0 Mio angestiegen.

Die verwalteten Vermögen nahmen im vergangenen Jahr um 9% auf 6,5 Mrd CHF zu mit einem Nettoneugeldzufluss von insgesamt 285 Mio (VJ 438 Mio). Auch hier verzeichnete vor allem das Segment Private Clients bei den verwalteten Vermögen (+15% auf 6,1 Mrd) ein überdurchschnittlich hohes Wachstum.

Weitere Massnahmen geplant
Im Sommer 2014 hat die Valartis Group die in Liechtenstein domizilierte Valartis Finance Holding gegründet und dort die operativen Aktivitäten sowie die Beteiligungen im Finanzbereich eingebracht. Für die liechtensteinische Tochter lag die harte Kernkapitalquote nach Basel II per Ende 2014 bei 15% und die Gruppe erreichte eine Gesamtkapitalquote nach Basel III von 16%. Dies zeige, dass die Eigenkapitalbasis und die Risikotragfähigkeit die Geschäftsrisiken mehrheitlich abfedern, so Valartis.

Der Umbau der Gruppe ist aber noch nicht abgeschlossen. Der Verwaltungsrat werde die Strategie, das Geschäftsmodell sowie die Struktur analysieren und auf das anspruchsvolle Umfeld ausrichten, um «nachhaltig angemessene Erträge auf dem eingesetzten Kapital» zu erwirtschaften, heisst es. Bis zum Sommer sollen weitere Massnahmen eingeleitet werden. Anspruchsvoll seien die tiefen Zinsen, das Anlagegeschäft aber auch die Regulierungsanforderungen.

Ursprünglich hatte Valartis die Publikation der Geschäftszahlen für den 14. April angekündigt, doch musste sie mit Blick auf die neue Gruppenstruktur auf den (heutigen) Dienstag verschoben werden. Auch wurde die Generalversammlung vom 13. Mai auf den 2. Juni verschoben. (awp/mc/pg)

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